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Weihnachtsgeschäft vs. Infektionsschutz Der Appell der Nagolder City-Vereinsvorsitzenden

Von
City-Vereinsvorsitzende Siegrid Plaschke Foto: Fritsch

Dem einen herrscht zu viel Trubel in der Stadt, dem anderen noch deutlich zu wenig. Nagolds Händler und Gastronomen durchleben gerade schwere Zeiten. Im Interview appelliert City-Vereinsvorsitzende Siegrid Plaschke: "Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass Geschäfte und Gastronomen diese Zeit überleben." Das gesamte Interview gibt es in unserem (SB+)Artikel.

Nagold - Wie kann man die Stadt am Leben erhalten, ohne gegen die Corona-Regeln zu verstoßen? Das ist der schmale Grat, auf dem auch die Kommunalpolitik wandelt. Siegrid Plaschke ist Stadträtin, Cityvereinsvorsitzende und selbst Händlerin in der Innenstadt. Sie kennt das Dilemma.

Schlagen bei Ihnen auch zwei Herzen in der Brust? Das der Kommunalpolitikerin, die die besondere Verantwortung in Zeiten von Corona spürt, und jenes der Geschäftsfrau, die um das Überleben der Innenstadt bangt?

Klar. Es ist ein echter Spagat. Auf der einen Seite sehen wir die Infektionszahlen, auf der anderen Seite müssen wir diese Zeit überstehen und den Spielraum nutzen, der uns zur Verfügung steht – mit Verstand! Der Aufenthalt in der Innenstadt, im Freien, mit Maske und mit Abstand ist für mich absolut kein Problem. Die Händler tun alles, um möglichst viel Sicherheit zu bieten. Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass Geschäfte und Gastronomen diese Zeit überleben. Wir haben während des ersten Lockdowns gesehen, was es bedeutet, wenn die Stadt tot ist. Ich kann nur an jeden appellieren den Handel vor Ort zu unterstützen, nicht aus Mitleid, sondern um die tolle Mischung von attraktiven Geschäften zu erhalten, die wir in Nagold haben.

Wie ist die Stimmung in der Händlerschaft, nachdem die Verlängerung des Teil-Lockdowns verkündet wurde?

Natürlich kein Grund zum Jubel – bei allem Verständnis. Die Zeit vor Weihnachten ist für den Handel die wichtigste im ganzen Jahr. Die Umsätze aus dieser Zeit helfen die schwachen Phasen im Jahr zu überbrücken. Wenn ich an meine Branche, den Weinhandel, denke: Wir machen ein Drittel unseres Jahresumsatzes in den letzten sechs Wochen des Jahres. Das ist für uns in diesem Jahr eine große Herausforderung. Die Pandemie spielt den großen Versandhändlern in die Karten. Amazon, Zalando und Co tun nichts dafür, dass unsere Innenstädte lebendig und attraktiv bleiben. Inhabergeführte Geschäfte kümmern sich darum, weil sie Teil dieser Städte sind. Ein Beispiel: der schöne Weihnachtsbaum am Vorstadtplatz. Das ist eine gemeinsame Aktion von Stadt und Cityverein. Jeder, der den Baum bewundert, sollte sich vor Augen halten, dass diese Aktion auch vom Handel vor Ort mitfinanziert ist. Wir können mit unserem Einkaufsverhalten ganz direkt die Stadt unterstützen, in der wir uns daheim fühlen.

Noch schlimmer trifft es die Gastronomie. Allein im Kreis Calw sind 3200 Menschen in der Hotellerie und Gastronomie beschäftigt...

Die Wirte sind echt gebeutelt. Die Einnahmen aus dem To-go-Verkauf decken oft nicht die laufenden Kosten. Staatliche Unterstützung ist zwar in Aussicht gestellt, aber mit großem bürokratischen Aufwand verbunden – und keiner weiß, was er erwarten kann. Es ist in der Gastronomie immer eine Herausforderung funktionierende Teams im Service und in der Küche zusammenzustellen – das fällt jetzt alles auseinander. Dazu kommt die Unsicherheit, wie´s weitergeht. Stundungen sind eine vorübergehende Lösung. Irgendwann wollen Vermieter und Bank auch wieder Geld sehen. Die Nerven liegen blank. Da fließen auch Tränen.

Im Verwaltungsausschuss haben Sie sich dafür ausgesprochen, die Regeln etwas großzügiger zu handhaben, wenn es um den Ausschank von Glühwein oder dem Verkauf von kleinen Snacks geht. Wie könnte sowas Corona-konform aussehen?

Eigentlich gibt es diese Regeln ja bereits. Die Verordnung des Landes sieht vor, dass es To-go-Angebote geben kann. Natürlich wollen wir Abstandsregeln einhalten und wenn wir das sehr restriktiv handhaben und alles von vorn herein untersagen, dann verlagert sich vieles in den privaten Raum. Dort gibt es keine Kontrolle. Im öffentlichen Raum ist das eigentlich gegeben. Schauen wir nur abends in die Marktstraße. Die Menschen stehen vor dem Rathaus, freuen sich an der tollen Lichtinstallation – alles regelkonform. Ich hätte mir gewünscht, dass wir dort auch einen Glühwein hätten ausschenken können. Es hat sich aber gezeigt, dass mit diesem ›Weihnachtsmarktfeeling‹ schnell alle Regeln über Bord geworfen werden. Die neuen Infektionszahlen lassen da einfach wenig Raum für Großzügigkeit.

Was gibt Ihnen in diesen Zeiten dennoch Zuversicht?

Ich bin ein optimistischer Mensch. Ich habe in meinem Leben schon viel erlebt und die Erfahrung gemacht, dass es immer irgendwie weitergeht, man muss es nur anpacken. Wir werden auch diese Pandemie überstehen. Was ich mir wünsche? Respekt vor anderen und ihrer Meinung, weniger dumme, primitive Kommentare in den sozialen Netzwerken und mehr Toleranz.

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