Die Stadt ist beliebt. Immer mehr Menschen zieht es in die Metropolen. Kein Wunder, dass auch der Grund und Boden immer teurer wird. Foto: Mierendorf

Baugrundstücke in den großen Städten sind sehr gefragt und dementsprechend teuer. Aber nicht alle Bauträger wollen im immer teurer werdenden Bieterwettbewerb mithalten.

'Manchmal ist es besser, von etwas die Finger zu lassen', stellt Helmut Bayer nüchtern fest. Der Regionsleiter der NCC Deutschland spielt dabei auf den jüngsten Bieterwettbewerb um eines der letzten Filetstücke im Stuttgarter Europaviertel an. Wie berichtet, hatte die Bahn die Angebote mehrerer Investoren abgelehnt, weil sie ihnen nicht hoch genug waren. 'So etwas kommt schon gelegentlich vor', räumt Helmut Bayer ein. So viel verrät er: 'Der Verkaufspreis, der sich daraus für uns als Bauträger für die Wohnungen ergeben hätte, erschien uns an dieser Stelle zu gewaltig.' Das Unternehmen mit ostdeutschen Wurzeln und schwedischer Mutter ist in Deutschland zu zwei Dritteln im Wohnungsbau für Endverbraucher und zu einem Drittel im Mietwohnungsbau für institutionelle Investoren tätig. Zur Zeit baut die NCC am Rande des Europaviertels an der Nordbahnhofstraße Eigentumswohnungen und Business-Apartments.


Als Grundstücksbesitzer nimmt man das, was der Markt hergibt

Für Helmut Bayer war das nicht der erste Bieterwettbewerb. 'Wenn ein Grundstück in der Landeshauptstadt auf den Markt kommt, ist man nie der alleinige Bieter.' Die großen Wohnungsbauunternehmen seien fast immer mit am Tisch. 'Und mal gewinnt man, und ein anderes mal kommt der zum Zug, der mehr geboten hat.' Für Helmut Bayer hat das Pokern der Grundstückseigentümer um die besten Angebote, wie jüngst im Europaviertel, aber nichts mit Gier zu tun. 'Es ist legitim. Als Grundstücksbesitzer nimmt man das, was der Markt hergibt. Alles andere wäre dumm.' Am Ende zahle aber immer der den Preis, der die Wohnung kauft oder als Mieter nutzt, räumt der Regionsleiter aber auch ein. Denn die gestiegenen Grundstückspreise spiegelten sich natürlich auch in den Verkaufspreisen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. 'Das Angebot in den prosperierenden Regionen kann nicht so schnell erweitert werden, wie die Nachfrage steigt.


Das führt wiederum zu einem starken Druck auf die Preise', analysiert Bayer. Und das, obwohl Stuttgart aus seiner Sicht noch genügend Brachflächen hätte, die für den Wohnungsbau genutzt werden könnten. Der Regionsleiter vermutet, dass die Stadt nicht alle Flächen nur für den Wohnungsbau nützen will, sondern sich auch noch Ausweichflächen für das Gewerbe als Option offenhalten wolle. Dass die Kosten für Grundstücke im Geschoss­wohnungsbau in manchen Städten durch die Decke gehen, liege aber auch an der Verordnungswut der Politiker. 'In manchen Kommunen können die politisch moti­vierten Sonderwünsche bis zu 10 000 Euro pro Wohnung ausmachen. Auch das wird jemand bezahlen müssen', sagt Bayer. Sein Lieblingsbeispiel: die Stellplatz­verordnung für Pkw. 'Wir müssen für jedes unserer Business-Apartments am Bahnhof einen Stellplatz nachweisen, obwohl die wenigsten Mieter jemals mit dem Auto anreisen werden.' Auch der Nachweis von Fahrradstellplätzen erhöhe die Wohnungskosten unnötig. In Berlin sei die Fahrradstellplatzverordnung längst wieder abgeschafft worden.


Stuttgart ist nicht gerade schnell, was die Bauverwaltung betrifft

Hier müsse die Landesbauordnung noch nachjustiert werden, fordert er. 'Stuttgart ist nicht gerade schnell, was die Bauverwaltung betrifft', merkt der Regionsleiter aber auch an. Rund acht bis zehn Monate dauert es aus Sicht von Helmut Bayer, bis in der Landeshauptstadt ein Bauvorhaben genehmigt ist. Manchmal sei es aber auch einfach nur schade, dass das, was man mit der einen Dienststelle besprochen habe, auf der nächsten Ebene nicht mehr so gesehen werde. 'Dann heißt es eben Rolle rückwärts, und man fängt noch mal von vorne zu planen an.' Auch das koste Geld. Helmut Bayer will sich dabei über den wiehernden Amtsschimmel gar nicht beklagen. 'Vielleicht hängt es einfach damit zusammen, dass es zu viele Strukturen gibt, die alle mitreden wollen', erklärt er sich die Behäbigkeit. Weil Wohnen immer teurer wird, testet das Unternehmen in der Bundeshauptstadt derzeit den Markt für eine besondere Form des preisgünstigen Wohnens.


Das Außergewöhnliche: die Reihenhäuser verfügen gerade mal über eine Wohnfläche von 80 Quadratmetern und haben keinen Keller. 'So etwas geht natürlich nur in einer B-Lage', sagt Bayer. Er räumt aber auch ein, dass man selbst in einem preiswerten Segment die Wohnungen nicht beliebig wird kleiner machen können. Zumal es an manchen Standorten dafür auch an der Nachfrage fehlen dürfte. Wer aber in Anbetracht einer Reihenhausfläche von 80 Quadratmetern ungläubig mit den Augen rollt, sollte mal einen Blick in andere europäische Metropolen werfen, rät Helmut Bayer. Während in Stuttgart durchschnittlich jeder Einwohner 45 Quadratmeter Wohnfläche beanspruche, seien es in London gerade einmal 13 Qua­dratmeter.