Weißer Vogel ist nicht gleich weißer Vogel. Es wird zwischen dominantem und rezessivem weiß unterschieden Foto: Terkowsky

Thomas Haldenwanger züchtet seit mehr als 50 Jahren Vögel. Und das überaus erfolgreich. Unzählige Titel, Pokale, Plaketten und Auszeichnungen hat er schon gewonnen. Nur einer fehlt noch: der Weltmeister-Titel.

Ohrenbetäubender Lärm, hektisches Flattern, dazu ein beißender Geruch von Exkrementen: So stellt man sich das vor, wenn man hört, dass jemand mehr als 250 Vögel in einem privaten Wohnhaus hält. Doch wer den Vogelzüchter Thomas Haldenwanger besucht, der erlebt das komplette Gegenteil.

 

Es ist sauber und aufgeräumt, die Tiere zwitschern vor sich hin und wirken entspannt. Das einzig auffällige Chaos herrscht in seinem Trophäenschrank, denn dieser platzt aus allen Nähten. Und nicht nur der, sondern das ganze Zimmer ist gepflastert mit Urkunden und Plaketten. Wie oft er schon deutscher Meister geworden ist, kann er spontan nicht sagen: „32, 33 oder 34 Mal, ich weiß es nicht.“ Nur mit dem Weltmeister-Titel wollte es bisher nicht klappen.

Seit mehr als 50 Jahren züchtet Haldenwanger Vögel. Foto: Terkowsky

Angefangen mit der Vogelzucht hat der heute 58-Jährige im Alter von acht Jahren. In seinem Kinderzimmer züchtete er Zebrafinken und Kanarienvögel. Er wäre da schon gerne in einen Verein eingetreten. Seine Motivation für den Vereinseintritt weiß er noch genau: eine Züchternummer und die Fußringe für die Vögel. Denn das ist Grundvoraussetzung, um an Preisausstellungen teilzunehmen. Doch das war damals erst ab dem 16. Lebensjahr möglich, erinnert er sich.

Bei ihren Treffen geht es primär um den Austausch

Heutzutage sieht das anders aus. Seit 2022 ist Haldenwanger Vorsitzender des Vereins Kanaria Rottweil 1910 und weiß bestens Bescheid, wie wichtig Jugendarbeit für einen Verein ist. Mehr als 70 Mitglieder zählt der Verein, der sich der Zucht und dem Schutz von Vögeln verschrieben hat. Aktive Züchter seien aber nur 15 von ihnen, erzählt Haldenwanger. Und gerade beim Nachwuchs sehe es, wie aktuell in vielen Vereinen, etwas mau aus. Bei den regelmäßigen Treffen gehe es dann um den Zusammenhalt und natürlich den Austausch.

Die meisten der aktiven Mitglieder züchten Kanarienvögel, einige aber auch Wellensittiche und Exoten, erzählt Thomas Haldenwanger. „Wenn dann mal bei einem die Zucht in einem Jahr nicht so gut gelingt, überlegen wir gemeinsam, woran es gelegen haben könnte.“ Aktuell stehe allerdings die bevorstehende Landesmeisterschaft im Vordergrund. Denn die findet in diesem Jahr am Samstag und Sonntag, 9. und 10. Dezember, in der Stadthalle Rottweil statt.

Wohlergehen der Vögel hat Priorität

Dort werden dann Züchter von Vereinen aus ganz Baden-Württemberg die Prachtexemplare ihrer Zucht den Preisrichtern präsentieren. Doch es geht nicht nur darum, Preise zu gewinnen. Auch der Dachverband DKB betont, dass der Austausch und das Wohl der Vögel an erster Stelle stehen. „Wir züchten, um zu erhalten. Vogelzucht ist Vogelschutz“, heißt es dazu auf der Internetpräsenz des Verbands.

Brut wird über Licht und Temperatur gesteuert

Für die Züchter stellt die Zeit ab Ende Oktober, in der die Vogelschauen stattfinden, den Abschluss der Saison dar. Beginnen tut es, so Haldenwanger, Anfang bis Mitte Februar. Dann entnimmt er die – seiner Meinung nach – geeigneten Vögel aus den Großvolieren und setzt sie in kleineren Käfigen als Brutpaare zusammen. Dabei komme es viel auf Auge und Gefühl an, erklärt Haldenwanger und sagt: „Die Vögel müssen harmonieren.“

Dann steuert er das Brutverhalten über Licht und Temperatur. Anfangs gebe er den Vögeln acht Stunden Licht, was er langsam auf zwölf steigere. Dazu sorge er für eine angenehme Umgebungstemperatur. Wenn die Eier – zwischen vier und sechs – gelegt sind, entnimmt er sie und ersetzt sie durch Attrappen. Erst nach 13 Tagen, kurz vor dem Schlüpfen, legt er sie abends wieder ins Nest. „So schlüpfen die Küken am Morgen“, erklärt er.

Kontakt zu seriösen Züchtern suchen

Wer sich gerne an der Vogelzucht probieren wolle, brauche dafür erstmal nicht viel, erklärt Haldenwanger. Jedoch rät er, vorher den Kontakt zu einem seriösen Züchter zu suchen und sich zu informieren. Auch auf Ausstellungen und Vogelschauen finde man leicht Kontakte und Informationen. Er selber stehe auch immer gerne Rede und Antwort. Haldenwanger erreicht man telefonisch unter 0173/8 12 13 99.