Weihnachtsfeiern in Restaurants und Gasthäusern sind derzeit gefragt. Doch viele Wirte sehen mit Sorgen auf das kommende Jahr. Foto: dpa/Patrick Pleul

Das in der Gastronomie wichtige Weihnachtsgeschäft läuft vielerorts überraschend gut. Doch die Aussichten für das kommende Jahr sind nicht so rosig.

Beim Fellbacher Eventcatering Rauschenberger ist von der getrübten Stimmung in etlichen Wirtschaftsbranchen nichts zu spüren. Rund 80 Firmenfeiern richtet das Unternehmen um die Weihnachtszeit aus, 50 davon in der Region Stuttgart. Vor allem Mittelständler und Konzerne zählen zu den Stammkunden. „Wir haben einen sehr starken Dezember“, sagt Geschäftsführerin Natascha Flamm. „Tendenziell gibt es bei den Feiern nach Corona noch immer einen Nachholbedarf.“

 

Firmenfeiern sollen die Beschäftigten wieder zusammenführen

Tatsächlich läuft das Geschäft mit den Weihnachtsfeiern bei Rauschenberger besser als 2019, im Jahr vor der Pandemie. Die Firmen merkten, dass sie in Zeiten von Homeoffice und digitalen Besprechungen die Beschäftigten wieder zusammenführen müssten, sagt Flamm. „Dazu sind solche Events essenziell, das haben wir schon an der Nachfrage nach Sommerfesten gemerkt.“ In Zeiten des Fachkräftemangels würden weniger als früher die Ausgaben für die Beschäftigten beschränkt, meint sie. „Gespart wird an anderer Stelle.“

Auf dem Land, im landschaftlich idyllischen Zollernalbkreis, ist die Einschätzung eine andere. Vor der Pandemie reservierten die großen örtlichen Firmen im Landgasthaus Wiesental. Seit dem vergangenen Jahr blieben die Großbuchungen aus, sagt Inhaber Peter Schwark. „Jetzt treffen sich vor allem die Abteilungen zur Feier, bisher haben nur drei Firmen für 30 bis 60 Personen bei uns gebucht, und das Budget ist eher kleiner.“

„Man lässt sich die Feier nicht nehmen“

Zum Glück könne man auf die kleineren Unternehmen, auf die Speditionen und Handwerksbetriebe, nach wie vor bauen, sagt Schwark: Die Beschäftigten säßen zusammen, einige bezahlten das Essen aus der eigenen Tasche. „Man lässt sich die Feier nicht nehmen. Grundsätzlich läuft es bei uns gut – wir könnten mehr Geschäft machen, wenn wir das nötige Personal hätten.“ Schwark engagiert sich auch im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Zollernalbkreis. „Auch von den Kollegen hört man dieses Weihnachten Positives.“

Etliche Betriebe im Südwesten würden das für ihre Lage nicht unterstreichen, wenn es nach einer Umfrage des Dehoga Baden-Württemberg geht, die unserer Zeitung vorliegt. Demnach gaben zwar knapp 60 Prozent von 780 Mitgliedsbetrieben, die im Zeitraum vom 4. bis 7. Dezember befragt wurden, an, dass das Weihnachtsgeschäft gleich gut (40 Prozent) oder sogar besser (19 Prozent) laufe als im Vorjahr. Gut 40 Prozent verzeichneten aber eine schlechtere Entwicklung.

Vielerorts läuft es derzeit schlechter als vor der Coronakrise

Im Vergleich zu 2019 laufen bei 12 Prozent die Geschäfte bisher besser – bei gut 60 Prozent aber schlechter als vor der Coronakrise. Mehr als die Hälfte verzeichnete einen Rückgang bei Gruppenreservierungen – seien es private Feiern oder Firmenevents. Demnach würde das Weihnachtsgeschäft stark von den Besuchen von Individualgästen getragen.

Insgesamt ist die Zwischenbilanz aber überraschend gut. „Dieses Jahr gingen schon früh Buchungen ein, vor allem die Donnerstage und Freitage sind gefragt“, sagt Nunzio Chiumenti, Geschäftsführer der Böblinger Schönbuch Braumanufaktur. Dass bei Mercedes-Benz die Vorstandsressorts keine übergreifenden Jahresabschlussfeiern veranstalten, wie es aus der Pressestelle des Autobauers heißt, spüre er nicht. „Aber zu uns kommt eher die breite Masse und weniger die Vorstände“, wie er sagt. Eher ziehe das Brauhaus die Soldaten aus den nahe gelegenen Kasernen an.

Auch beim „Schlemmertöpfle“, einem kleinen schwäbischen Restaurant im Esslinger Stadtteil Mettingen, sieht Geschäftsführerin Cornelia Sachs die Lage entspannt: Die Frequenz entspreche jener im Vorjahr, auch den guten Geschäften der Vorcoronazeit nähere man sich an. „Im Dezember ist immer viel los. Wer jetzt kein Geschäft hat, hat etwas falsch gemacht. Wir kehren langsam zur Normalität zurück.“

Im Gasthaus zur Linde in Stuttgarter Stadtteil Möhringen sind aktuell bis Anfang Januar alle Tische reserviert. Das Gasthaus mit gehobener Schwäbischer Küche ist der Gänsebraten für 45,90 Euro zu haben. „Es läuft sehr gut“, sagt Geschäftsführer Maximilian Trautwein. Sorgen bereitet ihm, dass die Mehrwertsteuer auf Speisen von derzeit 7 Prozent ab Januar auf 19 Prozent steigen wird. „Das wird uns Kundschaft kosten.“

In der Mehrwertsteuer, die die Bundesregierung zum Januar wieder auf den normalen Satz anheben will, sehen die Gastronomen für das kommende Jahr die größte Belastung. Gut 60 Prozent der Betriebe im Land geben in der Dehoga-Befragung an, die Steuererhöhung würde ihre Betriebe „wirtschaftlich hart“ treffen. 5,4 Prozent kündigten an, das Unternehmen mangels Perspektiven aufzugeben. Rechnet man das auf die rund 25 000 gastgewerblichen Betriebe in Baden-Württemberg hoch, würden rund 1350 Betriebe schließen.

Die Preise könnten auf breiter Front steigen

Auf die Kunden kommen zudem auf breiter Front Preiserhöhungen zu. Laut Umfrage müssten die Betriebe die Preise im Schnitt um knapp 14 Prozent erhöhen, um die Steuererhöhung sowie steigende Kosten bei Lebensmittel und Personal zu kompensieren – ob sie zu solchen Erhöhungen tatsächlich greifen, steht auf einem anderen Blatt.

Nunzio Chiumenti von der Schönbuch Braumanufaktur will die Preise im kommenden Jahr um 6 bis 10 Prozent heraufsetzen. Dass er künftig weniger Gäste hat, bezweifelt er. „In unserer Preislage werden wir das fast nicht spüren.“ Maximilian Trautwein von der Möhringer Linde rechnet mit einer Preissteigerung zwischen 7 und 10 Prozent.

Schwark vom Landgasthaus Wiesental weiß noch nicht, wie er seine Speisekarte modifizieren wird. Die Portionen sind wie auf dem Land oft üblich so groß, dass sich manche Senioren die Reste für das Mittagessen tags darauf einpacken ließen. Er könnte auch eher die Menge reduzieren, anstatt an der Preisschraube zu drehen.