Weihnachtsdeko in Städten, Adventsmärkte in den Straßen - die Zeichen der nahenden Weihnachtszeit sind nicht zu übersehen. Aber eigentlich beginnen die Feierlichkeiten laut Kirchenjahr erst nach dem Totensonntag. Wir wollten wissen, was die evangelische Kirche dazu sagt.
Es weihnachtet schon schwer in der Region. Bereits im September stellen Supermärkte ihre Weihnachts-Leckereien und Produkte auf, im Radio hat der eine oder andere bereits den Wham-Gassenhauer „Last Christmas“ gehört und auch in den Straßen der Städte und Gemeinden wird die Weihnachtsdeko aufgestellt. In einigen Orten fanden sogar schon die ersten Weihnachts- und Adventsmärkte statt.
Dabei hat die Adventszeit eigentlich noch gar nicht begonnen. Der erste Advent 2025 ist erst am 30. November. Zuvor wird, zumindest in evangelischen Gemeinden, eigentlich noch der Totensonntag – auch und ursprünglich Ewigkeitssonntag –, am 23. November, begangen - das Gegenstück zum katholischen Allerseelen (2. November).
Hintergrund in den napoleonischen Kriegen
Den Hintergrund des Ewigkeitssonntags kennt Kirchenrat Dan Peter, Sprecher der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: „An diesem Tag wird der Blick in die Zukunft gerichtet. Weg von unserer Welt auf Gottes kommende Welt, auch auf das ’Jüngste Gericht’.“
Seinen Ursprung findet die heutige Interpretation des Tages im frühen 19. Jahrhundert. „Im Nachgang zu den furchtbaren napoleonischen Kriegen mit hunderttausenden von Toten und den nachfolgenden Hungerjahren, auch wegen der durch den Vulkan Tambora verursachten, weltweiten Wetterkatastrophen“, schildert Dan Peter, „wurde 1816 aus dem Ewigkeitssonntag vielerorts der Totensonntag, der das Gedächtnis auf die Gefallenen und Verstorbenen richtet.“
Advent ist im Dezember
Als stiller Feiertag, an dem auch Tanzveranstaltungen oft gesetzlich verboten sind, steht der Feiertag verständlicherweise im Kontrast zur bunten, fröhlichen Vorweihnachtszeit. Dass die Zeiten sich geändert haben, ist aber auch Peter nur zu bewusst: „Was sich tatsächlich auch im kirchlichen Bereich etwas verschliffen hat, ist die strikte Trennung der Adventszeit - eigentlich eine Fastenzeit mit dem Thema „Warten, Erwarten, Hoffen“ - von den Weihnachtssonntagen, einer freudigen Festzeit.“ Allerdings gebe es mittlerweile die von den evangelischen Kirchen mitgetragene Aktion „Advent ist im Dezember“, die laut Peter eine erstaunlich hohe Beteiligung und Zustimmung erfährt.
Gemeinden können frei entscheiden
Doch Probleme und strikte Regeln scheint die Landeskirche nicht mit Schmuck vor den Adventstagen zu haben. Die Kirchenbezirke und auch die Kirchengemeinden können in dieser Frage frei entscheiden“, meint Peter, aber es bestehe kein Interesse, die Kirchen vorab zu schmücken. Auch Advents- und Weihnachtsmärkte vor dem Totensonntag und ob sich „Christen, Kirchengemeinden oder Kirchenbezirke vor dem Totensonntag auch an diesen beteiligen oder diese besuchen“, sei in den letzten Jahren in der Evangelischen Landeskirche nicht problematisiert worden.
Zudem sei bekannt, dass einige Weihnachtsmärkte aus Respekt vor dem Ewigkeitssonntag, einem Gedenktag für die Toten, an diesem Sonntag die Stände geschlossen halten. Als stiller Feiertag geniest der Ewigkeitssonntag zudem – im Südwesten sowie einigen anderen Bundesländern – einen besonderen Schutz vom Gesetzgeber. So gilt an diesem Tag, ähnlich wie an Karfreitag, ein Tanzverbot von 5 bis 24 Uhr sowie ein Verbot von Sportveranstaltungen bis 13 Uhr.