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Wildberg Die Manege ist sein Klassenzimmer

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Auch auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart ist der Zirkuslehrer unterwegs.Foto: Widmann Foto: Schwarzwälder Bote

Zwischen Manege und Tiergehege brachte er Kindern vier Jahre lang lesen, schreiben und rechnen bei. Heute reist Widmann zwar nicht mehr selbst mit den Zirkusgruppen durch Europa, unterrichtet sie aber, wenn sie hier in der Region Halt machen. Das ist für ihn mehr als nur ein Beruf – es ist Leidenschaft.

Wildberg. An der Wand hängt ein großes, in Holz eingerahmtes Bild, das zwei Elefanten zeigt. In dem Regal darunter stapeln sich mehr als dreihundert Bücher mit Titeln wie "Die Elefanten" und "Der Clown der Welt". Der Zirkus – das ist Michael Widmanns große Leidenschaft. Vier Jahre lang reiste der Lehrer mit dem Circus Krone durch Deutschland, Österreich und Holland. Sein Klassenzimmer fuhr er dabei höchstpersönlich durch die Gegend. Heute unterrichtet er an der Grundschule in Wildberg – und widmet sich an ein bis zwei Tagen pro Woche den Kindern, die im Raum Böblingen, Tübingen und Pforzheim auf Durchreise sind.

Die Faszination für die bunte Manege beginnt bei Widmann schon als Kind. "Aufgewachsen in Pforzheim, direkt am Messplatz, erlebte ich bereits als Kind intensiv und hautnah jährlich die Gastspiele der großen Zirkusse", erzählt er. Nach der Schule geht es für Widmann und seine Freunde deshalb immer auf direktem Wege in die Fantasiewelt von Clowns, Artisten und Co. Ihre Hilfe anzubieten, ist für die Kinder das Highlight des Tages.

Die Leidenschaft für die Materie hält auch während des Studiums an – Widmanns erste Lehrerstelle ist deshalb keine gewöhnliche, sondern die im Klassenzimmer auf Rädern des Circus Krone. Und auch als er danach eine Weile für Daimler als Lehrer in Südafrika tätig ist, geht er dort seiner Leidenschaft nach, knüpft weiter Zirkuskontakte, von denen sich heute noch Bücher in seinen Regalen finden. Das spannende an seiner Sammelleidenschaft: Er kennt die Menschen hinter den Büchern. "Durch die Bücher sehe ich, wie sich die Geschichten der Menschen weiterentwickeln", erzählt er.

Zu einigen seiner Schüler hat er noch immer Kontakt. Zu sehen was aus ihnen geworden ist, bedeutet ihm viel. Und auch von der Tätigkeit als Zirkuslehrer hat er sich nie ganz gelöst: Heute ist er Bereichslehrer für Kinder und Jugendliche beruflich Reisender in den Schulbezirken Pforzheim, Böblingen und Tübingen. Auf ein bestimmtes Fach will er sich dabei nicht festlegen. Lesen, schreiben, rechnen – das ist das, was er den Kindern vermitteln will.

Dabei sind seine Schüler, bei denen die Spanne von Erst- bis zu Zehntklässlern reicht, nicht nur unterschiedlich alt, sondern auch im Lernfortschritt verschieden. Das allerdings kann auch ein Vorteil sein. So können die Kinder von­einander lernen, beteuert Widmann.

Ein Unterschied zum normalen Schulalltag? "Die Kinder haben kein Beziehungsumfeld. Sie können sich nicht auf die Infrastrukturen verlassen. Die einzigen auf die sie sich verlassen können, sind ihr Familien", betont der 57-Jährige. Als Bereichslehrer begegnet er vielen Kindern allerdings nicht nur einmal, sondern immer wieder. "So kann man Lernprozesse anstoßen und den Kindern wirklich helfen", schwärmt Widmann von seiner Arbeit.

Dass er das Zirkusleben schon einmal hautnah miterlebt hat, helfe ihm auch die Lebensumstände und somit die Kinder besser zu verstehen. Ein weiteres Überbleibsel aus seiner Zirkuszeit? Die Liebe zu Elefanten.

"Ich hatte eine enge Freundschaft zu dem Elefanten-Trainer. Besonders die Nachtwachen sind mir in Erinnerung geblieben", erzählt Widmann. Häufig sei er dabei gewesen, habe den Tieren auf seinem Klappstuhl direkt gegenüber gesessen. Der Trainer habe immer zwischen den Vorderbeinen eines Elefanten gelegen. "So entspannt als läge er auf einem Sofa", erinnert sich Widmann.

Während der Gespräche habe er mit dem Rüssel des Elefanten gespielt, oder seine Zunge geknetet. Die Tiere in Südafrika in freier Wildbahn zu sehen, habe die Faszination noch verstärkt.­ Deshalb ist ein ganzes Regal im Schrank Büchern rund um die grauen Riesen gewidmet.

Selbst wieder herumzureisen, von Stadt zu Stadt in seinem mobilen Klassenzimmer – das fehlt dem Lehrer heute definitiv ein bisschen. Dennoch ist er mit dem Kompromiss aus Grundschullehrer und Bereichslehrer mehr als zufrieden. Und wer weiß – vielleicht geht es irgendwann ja doch noch mal auf Tour. Aber wenn, das steht für Widmann fest, dann nur hinter der Manege, im fahrbaren Klassenzimmer. Denn: "Ich bin Lehrer, meine Rolle im Zirkus ist damit klar", sagt er ganz selbstverständlich.

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