Bei der Identifizierung unbekannter Himmelskörper leistet Rolf Apitzsch sein Computer wertvolle Dienste. Foto: Geideck/Buchner

Hobby-Astronom Rolf Apitzsch aus Wildberg benennt einen neu entdeckten Asteroiden nach seinem Nagolder Zahnarzt.

Wildberg/Nagold - Irgendwo zwischen Jupiter und Mars schwirrt er durchs All: Asteroid 243094. Seit kurzer Zeit trägt er den offiziellen Namen "Dirlewanger", nach dem Nagolder Zahnarzt. Dem wurde so eine besondere Ehrung von einem besonderen Patienten zuteil – Rolf Apitzsch aus Wildberg.Um es gleich vorweg zu nehmen: Angst muss man vor "Dirlewanger" nicht haben. "Er ist nicht gefährlich, weder für die Erde noch für seine Patienten", sagt Rolf Apitzsch, der seit 18 Jahren die Praxis besucht. Der 70-jährige Hobby-Astronom hat mit Beginn seines Ruhestands ein Observatorium in seinen Garten auf dem Wildberger Wächtersberg gebaut und dort Asteroid 243094 entdeckt. Für den Kleinplaneten, der sich derzeit hinter der Sonne befindet, darf er dementsprechend einen Namen bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU) vorschlagen und wählte dafür seinen Zahnarzt Wolfgang Dirlewanger. Jetzt hat die IAU diesen Namen offiziell akzeptiert.

Warum benennt man einen Asteroiden nach seinem Zahnarzt? "Klar ist das ungewöhnlich", räumt Apitzsch ein, "wer geht schon gerne zum Zahnarzt?" Der gebürtige Hamburger tut es jedenfalls, eben weil Wolfgang Dirlewanger gerne bohrt. Nicht unbedingt in den Zähnen, aber doch in der Biografie seiner Patienten. Und so kamen beide häufig auf das Thema Astronomie zu sprechen.

Asteroid 243094 ist derweil längst nicht der erste Kleinplanet, den Apitzsch entdeckt hat. Genau genommen sind es schon 264. Für 57 davon hat der Wildberger Hobby-Astronom bereits Brief und Siegel von der IAU, dass es sich tatsächlich um Neuentdeckungen und nicht versehentlich um Duplikate handelt. 15 seiner entdeckten Asteroiden hat Apitzsch bereits benannt – nach seiner Frau Reingard, Familienmitgliedern, der Stadt Wildberg, Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur oder eben seinem Zahnarzt.

Der gebürtige Hamburger arbeitet mit der NASA zusammen

Für seine restlichen 42 bestätigten Entdeckungen kann er nun ebenfalls einen Namen bei der IAU vorschlagen. Dazu hat er alle Zeit der Welt. Apitzsch: "Dieses Recht kann mir bis zu meinem Lebensende keiner nehmen." Wichtig ist ihm nur, dass er zu allen namensgebenden Personen einen Bezug hat. "Ich habe schon Angebote von Leuten bekommen, die Geld dafür zahlen wollen", berichtet der 70-Jährige. Das komme für ihn aber nicht infrage: "Das verstößt gegen den Ehrenkodex. Außerdem würde ich dafür meine Lizenz verlieren."

Ohne die hätte Apitzsch zwar weniger schlaflose Nächte, in denen er in seinem Observatorium bei absoluter Dunkelheit auf die Pirsch geht, es würde ihm aber auch ein bedeutender Teil seines Lebens fehlen. Als frischgebackener Rentner besuchte er zunächst an der Universität Tübingen als Gasthörer sämtliche Astronomie-Vorlesungen und baute schließlich in seinem Garten seine Sternwarte – in kompletter Eigenregie.

In enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen NASA berechnet er dort die Flugbahn neuentdeckter Asteroiden und überprüfte eingebunden in ein Netzwerk von Hobby- und Profi-Astronomen, ob diese der Erde gefährlich werden könnten. Dabei entdeckte Apitzsch auch selber Asteroiden. Was anfangs somit nur – wie er sagt – "ein Abfallprodukt" war, weckte in ihm den Entdeckergeist. Was die Zahl der entdeckten Asteroiden betrifft, rangiert seine Ein-Mann-Sternwarte in Deutschland derzeit auf dem achten Rang. Nimmt man nur die hobbymäßig betrieben Observatorien, bedeutet dies sogar Platz vier.

Ein spannendes Themenfeld, das nun auch bei seinem neuesten Namenspatron Interesse weckt. "Ich sehe das auch als eine Verpflichtung, mich mehr mit der Astronomie zu beschäftigen", sagt Dirlewanger, der das von Apitzsch ausgestellte Asteroiden-Zertifikat stolz im Eingangsbereich seiner Nagolder Praxis aufgehängt hat. Und da sieht der Zahnarzt, der einst auch Philosophie studiert hat, Parallelen zum Alltag: "Viele achten heutzutage nur noch darauf, was sie auf dem Teller haben. Nur wenige schauen über den Rand hinaus, obwohl das viele Probleme lösen würde. Ich schwebe jetzt sozusagen über Nagold und schaue von oben auf den Teller."

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