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Wahl in Großbritannien Wer zieht in die Downing Street 10?

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Steht hier schon bald der Umzugswagen bereit? Der Wohnsitz des britischen Premiers, Downing Street 10. In Großbritannien hat die Zitterwahl begonnen. Im ganzen Land sind 44 Millionen Bürger aufgerufen, über die nächste Regierung zu entscheiden. Nächtliche Umfragen zeigten bis zuletzt keinen eindeutigen Trend. Foto: AP

London - Die Liberaldemokraten haben den beiden Platzhirschen Labour und Tories die Schau gestohlen, und sie bringen das alte Zwei-Parteien-System ins Wanken. Der Ausgang der Wahl in Großbritannien ist so offen wie selten zuvor.

Wenn 44 Millionen Briten heute ihr neues Parlament gewählt haben, steht die Zukunft des Landes auf des Messers Schneide. Machtwechsel oder Hängepartie, Einbruch an den Finanzmärkten oder Aufbruch in eine andere politische Ära? Ein Kreuzchen, tausend Fragezeichen: Der Wahlausgang und die Zeit danach sind auf der Insel nie so ungewiss gewesen.

Die Chancen stehen hoch, dass Großbritannien am Freitagmorgen im "Limbo" aufwacht - in der Schwebe, oder, wenn man es genau nimmt, in der Vorhölle. Welche Version man bevorzugt, hängt vom Standpunkt ab: Jeder Zweite wittert in den drohenden, unklaren Machtverhältnissen bereits den Wechsel, die anderen die Katastrophe. Erste Prognosen werden kurz nach 23 Uhr MESZ erwartet.

Wunderkind von Westminister

Das Wort "Change" war im Präsidentschaftswahlkampf in den USA 2008 in aller Munde, Großbritannien macht es nach: Alle großen Parteien versprechen den Wandel - selbst die Labour-Partei, die seit 13 Jahren an der Macht ist. Wandel der kriselnden Wirtschaft, Wandel der desolaten Gesellschaft, Wandel der Abgeordneten, die durch den Spesenskandal in Verruf geraten sind. "Dies ist die spannendste Wahl seit 50 Jahren", sagt Charlie Beckett, Direktor des Medieninstituts Polis.

Keine der Parteien kommt in Umfragen auf eine absolute Mehrheit. 40 Prozent der Wähler sind noch unentschlossen. So bleibt in diesem Wahlkrimi alles im Fluss: Die Konservativen liegen knapp vorn, aber nicht weit genug, Labour-Premier Gordon Brown kann mit einem Mitleidsbonus rechnen, und Nick Clegg, einst liberaler Außenseiter, heute Wunderkind von Westminster, könnte das so rigide Zwei-Parteien-System durcheinanderwirbeln.

Am Ende, möglicherweise erst am Montag, wird sich herausstellen, welchen Weg das Land einschlägt. Auf 35 bis 37 Prozent kommen laut Umfragen derzeit die oppositionellen Tories, auf 29 bis 30 Prozent die Labour-Partei und auf 24 bis 26 Prozent die Liberaldemokraten. Legt man die Prognose um auf die Sitzverteilung im Unterhaus, wird klar, dass eine gehörige Portion Unfairness dieses Wahldrama vorwärtstreibt: Obwohl Labour nach dieser Rechnung prozentual verloren hätte, käme die Partei immer noch auf die meisten Mandate - auf rund 270 Sitze.

Es ist ein Glück für den Shooting Star Clegg, dass er, obschon das System die kleineren Parteien benachteiligt, mittlerweile der wichtigste Mann in diesem Rennen ist. Jede der zwei großen Parteien braucht ihn zur Regierungsbildung - und die Bedingungen hat er bereits gestellt: weg mit dem unfairen Mehrheitswahlrecht, hin zu einem proportionalen System.

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