Klaus Martin, Vorstandsmitglied des Fördervereins (von links), Ralf Großmann, zuständig für die Fachberatung, und Maria Wöhrle, zuständig für die Finanzen des Fördervereins, berichten über die Wärmestube im Paradies.Foto: Kühn Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: Wärmestube im Paradies ist ein wichtiges Angebot / Förderverein wünscht sich weitere Mitglieder

Die Sonnenstrahlen dieser Tage machen die vergangenen Wochen beinahe vergessen. Denjenigen, die sich gerade im Winter oft und gerne in der Wärmestube im Paradies aufhalten, steckt die Kälte allerdings noch in den Knochen. Denn das Angebot gibt es coronabedingt seit Monaten nicht.

VS-Schwenningen. Die Wärmestube ist ein Ort, an dem bedürftige Menschen eine Chance auf Wärme, Mitmenschlichkeit und ein warmes, günstiges Essen bekommen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten berichten die Verantwortlichen von ihrer Tätigkeit, der Bedeutung des Angebots in Schwenningen und über die vergangenen Monate.

Gegründet wurde die Wärmestube im März 2006, weil Räumlichkeiten für eine Tagesstätte gesucht wurdev, in denen idealerweise Platz für die Fachberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist. "Am Anfang hatten wir eine einfache Hausküche und keine öffentlichen Zuschüsse", erinnert sich Ralf Großmann, der sich seit 1996 um die Fachberatung kümmert. Die Wärmestube servierte damals täglich unter der Woche bis zu 18 Essen an Obdachlose und Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen waren.

"Schnell kam es zu einer starken Steigerung der Nachfrage nach diesen Angeboten", berichtet Klaus Martin, Vorstandsmitglied des Fördervereines, der sich um Spenden zugunsten dieser Einrichtung kümmert. "Bald war klar", so Martin, "dass die Finanzierung neben der Awo von mehreren Schultern getragen werden muss." Deshalb sei im Oktober 2006 ein Förderverein gegründet worden, mit anfangs 25 Mitgliedern. Eine neue und vor allem professionellere Küche, ein neuer Boden sowie neue Möbel habe der Förderverein daraufhin finanziert.

Normalerweise wird auch Frühstück angeboten

Inzwischen würden täglich unter der Woche im Schnitt 37 Essen ausgegeben. So seien über die Jahre hinweg schon mehr als 97 000 Essen an mehr als 125 000 Besucher ausgegeben worden (Stand 30. Januar 2019). Die Wärmestube bietet montags bis freitags, jeweils von 11.45 bis 12.45 Uhr frisch zubereitete Mittagessen für 1,50 Euro an. Ein Essen setzt sich immer aus einer Vorspeise, einem Hauptgang und einem Dessert zusammen, "also ein vollwertiges Menü", fasst Großmann zusammen.

"Außerdem konnte man vor dem ersten Corona-Lockdown im April 2020 auch von 8.15 bis 10 Uhr ein großes Frühstück mit Heißgetränk für einen Euro erhalten", berichtet Maria Wöhrle, die sich um die Finanzen des Fördervereins kümmert. Man hoffe, dass man dieses Angebot bald wieder aufnehmen könne.

Doch die Wärmestube ermögliche nicht nur Einkommensschwächeren, für wenig Geld frisch und ausreichend zu essen, sondern sei auch ein Ort, an dem sich einsame Menschen treffen könnten, um sich über die Themen, die sie bewegten oder auch bedrückten, auszutauschten.

"Unter den Gästen der Wärmestube sind daher auch viele alte und einsame Menschen, die unter der Woche zusammen Essen und den Vormittag verbringen können", berichtet Ralf Großmann. "Das ist ein wirklich wichtiges Angebot."

Dank Sachspenden aus der Bevölkerung und von regionalen Unternehmen könne man abwechslungsreiche und gesunde Essen zubereiten. Finanziell brächten sich die Service Clubs, die Lions Donau-Neckar, der Round Table Club 76 und die beiden Rotary Clubs stark ein. "Das ist ein starkes Zeichen aus der Region", so Klaus Martin.

Unterstützung von Firmen, Mitglieder fehlen

Dennoch würde sich gerade der Förderverein noch mehr Engagement von der Bevölkerung wünschen. Inzwischen habe der Verein 112 Mitglieder, neue und junge Mitglieder könne man aber gebrauchen, damit auch in Zukunft die Wärmestube vielen Bedürftigen eine Mahlzeit und sozialen Austausch bieten kann, sind sich alle einig. Denn das Angebot wird immer wichtiger.

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