Mit dem "Happy Kiosk" in der Niederen Straße hat die Stadt den ersten Späti. Foto: Marc Eich

In der Villinger Innenstadt gibt es neuen Leerstand zu beklagen. Dafür darf man sich über den ersten Späti in VS freuen, der an Fasnet rund um die Uhr geöffnet haben wird.

Der Handel in der Villinger Innenstadt steht offensichtlich unter Druck. In den vergangenen Wochen gab es zahlreichen neuen Leerstand zu beklagen. Doch es gibt auch Erfolgsnachrichten.

 

Im Fokus steht die Niederen Straße. Dort haben gleich vier Geschäfte in jüngster Zeit aufgegeben.

Zwei Unternehmen schweigen zu Hintergründen

Dazu gehört unter anderem der Modehandel Kenny S. Das Stockacher Unternehmen hat die Türen bereits seit einiger Zeit verschlossen. Zu den Hintergründen schweigen die Verantwortlichen auf Anfrage unserer Redaktion.

Bei Eyes and More ist seit Mitte Dezember Schluss. Foto: Marc Eich

So verhält es sich auch bei Eyes and More. Die internationale Augenoptik-Handelskette hat sich seit dem 15. Dezember aus der Villinger Innenstadt zurückgezogen und verweist mit einem Plakat auf die Filialen in Singen und Freiburg. Nähere Informationen zu den Gründen gibt man nicht preis.

C&A Kids zieht sich ebenfalls zurück

Schlechte Zeiten auch für jene, die in der Innenstadt nach Kindermode suchen: Der Textilriese C&A schließt seinen Kids-Store in der Niederen Straße. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärt: „Im Rahmen von regelmäßigen Analysen ist C&A zu der Entscheidung gekommen, die Filiale in Villingen zu schließen.“ Die Mitarbeiter seien frühzeitig darüber informiert worden. Ob es mit den Mitarbeitern eine Einigung gab und wann die Filiale schließt, möchte C&A nicht bekannt geben.

Auch C&A Kids schließt – wann steht aber noch nicht fest. Foto: Marc Eich

Doch nicht nur Filialisten, sondern auch seitens der heimischen Händler gibt es schlechte Neuigkeiten. So hat Grießhaber Uhren sein Geschäft in der Niederen Straße nach 20 Jahren aufgegeben. Dem Traditionshändler (Gründung 1933 durch Johann Grießhaber) fiel die Entscheidung schwer, wie Geschäftsführer Stefan Kleyling auf Anfrage unserer Redaktion erklärt.

Grießhaber zieht Geschäfte zusammen

„Das war ein Prozess, den wir uns gut überlegt haben – wir haben die negativen und positiven Aspekte abgewogen“, erklärt Kleyling die Entscheidungsfindung. Letztlich hätten zehn und mehr Faktoren dazu geführt, sich vom Standort zurückzuziehen und den Verkauf auf das Hauptgeschäft (Rietstraße 10) und das Zoom (Rietstraße 11) zu konzentrieren.

Grießhaber Uhren und Schmuck hat seine Filiale in der Niederen Straße geschlossen. Foto: Marc Eich

Ausschlaggebend sei demnach nicht nur die wirtschaftliche Situation, sondern auch die allgemeinen Entwicklungen im Uhren- und Schmuckmarkt gewesen. Derzeit werde das Geschäft, für das es noch einen laufenden Mietvertrag gebe, Stück für Stück ausgeräumt und zurückgebaut. Eine Aushilfe beschäftige man weiter, zwei Mitarbeiterinnen seien anderweitig untergekommen.

Kochlöffel möchte wieder öffnen

Eine stille Übernahme gab es zudem bei der Bäckerei Hettich, ebenfalls in der Niederen Straße. Diese hat sich vom dortigen Standort nach wenigen Monaten zurückgezogen, übernommen hat nun stattdessen die Bäckerei Tritschler und verhindert damit einen Leerstand.

Beim Schnellrestaurant Kochlöffel soll es weiter gehen. Foto: Marc Eich

Auch beim Kochlöffel soll es weiter gehen. Dort hatte ein Brand im August vergangenen Jahres die Filiale zerstört. Die Verantwortlichen hatten direkt danach erklärt, dass der Imbiss schon bald wieder öffnen soll. Da sich – zumindest augenscheinlich – dort aber nichts tut, war ein weiterer Leerstand befürchtet worden.

Erster Spätkauf in der Stadt

Doch bei Kochlöffel stellt man klar, dass das Schnellrestaurant weiter Teil der Villinger Innenstadt sein soll. „Wir befinden uns in Abstimmung mit den beteiligten Versicherungen und den Handwerkern und werden den Kochlöffel so schnell wie möglich wieder eröffnen“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens.

Nikolai Peter hat den Happy Kiosk eröffnet – es handelt sich um den ersten Späti in VS. Foto: Marc Eich

Ein weiteres positives Signal gibt es wenige Häuser weiter. Dort hat Nikolai Peter mit dem Happy Kiosk den ersten Späti der Stadt eröffnet. Der Unternehmer, der unter anderem ein Hotel in Bad Cannstatt und einen Beautysalon in der Bickenstraße führt sowie jahrelang für ein Tattoostudio in Lörrach verantwortlich war, hatte die Idee eines Spätkaufs schon lange im Kopf.

An Fasnet rund um die Uhr geöffnet

„Ich musste aber erst etwas Passendes finden“, so der 29-jährige Villinger. Begonnen hatte Peter, der Unterstützung von zwei bis drei Aushilfen erhält, mit Öffnungszeiten von 18 Stunden – und zwar von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. „Zwischen 6 und 7 Uhr war aber nichts los“, weswegen er die Zeiten angepasst habe.Während der Hohen Tage der Fasnet wird der Unternehmen rund um die Uhr Kunden empfangen. Donnerstag bis Samstag wird er 24 Stunden geöffnet, am Sonntag ist geschlossen, am Montag geht es wieder um 7 Uhr los.

Weitere Filialen geplant

In diesen bietet er das klassische Kiosk-Sortiment an, will aber mit Besonderheiten aufwarten. So gibt es bei ihm unter anderem Softdrinks, die im Umkreis nicht verbreitet sind, viele mit amerikanischem Touch. Auch alkoholische Getränke und Süßigkeiten finden sich in den Regalen. Zukünftig möchte er zudem Kesselwürste, Hotdogs und Donuts anbieten – aber alles im überschaubaren Rahmen.

Happy Kiosk bietet ein breites Sortiment an. Foto: Marc Eich

Und die Rückmeldung bislang? „Die Resonanz ist voll positiv“, betont Peter, „es sind konstant Leute da.“ Sämtliche Altersgruppen würden das neue Angebot in der Innenstadt nutzen. Deshalb hat Peter weitergehende Pläne für die Zukunft. Er möchte den Späti zukünftig als Kette betreiben, Filialen sind in Schwenningen, Konstanz und Freiburg geplant.

Und auch in Villingen sind noch Veränderungen angedacht. Der 29-Jährige möchte die Öffnungszeiten vor allem am Wochenende nochmals in Richtung der Nacht erweitern, darüber hinaus plant er im Sommer, Sitzplätze anzubieten. So soll der Späti eine feste Anlaufstelle werden.