Anke und Manfred Kränzler betreiben auf ihm seit 2022 biologisch-dynamische Landwirtschaft. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Der Schönberghof von Familie Kränzler ist einer der landwirtschaftlichen Betriebe, die von dem geplanten Fallschirmübungsgelände betroffen wären.

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) soll über dem Gelände Fallschirmsprünge üben. Anwohner befürchten Fluglärm, Abgase und den Verlust von Äckern. Wer sind diese Menschen, wie nutzen sie die Flächen, womit verdienen sie ihr Geld und welche Nachteile sehen sie in den Waldhofplänen? Das fragt unsere Redaktion Anke und Manfred Kränzler, die den Schönberghof auf Isinger Gemarkung betreiben.

 

Wie weit ist der Hof vom Waldhof entfernt?

2700 Meter auf der Straße, 2100 Luftlinie. Das Wohnzimmerfenster geht in Blickrichtung Waldhof. „Wir haben Sorge wegen dem Lärm“, sagt Manfred Kränzler. „Wir sind auf der gleichen Höhe und der Wald dazwischen wird immer lichter.“

Wer betreibt ihn?

Der Schönberghof wurde 1964 von Helmut Vogt als Aussiedlerhof gebaut. 1996 hat ihn die Helixor-Stiftung gekauft und auf Demeter-Bewirtschaftung umgestellt. Die Eheleute Kränzler sind seit 2002 Pächter. „Wir wollten immer Landwirtschaft betreiben und lieben die Ruhe auf dem Land“, sagen sie.

Die gelernte Erzieherin und ländliche Hauswirtschafterin stammt aus Albstadt, der Landwirt und Agraringenieur aus Gruol. Kennengelernt haben sie sich in Stuttgart. Doch das Leben in der Großstadt haben sie bewusst hinter sich gelassen.

Wie viele Menschen leben dort?

Neben den Eheleuten und ihrer erwachsenen Tochter Clara ist der Hof das Zuhause für den Mitarbeiter Laurenz Flegar und einen Auszubildenden.

Und wie viele Tiere?

Die Herde umfasst etwa 25 Mutterkühe der Rassen Aubrac und Blonde d’Aquitaine mit ihren bis zu zwei Jahre alten Kälbern. Dazu kommen ein alter Hund, zwei Katzen, zwei Ponys und einige Hühner.

Welche Fläche wird bewirtschaftet?

160 Hektar Ackerland und 80 Hektar Grünland. Die Mutterkuhhaltung und die Bewirtschaftung ohne Pestizide nutzten der Artenvielfalt, sagen die Kränzlers: Auf den Getreidefeldern blühen Blumen und schwirren Insekten. Die Uni Heidelberg hat 54 verschiedene Pflanzenarten auf den Äckern des Schönberghofs gezählt – zehn Mal mehr als auf jenen eines konventionellen Betriebs. „Die Regenwürmer sind unsere wichtigsten Mitarbeiter“, sagt Manfred Kränzler schmunzelnd.

Eigentlich liegt umweltfreundliche Landwirtschaft im landespolitischen Trend: Laut dem Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ sollen bis 2030 mindestens 30 Prozent der Lebensmittel biologisch erzeugt werden.

Deshalb findet Manfred Kränzler: „Einer grünen Landesregierung würde es sehr gut zu Gesicht stehen, auf dem Waldhof ein Öko-Vorzeigeprojekt zu ermöglichen, statt ein Militärgelände zu bauen.“ Dafür, ergänzt seine Frau, wäre das Gelände gut geeignet: Die großen Felder liegen direkt am Hof, Infrastruktur ist vorhanden. Doch die Gebäude sollen ja abgerissen werden, wenn das KSK kommt.

Wie wird diese Fläche genutzt?

Ackerbau, Grünlandwirtschaft und Viehhaltung sowie rund 540 Apfel- und Birnbäume prägen die Felder und Wiesen des Schönberghofs. Sie wollten immer biologisch-dynamische Landwirtschaft betreiben, sagt das Ehepaar: „Das ist eine Herzensangelegenheit.“ Dafür hat Manfred Kränzler sich bereits während seines Studiums interessiert und früh Vorteile der Bio-Landwirtschaft für Mensch und Umwelt erkannt. Nach dem Studium arbeitete er beim Öko-Anbau-Verband Bioland.

Was ist die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs?

Das wichtigste Standbein sind der Getreideanbau, beispielsweise von Dinkel, und dessen Verarbeitung, etwa in Form der Dinkel-Entspelzung. Bäckereien in der Region beliefert der Schönberghof mit verschiedenen Getreidesorten. Größter Kunde ist Bäcker Baier in Herrenberg, der unter anderem die B2-Biomärkte beliefert.

Die Mutterkuhhaltung ist zweiter wirtschaftlicher Faktor: Zum Teil werden die Tiere zur Zucht verkauft, zum Teil geschlachtet und das Fleisch regional vermarktet.

Bedrohen die Waldhof-Pläne diese Grundlage?

Zwölf Hektar Fläche des Schönberghofs grenzen direkt an das geplante Fallschirmgelände. Dies sind – vom Landwirtschaftsamt bestätigt – die besten Ackerböden im Zollernalbkreis. „Aber wir wissen noch nichts über die Einschränkungen der Bewirtschaftung.“ Was, wenn in der Erntezeit gesprungen wird und deshalb Straßen gesperrt sind? Stehende Maschinen kosten die Landwirte viel Geld.

Hinzu kommt die befürchtete Belastung durch zusätzlichen Fluglärm. Dieser grenze durch die Fallschirmspringer auf dem Flugplatz Zepfenhan bereits jetzt geradezu an „Psychoterror“.

Bundeswehrflüge über dem Waldhof-Areal würden die Lebensqualität der Anwohner weiter einschränken. „Und was nie gesagt wird: Was macht das US-Militär?“, sorgt sich Manfred Kränzler. „Wenn die mit Riesenhubschraubern kommen, dann wackeln in Isingen die Wände.“

Welche Pläne liegen wegen des KSK-Vorhabens auf Eis?

Mit Investitionen warten die Kränzlers derzeit ab und sind vorsichtig, bis die Entscheidung über den Waldhof gefallen sein wird: „Falls das Militärgelände kommt, sind enorme Einschränkungen der Lebensqualität zu erwarten, was auch Auswirkungen auf potenzielle Mitarbeitende und die Ausrichtung des des Betriebs hat.“

Was machen Sie, wenn der Waldhof Übungsgelände wird?

„Wir haben uns auf diesen Ort festgelegt“, sagen die Kränzlers: Für ihre Rente haben sie in Isingen ein Haus gekauft. Sie machen sich Sorgen, wie es mit den Waldhof-Plänen weitergeht. „Aber unser Fokus liegt darauf, das zu verhindern.“

„Es ist nicht zu spät, sich zu engagieren“, findet Anke Kränzler. Das Übungsgelände sei noch keine endgültige Sache, man könne noch etwas dagegen tun. Ihr Mann sagt: „Die Bevölkerung in der Region muss sich wehren. Alle umliegenden Gemeinden werden betroffen sein.“ Weil Sachargumente gegen die Waldhof-Pläne sprächen, werde die Bürgerinitiative nicht aufgeben. Man wolle weiterhin sachlich bleiben und mit kreativen Aktionen auf das Anliegen aufmerksam machen, ergänzt Anke Kränzler.