Erinnerung an die Opfer des Bombenattentats in der kenianischen Hauptstadt Nairobi vor 25 Jahren: Willi Zimmermann beim Besuch der Gedenkstätte, auf der die Namen der Toten eingraviert sind. Foto: Zimmermann

Als Terroristen von Al-Qaida vor 25 Jahren die amerikanische Botschaft in Nairobi in Schutt und Asche legten, war Willi Zimmermann aus Villingen ganz in der Nähe. Er erinnert sich bis heute an das Attentat, das er nur durch einen Zufall überlebte.

Ein ruhiger Park mitten in der Innenstadt von Nairobi, der die Menschen anlockt und vielen als Treffpunkt dient, und ein Konferenzzentrum für Familienfeiern oder Treffen aller Art: Die Überreste der US-Botschaft sind längst verschwunden, die Attentäter von Al-Qaida vor 25 Jahren dem Erdboden gleichmachten.

 

Geblieben sind die Erinnerungen an jenen Tag bei Willi Zimmermann aus Villingen, der die Schrecken wenige hundert Meter entfernt miterlebte.

Bei zwei fast zeitgleichen Bombenanschlägen am 7. August 1998 in der kenianischen Hauptstadt und im Nachbarland Tansania wurden 224 Menschen getötet und rund 5000 Menschen verletzt. Zimmermann war damals mit seiner Familie bei Verwandten in Kenia und hat den ersten großen Anschlag von Al-Qaida wohl nur durch einen Zufall überlebt: Er wollte an jenem Freitagvormittag mit seinem Schwager in ein Fotogeschäft direkt gegenüber der Botschaft gehen.

Nur weil sich die Besprechung seines Verwandten verzögerte und er in einem Bürogebäude in der Nähe auf ihn wartete, waren die beiden noch nicht in dem Laden, den die Druckwellen gegen 10.30 Uhr auch zerstört hatten.

Alles voller Glassplitter

Aufgeschreckt von den Explosionen machten sich die beiden Männer auf den Weg Richtung Botschaft, um zu sehen, was passiert war. „Alles war voller Glassplitter“, erinnert sich Zimmermann. Die Bilder von den Toten und Verletzten haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Das zerberstende Glas habe viele Menschen an den Augen verletzt. „Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld“, schildert Zimmermann den Tatort. Zum Glück seien die Überlebenden nicht in Panik ausgebrochen, sondern eher in eine Art Schockstarre gefallen und hätten sich beispielhaft verhalten.

Sie hatten Glück

Er und sein Schwager hatten Glück, konnten bald wieder bei der Familie sein. Die Bilder von Schutt und Asche hat er seither jedoch im Kopf und hält sich im Internet über die Entwicklung auf dem Laufenden. Viele, die den Anschlag überlebt hätten, seien bis heute von den Folgen des Attentats gezeichnet. Entschädigungen hätten die meisten von ihnen dennoch nicht gesehen. „Das Datum ist präsent, ich lege aber keine Gedenkminute ein, damit muss man leben und damit kann man leben“, stellt er nüchtern fest.

25. Jahrestag

In Nairobi spiele das Gedenken ohnehin keine große Rolle. Der Umgang mit solchen Ereignissen sei in der kenianischen Kultur eine andere als in Europa, stellt Zimmermann fest. Die Regierung habe keine Staatstrauer ausgerufen. Für viele sei es ein Tag wie jeder andere, in seiner Familie sei es ebenfalls kaum mehr ein Thema. Hauptsächlich Angehörige der Opfer seien bei den Gedenkfeiern, vermutet er. Am 25. Jahrestag sei zwar mehr als sonst los gewesen, aber schnell wieder der Alltag eingekehrt.

Selten an Gedenktafel

Auch er ist bei Besuchen in Nairobi oft in der belebten Gegend in der Nähe des Tatorts unterwegs, um etwas zu erledigen. Liege er doch an einer der Hauptverkehrsadern. Die Botschaft befindet sich inzwischen außerhalb des Stadtkerns. Selten geht er an die Gedenktafel, die im Park mitten im Zentrum der Hauptstadt die Toten ins Gedächtnis ruft. Ihre Namen sind in eine Tafel eingraviert

Dass es diese Gedenkstätte mit einem Park auf dem Areal gibt, auf dem die Botschaft stand, freut Zimmermann trotzdem. Im Museum informiere eine gute Dokumentation samt Filmmaterial über die Terroranschläge und ihre Opfer. Schön sei es, dass der Park ein Ort der Begegnung ist. Und für ihn ist es gleichzeitig ein Platz, der ihm ein ums andere Mal zeigt, dass im Leben jederzeit mit Gefahren zu rechnen ist und nichts absolut sicher ist.