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Waldachtal Unternehmer Fischer zur Corona-Krise: Globalisierung lässt sich nicht zurückdrehen

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Die Coronavirus-Pandemie wird nach Ansicht des Unternehmers Klaus Fischer nicht zu einer Umkehr der Globalisierung führen. Foto: (dpa)

Waldachtal - Die Coronavirus-Pandemie wird nach Ansicht des Unternehmers Klaus Fischer nicht zu einer Umkehr der Globalisierung führen. "Nach einer solchen Krise müssen wir alle analysieren, was richtig und was falsch gelaufen ist, besonders die Politik", sagte der Inhaber des Befestigungsspezialisten Fischer mit Sitz in Waldachtal. "Grundsätzlich halte ich aber nichts von radikalen Veränderungen in Bereichen, die insgesamt bislang gut funktioniert und von denen wir als Gesellschaft in großem Stil profitiert haben."

Dazu gehöre für ihn auch die Globalisierung. "Natürlich hat diese auch ihre Schwächen und muss stetig nachgebessert und überprüft werden. Sie lässt sich aber sicher nicht mehr zurückdrehen, was der Großteil unserer Gesellschaft auch nicht will", sagte der 69 Jahre alte Professor.

Jeder habe gewusst, dass es irgendwann eine solche Pandemie geben würde. "Mein Eindruck ist, dass Deutschland, trotz aller widrigen Umstände, gegenüber vielen anderen Ländern einigermaßen gut darauf vorbereitet war." Was schlecht laufe, sei die Absprache innerhalb der Europäischen Union. Von der EU-Spitze sei fast nichts zu hören. "Es gibt keine Gemeinschaft, nur eine Ansammlung von einzelnen Staaten, die individuell agieren", kritisierte Fischer. "In dieser Krise ist klar zu erkennen, in welch schlechtem Zustand sich die EU befindet." Mit Blick auf die Weltgemeinschaft sei die Situation noch dramatischer. "Daraus müssen wir die Lehren für die Zukunft ziehen."

Mehr Geld für die Vorsorge ausgeben

Er wünsche sich, "dass wir unsere Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte, vor allem Frieden und Freiheit in Deutschland und Europa, wieder mehr schätzen". Das sei keine Selbstverständlichkeit. "Dies ist ein sehr hohes Gut, mit dem wir besonders verantwortungsvoll umgehen müssen."

Er habe das das Gefühl, dass die Gesellschaft nach fast zwei Wochen Ausgangsbeschränkungen nachdenklicher werde. "Vieles, was wir vorher als normal angesehen haben, wird wieder mehr geschätzt. Der persönliche Austausch von Mensch zu Mensch oder die ständige Warenverfügbarkeit." Dass es mal einen Mangel an Toilettenpapier oder Nudeln geben würde, hätte vor einem Monat niemand erwartet. "75 Jahre Frieden und stetig zunehmender Wohlstand in Deutschland bringen es aber auch mit sich, dass wir mit Mangel gar nicht mehr umgehen können, dass wir nicht zum Friseur gehen können, wenn wir wollen, ins Restaurant oder ins Kino."

In Deutschland müsse unbedingt mehr Geld für die Vorsorge ausgegeben werden, forderte Fischer. "In einem so reichen Land wie Deutschland darf es keinen Mangel an lebensnotwendigen Medikamenten, Schutzausrüstung oder Beatmungsgeräten geben." Das sei für ihn aber weniger eine Frage des Geldes, denn Deutschland habe im Vergleich zu anderen Staaten in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und sei vergleichsweise reich. "Wenn wir hier ein Problem haben, dann ist es eher eines der Logistik und der Organisation."

Unternehmensgruppe spürt Auswirkungen der Pandemie deutlich

Der Unternehmer dankte allen Pflegekräften und Ärzten. "Deren Leistung in dieser Krise ist außergewöhnlich und bewundernswert." Pflegeberufe müssten in Deutschland viel attraktiver und Pflegekräfte viel besser bezahlt werden. Allein dadurch ließe sich ein Pflegenotstand abwenden. Hier sei die Politik in der Pflicht. "Denn ein starkes Gesundheitswesen kann es nur geben, wenn wir eine starke Wirtschaft haben."

Die Unternehmensgruppe Fischer spüre die Auswirkungen der Pandemie deutlich, sagte der 69-Jährige. Viele der 49 Landesgesellschaften seien betroffen, in vielen Ländern sei der Betrieb vorübergehend geschlossen. In Deutschland habe das Unternehmen seit dem 1. April Kurzarbeit. "Es gibt aber auch hoffnungsvolle Entwicklungen: In China verbessert sich unsere Situation wieder, die ersten Projekte laufen an." Prognosen ließen sich insgesamt aber kaum stellen.

Viele Fischer-Mitarbeiter arbeiteten im Homeoffice. Workshops, Besprechungen oder Konferenzen würden jetzt noch mehr digital durchgeführt. "Wir haben selbst schon einiges aus der Krise gelernt. So stellen wir fest, dass wir nicht mehr für jede Besprechung um die halbe Welt fliegen müssen", sagte Fischer. Außerdem sei digitales Arbeiten schneller und flexibler. "Einiges, was wir jetzt digital eingeführt haben, werden wir nach der Krise sicher übernehmen."

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