Robert Robinson als Krabat mit Jason Reilly (Meister). Foto: Stuttgarter Ballett

Das Stuttgarter Ballett tanzt Demis Volpis „Krabat“ im Stuttgarter Opernhaus in neuer Besetzung.

Stuttgart - Es liegt nicht nur an seiner Größe, dass ­Robert Robinson ein echter Hingucker ist. Der junge Brite hat das gewisse Etwas, diese Präsenz, die einen Tänzer irgendwann zum Bühnentier macht. Und er verfügt über eine feine Technik, ein Talent, das er völlig uneitel präsentiert. Das mag erklären, warum seinen Lebenslauf bereits in der ersten Saison als Gruppentänzer des Stuttgarter Balletts eine beachtliche Reihe eigens für ihn geschaffener Rollen schmückt.

Jungenhaft wie Robert Robinson mit einem fast schüchternen Lächeln wirkt, ist der ehemalige Cranko-Schüler, das stellte sich nun an Ostern im Opernhaus heraus, zudem die ideale Besetzung für die Hauptrolle in Demis Volpis neuem „Krabat“. Die erste Begegnung in der Mühle mit dem finsteren Meister, den Jason Reilly mit animalischem Instinkt verkörpert, lässt ihn verstört zurück. Langsam erkennt der neue Müllersgeselle seine Situation als Zauberlehrling: Er ist eine Marionette der Macht. Erstarkt geht er aus dem ersten Flirt mit der Freiheit hervor, der Myriam Simon in der Rolle der Kantorka eine zerbrechliche, sehr lyrische Note gibt, so als tanze da eine von Botticellis Frühlings-Grazien. Den Versuchungen der Macht wird dieser Krabat in dem einzigen Auftritt von tänzerischem Gewicht, den ihm dieser Abend gönnt, am Ende widerstehen. Nicht nur dieser schöne, fast trotzige Pas de deux mit des Meisters Mantel lässt uns den Weg dieser Figur verstehen.

Liebe endet ergreifend in einem Wahn

Natürlich kann Krabat ein solch befreiender Auftritt nur mit den richtigen Gefährten an der Seite gelingen. Matteo Crockard-Villa tanzt seinen Freund Tonda mit Gespür für die magischen Kräfte dieser Figur und macht das Schwere mit präzisen Gesten leicht. Oihane Herrero warnt als seine ­Geliebte Worschula vor der offenbar grenzenlosen Macht des Meisters. Ihre Liebe, in die sie sich mit burschikoser Lust stürzte, endet ergreifend in einem Wahn, der sie zitternd gegen ihren Willen bewegt.

Roland Havlica ist ein glaubwürdig listiger Juro, der diplomatisch aufbegehrt. Rachele Buriassi als wandlungsfreudiger Rebell Pumphutt, Alessandra Tognoloni als glühender Tod, Kinderchor wie Staatsorchester: Ihnen allen glückt ein Abend, der das Tänzerische als Motiv der Freiheit feiert. Im Gefängnis der schwarzen Mühle wird mit militärischem Stumpfsinn exerziert, doch hinter den Säcken liegt der Tanzstrand. Nochmals zu erleben ist diese Besetzung an diesem Samstag.

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