Momentan sind die Schulen ohnehin in den Ferien. Doch den Betrieb und zahlreiche Auflagen angesichts Corona empfindet der Jugendgemeinderat als Zumutung für Schüler. Foto: Fritsch

Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf das Lernen. Offener Brief an Politik. "Was soll denn aus einer solchen Jugend werden?"

Das bisherige Schuljahr dürfte vielen Schülern noch lange in Erinnerung bleiben. Wegen der Corona-Pandemie wird von ihnen einiges abverlangt. Zum Teil mehr als sie leisten können. Das sieht zumindest der Nagolder Jugendgemeinderat so, der sich mit einem offenen Brief an die Politik wendet.

Offener Brief an Politik

Nagold - "Ein Hilferuf der Jugend an alle" lautet der Betreff des offenen Briefs. Dieser ging an die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann, Oberbürgermeister Jürgen Großmann, die Mitglieder des Gemeinderats, die Nagolder Schulen sowie den Schwarzwälder Boten. Der Jugendgemeinderat will mit dem Brief auf die Missstände an den Schulen in Corona-Zeiten aufmerksam machen und eine Veränderung bewirken.

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Bereits in der letzten Sitzung im November haben die Jugendräte über den Corona-Schulalltag in rege diskutiert. Mit ihrer Situation wollten sie sich nicht abfinden, weshalb sie sich dazu entschlossen hatten, sich an die Politik zu wenden.

"Uns ist allen bewusst, in welch einer harten und für uns alle noch nie dagewesenen Phase sich die Welt befindet", heißt im offenen Brief. "Durch diese harten Zeiten können wir nur mit Zusammenhalt kommen." Doch von den Schülern werde stellenweise mehr verlangt, als sie leisten könnten. Die Jugend werde auf eine harte Probe gestellt und "wie ein Versuchskaninchen behandelt". Gemeint sind damit die Corona-Regeln die ihren Schulalltag auf den Kopf gestellt haben.

Schüler schreiben Klausuren bei Lärm von draußen

Der Brief schildert in zugespitzter Weise den Tagesablauf der Schüler. Morgens geht es zunächst in den vollgequetschten Bus, in dem "nicht einmal eine Fliege ihren Weg finden würde". Im Unterricht wird den ganzen Tag Maske getragen. Bei der Klausur stört der Lärm von draußen und den Gängen, da Fenster und Türen zum Durchlüften offen bleiben. Mittags können dann die ersten wieder in den vollen Bussen nach Hause fahren, "während der Rest noch mit einer vollverseuchten Maske den Unterricht bis 16 Uhr aushalten muss."

Für manche Probleme liege die Lösung auf der Hand. Seit Jahrzehnten bereite die Schülerbeförderung mit überfüllten Bussen Schwierigkeiten. Durch den coronabedingten Wegfall des Langstreckenverkehrs müsse es möglich sein, mehr Busse einzusetzen, meinen die Jugendräte.

Ein weiteres Problem seien die kalten Klassenzimmer, in denen die Schüler durch das Dauerlüften frieren müssten und schneller krank würden. Der Jugendgemeinderat, der sich in der Vergangenheit an Umweltprojekten, beispielsweise zur Müllvermeidung in der Innenstadt beteiligt hat, kritisiert zudem, dass bei offenen Fenstern die Heizungen aufgedreht sind.

Versäumnis bei Digitalisierung

Die Schwachstelle Digitalisierung hatte im ersten Lockdown zum Teil schwerwiegende folgen. Auch aufgrund schlechter Internetanbindung oder mangelnder Technikkompetenz einiger Lehrer, kam so manch ein Schüler im Unterricht nicht hinterher und schaffte den Abschluss nicht. Hier habe die Politik in jüngster Vergangenheit ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Dieses Versäumnis schade nun einer ganzen Generation.

Einige Maßnahmen, wie beispielsweise die Quarantänepflicht für positiv getestete Schüler, halten die Jugendlichen für sinnvoll. An anderen Maßnahmen äußern sie hingegen Zweifel. Für die Maskenpflicht fordert der Jugendgemeinderat eine "effizientere und präzisere Lösung" oder die ganze Abschaffung an den Schulen. "Da die Maske uns eher schadet, als sie uns schützt."

Mit Sorge blickt der Jugendgemeinderat im offenen Brief auf die Zukunft dieser Schülergeneration. Als Ort des Heranwachsens sei die Schule von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Die Erfahrungen, die die Schüler in diesen jungen Jahren machten, prägten den späteren Charakter und somit ihre Zukunft.

Angesichts der derzeitigen Situation stellt der Jugendgemeinderat daher die Frage: "Was soll denn aus einer solchen Jugend werden?"

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