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Waldachtal/Tübingen Curevac-Biologin spricht über Arbeit an Corona-Impfstoff

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Bei dem Biotech-Unternehmen Curevac in Tübingen arbeiten Forscher an einem Impfstoff gegen Covid-19. Foto: Gollnow/dpa

Waldachtal-Salzstetten/Tübingen - Die promovierte Diplom-Biologin Nicole Roth, geborene Armbruster, aus Salzstetten arbeitet bei dem Biotech-Unternehmen Curevac in Tübingen, das im Rennen um einen Covid-19-Impfstoff weltweit Schlagzeilen macht und jetzt an der Nasdaq börsennotiert ist. Die 32-Jährige spricht mit unserer Zeitung über ihre Arbeit in der Impfstoffentwicklung, Corona-Maßnahmen und mögliche weitere Pandemien.

Wie sind sie zur Firma Curevac in Tübingen gekommen?

Während meiner Doktorarbeit am Universitätsklinikum Tübingen fand ich richtig Spaß an der medizinischen Forschungsarbeit im Bereich Immunologie. In einem interdisziplinären Team haben wir Grundlagenforschung auf dem weiten Feld der multiresistenten Keime betrieben. Die Teamarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Humanmedizin, Veterinärmedizin und Biologie, zusammen mit den Erfahrungen aus meinem Praktikum bei der Firma Merck in Darmstadt, haben dann dazu geführt, mich bei einem Biotech-Start-up zu bewerben, um Forschung auf dem Gebiet der Impfstoffentwicklung betreiben zu können.

Warum haben Sie die Forschungen bei Curevac in Tübingen überzeugt?

Der innovative Ansatz von Curevac, mRNA als Informationsträger zu nutzen, um den menschlichen Körper zur Produktion der entsprechenden Proteine selber anzuleiten, hat mich von Anfang an fasziniert. Vereinfacht gesagt versuchen wir, den menschlichen Körper anzuregen, selber Abwehrstoffe gegen Viren zu produzieren.

In welcher Forschungsgruppe arbeiten Sie dort mit?

Seit fast zwei Jahren arbeite ich als Wissenschaftlerin bei Curevac. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen entwickeln wir prophylaktische Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Tollwut, Malaria und ganz aktuell Covid-19.

Wie ist das zu verstehen, dass Curevac mit Botenstoffen arbeitet, die das menschliche Immunsystem gegen Infektionen aktiviert?

Curevac ist ein führendes biopharmazeutisches Unternehmen auf dem Gebiet der mRNA-Technologie (Boten-RNA, von engl. messenger RNA). Mit 20 Jahren Expertise arbeitet Curevac daran, dieses vielseitige Molekül für den medizinischen Einsatz zu entwickeln, zu optimieren und in klinischen Studien zu testen. Das Prinzip der proprietären Curevac-Technologie basiert auf der Nutzung von mRNA als Informationsträger, um den menschlichen Körper zur Produktion der entsprechend kodierten Proteine anzuleiten, mit welchen eine Vielzahl von Erkrankungen bekämpft werden können. Das Unternehmen setzt seine Technologien zur Entwicklung von Krebstherapien, Antikörpertherapien, prophylaktischen Impfstoffen und zur Behandlung seltener Erkrankungen ein.

Wann können wir mit einem Medikament oder Impfstoff rechnen?

Wir arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs und haben eine erste klinische Phase-1-Studie mit gesunden Freiwilligen gestartet. Ergebnisse daraus erwarten wir Anfang Oktober. Fallen diese positiv aus, wollen wir noch in diesem Jahr in breit angelegte weitere klinische Studien gehen.

Wie beurteilen Sie die Schutzmaßnahmen, welche hierzulande ergriffen worden sind?

Die Schutzmaßnahmen waren definitiv nötig, um schnell die Infektionsketten zu durchtrennen. Einerseits wünsche ich mir, wie wohl alle, dass wir schrittweise wieder zur Normalität zurückkehren können. Andererseits zeigen die aktuell wieder steigenden Infektionszahlen, dass wir unverändert vorsichtig sein müssen.

Sind Kontaktbeschränkungen, Abstand halten sowie Nasen- und Mundschutz wirklich das Non-Plus-Ultra gegen eine Viren-Übertragung? Was empfehlen Sie zur Eindämmung der Pandemie?

Das Non-Plus-Ultra gegen eine Viren-Übertragung gibt es meiner Ansicht nach nicht. Ich denke, es ist für uns alle wichtig, die vorgeschriebenen beziehungsweise empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Abstand halten, regelmäßige Handhygiene sowie das Tragen von Mund- und Nasenschutzmasken zu befolgen. Husten und Niesen in die Armbeuge sollte für uns alle selbstverständlich sein.

Wie ticken Viren?

Es gibt sehr viele verschiedene Viren, und alle sind unterschiedlich aufgebaut. Jedoch tragen sie alle ein kleines Stück Erbinformation. Das Virus dringt in eine menschliche, tierische, oder auch eine Bakterienzelle ein. Auf diese Wirtszelle ist das Virus unbedingt angewiesen, hier vervielfältigt es sich – ohne lebende Zellen gibt es keine Vermehrung von Viren. Diese Reproduktion kann zur Folge haben, dass die Zelle stirbt oder ihre Funktion verändert. Das wiederum kann dazu führen, dass der Wirt wegen einer Virusinfektion erkrankt.

Welche Möglichkeiten gibt es, dass ein Virus übertragen wird?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein Virus kann durch die Luft übertragen werden, so verbreiten sich zum Beispiel Influenza-Viren. Das Polio-Virus wird übertragen durch kontaminierte Lebensmittel und per Blut-zu-Blut-Kontakt wandern zum Beispiel HIV-Viren.

Wie sollen Menschen ihren Ängsten begegnen?

Wir leben momentan in einer Ausnahmesituation. Deshalb ist es ratsam, wachsam zu sein. Wichtig ist, die Situation richtig einzuschätzen und die entsprechenden Regelungen zu befolgen. Das gilt auch für Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes, so schwer es auch fällt.

Ist zukünftig mit weiteren Viren-Pandemien zu rechnen?

Mehr als die Hälfte aller bekannten Erreger, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen, sind sogenannte Zoonose-Erreger, die wechselseitig zwischen Tier und Mensch übertragbar sind. Fachleute sagen voraus, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass solche Pandemien künftig immer häufiger auftreten und in kürzeren Abständen ausbrechen werden. Die Trends unserer Zeit wie Globalisierung, Rückgang von Biodiversität, Bevölkerungswachstum und Klimawandel spielen hier mit eine entscheidende Rolle.

Menschen dringen immer öfter und immer weiter in unberührte Wildnis vor. Gleichzeitig machen wir die Welt durch Flugreisen und unseren globalisierten Warenverkehr immer kleiner. Das macht die Wege auch für hochinfektiöse Viren kurz. Virologen sprechen von etwa 40 weiteren zoonotischen Viren mit einem Pandemie-Potenzial von Sars-CoV-2.

Info: Nicole Roth ist in Freudenstadt geboren und im Waldachtaler Ortsteil Salzstetten aufgewachsen. Sie studierte an der Universität Stuttgart Technische Biologie und promovierte an der Universität Tübingen. Die Wissenschaftlerin ist die Tochter von Eberhard und Andrea Armbruster, geborene Luger, in Salzstetten.

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