„Es fällt uns nicht leicht. Es tut einfach nur weh“: Der „singende Wasenwirt“ Heinz Koch und seine Frau Vera wollen „definitiv“ kein Wasenfest und kein Wasen-Open-Air mehr veranstalten.
Weitergeführt werden soll das traditionelle Kesselfleischessen – wenn auch in kleinerem Rahmen und eventuell ohne Musik. Der Betrieb in der Wasenstube, die mittwochs regelmäßig zum Kesselfleischessen und freitags zum Dämmerschoppen geöffnet hat, läuft weiter wie gewohnt. Auch für angemeldete Gruppen und für Reisegesellschaften bleibt geöffnet. Der Betrieb der Metzgerei bleibt vom Aus der Großveranstaltung ebenfalls unberührt.
„Es war eine schwere Zeit“
Seit 1982 betreiben Koch und seine Frau die Wasenstube und die Metzgerei. Der gelernte Metzger erstellte das Gebäude auf einem Grundstück seiner Eltern. Sein Vater Julius Koch war Metzger und betrieb Hausschlachtungen. "Es war eine schwere Zeit", erinnert sich Koch. "Einige haben geglaubt, dass wir das nicht schaffen."
Doch das Ehepaar Koch gab nicht auf – und hat es geschafft. Auch wenn vier Tage vor der offiziellen Eröffnung der Wasenstube ein Schwelbrand ausbrach. Die Metzgerei konnte planmäßig geöffnet werden, die Gastwirtschaft folgte mit vier Wochen Verspätung. Mit dem Tod seines Vaters musste Koch 1986 einen Schicksalsschlag verkraften. In den folgenden Jahren ging es mit der Wasenstube ständig voran. Das Wirtshaus und die Metzgerei wurden modernisiert und erweitert, Neubauten wie die Wasenhalle kamen dazu. Tochter Alexandra Ikiz stieg ins elterliche Geschäft ein, auch Sohn Michael, der in Weilen ein Tattoo-Studio betreibt, hilft mit.
Zwei Jubiläen gefeiert
Viele bekannte Stars
Im vergangenen Jahr wurden mit „40 Jahre Wasenstube“ und „30 Jahre Open Air“ gleich zwei Jubiläen gefeiert. Höhepunkt war das Konzert mit den Höhner. Vom ersten Jahr an richteten die Kochs das Wasenfest aus. Anfangs kamen um die 50 Gäste, heute sind es, wenn das Wetter mitspielt, an die 1500 Besucher. Zum Zehnjährigen wurde das erste Open Air der Volksmusik veranstaltet. Mit dabei waren damals die Steintaler und Bettina.
Im Laufe der Jahre konnten bekannte Künstler begrüßt werden wie die Geschwister Hofmann, Andy Borg, Oswald Sattler, Tony Marshall und die Höhner. Mehr noch: Seit 2001 sammelt Koch für die Kinderkrebsstation im Stuttgarter Olgahospital. Im Laufe der Jahre sind an die 500 000 Euro zusammengekommen. Als Lohn für sein soziales Engagement ist er 2008 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler ausgezeichnet worden.
Entscheidung ist schwer gefallen
Und nun soll Schluss sein? Die Entscheidung, kein Wasenfest und kein Open Air mehr zu veranstalten, falle ihm nicht leicht. „Aber es muss sein. Es geht so nicht mehr.“ Für seinen Entschluss spielten mehrere Faktoren eine Rolle, sagt Koch (66). Neben dem Alter und der Gesundheit würden ihm auch Aussagen zu schaffen machen, die in der Gemeinde kursierten. „Ich sei nicht sonderlich beliebt in Weilen“, habe er schon gehört. So etwas mache einem natürlich zu schaffen, das sei frustrierend. In der Wasenstraße seien in diesem Jahr beim Wasenfest zusätzliche Parkverbotsschilder aufgestellt worden,und die Feuerwehr dürfe den Verkehr nicht mehr regeln: „Da kommt vieles zusammen.“
Immerhin: In den vergangenen Jahren konnten die Kochs stets auf einen Stamm treuer und engagierter Helfer zählen, die selbst aus Freiburg, Zweibrücken und Heilbronn angereist kamen – und auf Sponsoren: „Ohne die geht es nicht.“ Und sie haben sich immer auf die zahlreichen Besucher beim Wasenfest gefreut: „Die sind sogar aus Stuttgart und aus der Bodenseeregion gekommen. Manche haben sich im Jahr nur einmal getroffen – und das beim Wasenfest.“ Dass er bei den Open Airs bekannte Künstler zu Gast hatte, habe auch zur Bekanntheit von Weilen und des Oberen Schlichemtals beigetragen. Früher, so Koch, habe es geheißen: „Es gibt drei Höhepunkt im Oberen Schlichemtal: die Schömberger Fasnet, die Bartweltmeisterschaften und das Wasenfest.“
„Singender Wasenwirt“ plant neue CD
Als „singender Wasenwirt“ will Heinz Koch weitermachen. Rund 150 eigene Titel hat er im Repertoire. Zwölf CDs hat er herausgebracht; eine weitere ist in Planung. Sein nächster Auftritt ist am kommenden Sonntag im Strohpark in Schwenningen. Und auch für die Kinderkrebsstation im Stuttgarter Olgahospital wird er weiter Spenden sammeln.