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VS/Rottweil Personalnot: Schwarzwald-Baar-Klinikum und Helios-Klinik müssen Bettenzahlen reduzieren

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Die Bettenzahlen werden je nach Situation auf den Stationen reduziert. (Symbolfoto) Foto: SB-Archiv

Villingen-Schwenningen/Rottweil - Es fehlen Pflegekräfte, es fehlen Ärzte - und es fehlt Geld. Erst kürzlich haben die Kliniken in Baden-Württemberg Alarm geschlagen. Auch das Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen und die Helios-Klinik in Rottweil haben Probleme, Stellen zu besetzen. Wie viele Positionen frei sind und wie sich der Personalmangel äußert, lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Rund 90 Stellen sind in Villingen-Schwenningen unbesetzt, rund 20 sind es in Rottweil. Bei 3100 Mitarbeitern in VS und 470 in Rottweil ist das ein Anteil von drei sowie von vier Prozent. 

Der Personalmangel ist spürbar: Zwar sind laut Auskunft in beiden Krankenhäusern keine Stationen geschlossen. Allerdings werden die Bettenzahlen je nach Situation auf den Stationen reduziert. Das berichten die beiden Pressesprecherinnen der Kliniken Sandra Adams (VS) und Andrea Schmider (RW). Auch könne es zu verlängerten Wartezeiten für eine Operation kommen, führen die Sprecherinnen aus.

Sandra Adams gibt die Auskunft: "Der Fachkräftemangel ist spürbar, die Situation beim Besetzen offener Stellen im ärztlichen Dienst sowie im Pflege- und Funktionsdienst hat sich verschärft. Insbesondere dauert es deutlich länger, offene Stellen wiederzubesetzen."

Auf der Internet-Seite des Klinikums sind zahlreiche Arzt- und Pflegestellen ausgeschrieben: Unter anderem werden Oberärzte für die Kinder- und Jugendchirurgie, für die Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie für die Kardiologie gesucht. Pflegestellen sind beispielsweise in den Bereichen Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Innerer Medizin ausgeschrieben. 

Assistenzärzte in allen Fachbereichen gesucht

"Es gibt durchaus Berufsgruppen, die im Gesundheitswesen momentan sehr gesucht sind. Dazu gehören, neben der Pflege, auch Assistenzärzte oder spezielle Berufsgruppen, etwa Medizincontroller", berichtet auch Andrea Schmider. Die Helios-Klinik habe offene Pflegestellen, eine offene Stelle im Medizincontrolling und sei außerdem auf der Suche nach Assistenzärzten in allen Fachbereichen. Auch die Suche nach einem Leitenden Oberarzt für die Frauenklinik gestalte sich schwierig, so Schmider.

Wegen Personalmangels durch Krankheitsfälle und durch eine kleinere Besetzung während der Urlaubszeit hatte die Helios-Klinik im September 2019 einen kurzfristigen Aufnahmestopp in der Notaufnahme verhängt und dadurch Schlagzeilen gemacht

Situation mit existenzbedrohendem Ausmaß

Von einem existenzbedrohenden Ausmaß des Personalmangels spricht indes die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG). Laut BWKG-Vorsitzendem Detlef Piepenburg haben mehr als zwei von drei Allgemeinen Krankenhäusern in den vergangenen zwölf Monaten Betten oder Abteilungen wegen Personalmangels schließen müssen. Das hat laut BWKG die jüngste Halbjahres-Umfrage der Gesellschaft bei den Hospitälern ergeben.

Demnach geben Geschäftsführer von 86,5 Prozent der Krankenhäuser und 88,6 Prozent der Reha-Kliniken sowie von 85 Prozent der Pflegeeinrichtungen an, es sei schwierig oder eher schwierig, Pflegefachkräfte zu finden. Die freien Stellen von Ärzten können demnach 69,3 Prozent der Krankenhäuser und sogar 84,4 Prozent der Reha-Kliniken nur schwer besetzen. 

Zum Teil seien auch Betten in den Intensivstationen nicht belegt worden, in einigen Fällen länger als drei Tage im Monat, kritisierte Piepenburg. Schuld an der Misere sind seiner Meinung nach unter anderem die seit einem Jahr vorgeschriebenen Pflegepersonaluntergrenzen in den Abteilungen Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie. Sie schreiben eine Mindestzahl an Pflegekräften pro Patient vor. In der Intensivmedizin darf eine Pflegekraft in der Tagschicht zum Beispiel nicht mehr als 2,5 Patienten betreuen. Krankenhäuser würden sogar wegen Verstoßes gegen diese Untergrenzen bestraft, wenn sie eine solche "Nothilfe" für andere Kliniken leisteten. "Das belastet in völlig ungerechtfertigter Weise die sowieso angespannte finanzielle Situation der Krankenhäuser", sagte Piepenburg.

Auch finanzielle Probleme

Immer komplizierter wird laut BWKG-Umfrage auch, Krankenhauspatienten nach ihrer Entlassung in der ambulanten oder stationären Pflege versorgen zu lassen. Es fehle das Pflegepersonal, deshalb könnten Pflegeplätze nicht belegt werden. Die Notlösung: Krankenhäuser würden die oft hochbetagten Patienten so lange versorgen, bis es eine Anschlussversorgung gebe.

Ein großer Teil der Kliniken hat laut Indikator zudem finanzielle Probleme: Rund 57 Prozent der Krankenhäuser, 43 Prozent der Reha-Kliniken und fast jede dritte Pflegeeinrichtungen (30 Prozent) gehen derzeit davon aus, dass sie im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben. Das werde sich zunächst auch nicht verbessern, warnen die Krankenhausverwaltungen in der Umfrage. 

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