Das größte Lego-Schiff, das je gebaut wurde, steht seit Samstag im Breuningerland in Sindelfingen. Zehn Tage lang beteiligten sich rund 2500 Kunden an der Aktion. Mit 8,56 Metern wird die MS Breuninger einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde erhalten.
Stolz steht die MS Breuninger in ihrem Hafen. An Deck des großen Schiffes ist schon allerhand los. Die Menschen sonnen sich auf Liegestühlen, trinken Cocktails, versuchen sich vor den Möwen zu retten. Einige stehen an der Reling und angeln, am Heck wird gerade ein Oktopus aus dem Wasser gefischt. Und wenn man genau hinsieht, wird auf einer Seite sogar ein Sprung in die Tiefe verhindert – oder jemand ins Wasser geschubst, je nachdem, wie man die Szene interpretiert.
In See stechen wird die MS Breuninger allerdings nie. Denn das riesige Seefahrzeug und seine Besatzung wurden aus Legosteinen gebaut und stehen nun im Untergeschoss des Breuningerlands Sindelfingen zur Besichtigung. Streng genommen besitzt die MS Breuninger nicht mal einen Boden. Ihr Ziel ist es in erster Linie, ziemlich cool auszusehen – und groß genug zu sein, um den bisherigen Weltrekord der längsten Legoschiff-Länge zu knacken. Dieser wurde 2017 in Honkong aufgestellt und lag bislang bei genau 8,44 Metern.
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Vom 17. bis zum 26. März haben rund 2500 Besucher des Breuningerlands unter Anleitung des professionellen Lego-Modellbauers Pascal Lenhard an der MS Breuninger gebastelt. Lenhard gehört zum Berliner Lego-Unternehmen Brickmonster und zum Team des TV-bekannten deutschen „Brickmasters“ Rene Hoffmeister. Von Hoffmeister stammen auch Bauvorlage und Entwurf für die MS Breuninger, nach der die fleißigen Lego-Fans in den vergangenen Tagen arbeiten durften. Insgesamt stecken etwa eine Million Steine in dem riesigen Konstrukt, das eine stolze Tonne wiegen soll. Aber schafft es die MS Breuninger auch tatsächlich, ihren Weltrekordvorgänger ihrer Länge zu übertrumpfen?
Um das zu überprüfen, ist an diesem Samstagnachmittag Vermessungstechniker Heinz Hornikel aus Sindelfingen mit einem Kollegen vor Ort. Normalerweise vermisst die Firma eher Gebäude oder Straßenbauten. „Aber es gibt für alles ein erstes Mal“, schmunzelt Heinz Hornikel. Mithilfe eines Tachymeters werden drei Punkte an Heck und Spitze des Schiffes bestimmt, durch die die Größe millimetergenau festgelegt werden kann. Als die Vermesser zur Tat schreiten, herrscht einen Augenblick gespannte Stille. Dann ertönt das Ergebnis: „8,56 Meter“ – und Jubel brandet auf.
„Nur nervös, ob alles rechtzeitig fertig wird.“
Lego-Profi Pascal Lenhard kann sich vor Glückwünschen und Schulterklopfern kaum retten. Zweifel, ob der Weltrekordversuch gelingen würde, hatte der Wahl-Berliner allerdings nie. „Ich war nur ein bisschen nervös, ob alles rechtzeitig fertig wird“, gibt er zu. Die detailreichen Szenen auf dem Schiff, die dem Betrachter allerhand zu entdecken geben, wurden zum Beispiel erst am Vormittag von einem Expertenteam angebracht. Doch am Ende sei alles gut gegangen.
Nun fragt man sich, warum das Ergebnis so spitz auf Kante genäht wurde. Schließlich hätte man die MS Breuninger ja auch gleich zehn Meter lang bauen können, womit der Weltrekordversuch eine sichere Sache gewesen wäre. „Aber diese Lego-Rekorde sind ein weltweiter Battle, bei dem man sich immer gegenseitig übertrumpfen möchte“, erklärt Pascal Lenhard. „Hätten wir die MS gleich so groß gebaut, hätten wir es dem nächsten Rekordversuch unheimlich schwer gemacht.“ Und schließlich gehe es bei dem ganzen Event vor allem um den Spaß und die Mitmachaktion, und nicht um den Sieg.
Bis zum 2. April im Sindelfinger Breuningerland zu bewundern
Die MS Breuninger wird noch bis zum 2. April im Breuningerland zu bewundern sein. Danach soll das Schiff wieder in Einzelteile zerlegt werden. Aber keine Sorge: In Vergessenheit geraten wird die MS Breuninger nicht. Schließlich erhält der neue Weltrekord einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde. Und obwohl das Lego-Kunstwerk nicht seetauglich ist, darf eine Veranstaltung natürlich auch nicht fehlen: die Schiffstaufe.
Diese führt am Samstag Koray Eser, Technical Manager des Breuningerlands Sindelfingen, durch. Natürlich ganz stilecht mit einer Lego-Sektflasche, die am Bug zerbrochen wird und ihren Inhalt aus goldenen Steinchen auf dem Boden ergießt. Eser ist sichtlich fasziniert. Auch die Mitarbeiter des Breuningerland erleben eine solche Aktion nicht alle Tage. „Lego löst schon seit Jahren eine gewaltige Begeisterung bei den Menschen aus“, sagt er. Deshalb habe sich das Breuningerland auch überhaupt erst dazu entschieden, einen Weltrekord-Versuch im eigenen Haus aufstellen zu wollen. „Man merkt, wie viele Leute so ein Event anzieht.“