Edith Jenifer Suan ist von den Philippinen nach Rheinau gekommen, um mit Senioren zu arbeiten. Im bundesweiten Wettbewerb um die Fachkraft des Jahres gewann sie nun den zweiten Platz. Für sie kaum zu glauben, wie die 38-Jährige im Gespräch betont.
Aufgewachsen auf den Philippinen, als Sängerin in Japan unterwegs und nun Pflegefachkraft im Ortenaukreis: Der berufliche Werdegang zur Altenpflege führte Edith Jenifer Suan nach mehreren Jahren und tausenden zurückgelegten Kilometern in das Awo-Seniorenzentrum nach Rheinau. Dieser Weg soll sich nun auszahlen: Die 38-jährige Philippinerin wurde bundesweit zur zweitbesten Pflegerin des Jahres gewählt (siehe Info).
„Ich kann es kaum glauben. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich gewinnen werde“, freut sich Suan im Gespräch mit unserer Redaktion. Zwar mache sie die Auszeichnung stolz, eine Bestätigung für ihre Arbeit sei der Gewinn jedoch nicht. „Kein Zweifel – ich habe schon immer gewusst, dass Pflegerin das Richtige für mich ist“, erinnert sich die 38-Jährige an die Zeit in ihrem Heimatland. Dort habe sie nämlich ein vier Jahre langes Studium zur Pflegefachkraft abgeschlossen.
Innerhalb von sieben Monaten Deutsch gelernt
Nach einem einjährigen Aufenthalt in Japan, um ihrer Leidenschaft – dem Singen – nachzugehen, ging es im Jahr 2019 nach Deutschland. „In den Philippinen gab es keine guten beruflichen Aussichten und von Bekannten habe ich gehört, dass in Deutschland Fachkräfte gesucht werden“, begründet Suan, weshalb sie nach Europa gekommen ist. Innerhalb sieben Monate habe sie die deutsche Sprache gelernt, in ihrer ersten Woche in Deutschland die Prüfung zur Anerkennung ihres Studiums angetreten und 2020 schließlich in der Rheinauer Einrichtung angefangen.
Nun lebt sie seit vier Jahren im Ortenaukreis. „Ich habe mich sehr gut eingelebt“, bilanziert Suan und fügt an: „Ich mag Deutschland. Klar, es gibt hier viel Bürokratie – aber Ordnung ist wichtig.“ Und haben sich die Erzählungen ihrer Bekannten bewahrheitet? „Ja, den Fachkräftemangel sieht man hier überall“, weiß Suan. „Unser Beruf ist schon stressig. Man trägt große Verantwortung und muss viel Geduld und Verständnis mitbringen“, beschreibt die Philippinerin eine mögliche Ursache für die angespannte Personalsituation. Dennoch gebe es für sie keinen besseren Beruf: „Ich liebe die Menschen und ihre Geschichten. Es ist eine Ehre für mich, die Welt auf meine Art ein Stück besser zu machen“, antwortet sie auf die Frage, was ihr an ihrem Job besonders gefällt.
Verliehen wird ihr die Auszeichnung heute Abend in Bühl. Laut Veranstalter erhält sie mit durch den zweiten Platz 3000 Euro. „Ich bin zwar aufgeregt, freue mich aber auch schon darauf“, so Suan.
Biografie überzeugt die neunköpfige Jury
Freude herrscht ebenso bei Michaela Ludwig, Heimleiterin des Awo-Seniorenzentrums. Sie hatte im Februar jeden ihrer rund 15 Fachkräfte für den Wettbewerb nominiert – darunter auch Suan. Teil des Bewerbungsverfahrens war es, eine Art Biografie des Kandidaten einzureichen. Am Ende war es dann der Werdegang der Philippinerin, der die neunköpfige Jury überzeugt hatte. „Die Einrichtung ist natürlich unheimlich stolz“, so Ludwig.
Info – Der Wettbewerb
Der bundesweite Preis „Pfleger des Jahres“ wurde 2024 zum achten Mal verliehen. Initiator ist das Unternehmen Jobtour medical. Dabei steht der Preis in jeden Jahr unter dem Motto „Herz und Mut“. Verwandte, Bekannte oder Arbeitgeber können Pfleger für den Preis nominieren, indem sie Geschichten über Fachkräfte einreichen, die in ihrer täglichen Arbeit Herz und Mut unter Beweis stellen, heißt es in einer Mitteilung. Der diesjährige erste Platz geht an die Krankenschwester Stefanie Gierth aus Berlin, die mit 5000 Euro prämiert wird. Der dritte Platz – und somit 2000 Euro – geht an den Pflegedienstleiter Benjamin Vogel aus Nordrhein-Westfalen. In diesem Jahr wurden laut Initiator mehr als 1000 Bewerbungen eingereicht.