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Villingen-Schwenningen Trotz Corona: In Bars wird dicht gedrängt gefeiert

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Videos zeigen die Partyszenen in den Bars in Villingen-Schwenningen. Foto: deagreez – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Dichtes Gedränge, Mitarbeiter ohne Mund- und Nasenschutz sowie gemeinsames Singen und Tanzen: In mehreren VS-Kneipen wurden am vergangenen Wochenende die Coronaverordnungen gänzlich außer Acht gelassen. Was die betroffenen Bar-Betreiber auf Anfrage erklären, und warum die Sanktionsmöglichkeiten der Stadt in diesen Fällen begrenzt sind, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Vor einem Jahr hätten die Videos, die unserer Redaktion vorliegen, vermutlich nicht für Aufsehen gesorgt. Zu sehen sind dort in zwei Kneipen in der Färberstraße gut gelaunte Gäste, die dicht gedrängt beieinander stehen, Seite an Seite zu den dröhnenden Bässen tanzen oder auch Barkeeper, die wie selbstverständlich ­ ohne Mund- und Nasenbe­deckung die Feierwütigen bedienen und dabei sogar noch in die Kamera grinsen.

Doch: Die Videos stammen vom vergangenen Wochenende – und die dortigen Szenen dürften sich aufgrund der geltenden Coronaverordnungen so gar nicht abspielen. In den sozialen Netzwerken werden dabei die mit dem Handy aufgenommenen ­Videos der ganz offensichtlichen Verstöße gegen die Verordnungen fleißig verbreitet – und stoßen deshalb einigen Gastwirten aber auch Veranstaltern bitter auf.

Denn während die Mehrzahl der Betreiber von Restaurants, Bars und Kneipen penibel darauf achtet, dass die Verordnungen im Kampf gegen das weiterhin existente, wenn auch glücklicherweise mittlerweile eingedämmte Coronavirus eingehalten werden, scheren sich wohl einige nicht um die strengen Auflagen in diesem Zusammenhang.

Betreiber wohl überfordert

"In Zeiten von Corona kann es nicht sein, dass einige Leute denken, sie können sich über das Gesetz stellen", berichtet ein Villinger, der in der Veranstaltungsbranche aktiv ist, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Aufnahmen machen insbesondere vor dem Hintergrund, dass Clubs und Diskotheken derzeit – auch aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr beim Singen und Tanzen – weiterhin geschlossen haben müssen, fassungslos.

Augenscheinlich scheint der Partybetrieb in den kleineren Lokalitäten ungehemmt wieder aufgenommen worden sein. Und das ausgerechnet in jenen Brennpunkt-Bars, die bereits in der Vergangenheit aufgrund von Prügeleien, Sperrzeit-Verstößen oder Vorwürfen hinsichtlich illegalen Discobetriebs in den Fokus gerieten.

Eine der betroffenen Lokalitäten ist die Moon Lounge in der Färberstraße. Dessen Betreiber Gevara Kassem hatte sich erst kürzlich in unserer Zeitung zum Betrieb seiner Bar und Shisha-Lounge geäußert - er wolle zum Wohle der Gesundheit der Gäste vorerst auf den Verkauf der Shishas verzichten: "Wir finden das Infektionsrisiko zu hoch".

Genau in jenem Lokal spielten sich am Samstag jedoch wilde Feierszenen ab, von der Einhaltung der Coronaverordnung war nichts zu sehen. Wie passt das zusammen? Wir konfrontieren Kassem zu der Thematik. Dieser gibt unumwoben zu, dass es in seinem Lokal "relativ voll" gewesen sei, es hätte sich zum Teil aber um größere Geburtstagsgruppen gehandelt. Die jeweiligen Tische seien auch entsprechend weit auseinander gestanden.

Dass die Tanzfläche später aus allen Nähten platzte, sei dem Umstand geschuldet, dass immer mehr Personen in die Moon Lounge geströmt seien. Er habe zwar "schon darauf geachtet", dass die Verordnung eingehalten werden – gegen später sei das aber nicht möglich gewesen, "dann bräuchte ich mehr Securitys". Kontrollen habe es an jenem Abend keine gegeben – demnach konnte dem illegalen Treiben kein Ende bereitet werden.

Zunächst kein Bußgeld

Die Stadtverwaltung widerspricht dieser Darstellung jedoch und erklärt auf Anfrage des Schwarzwälder Boten, dass die Verstöße in den betroffenen Gaststätten ebenfalls festgestellt wurden. Allerdings, so die städtische Pressesprecherin Oxana Brunner, seien der Verwaltung die Hände gebunden.

Trotz der zahlreichen Gespräche und Vor-Ort-Termine des Kommunalen Ordnungsdienstes der Stadt in Bezug auf die Umsetzung der Verordnung, seien vermehrt Verstöße festgestellt worden. Laut Brunner hätten sich auch die Beschwerden von anderen Gastronomen sowie ­Gästen gehäuft.

Aber: In der Coronaverordnung für die Gaststätten fänden sich keine Rechtsgrundlage für Ordnungswidrigkeiten. "Insofern können Verstöße nicht direkt mit einem Bußgeld geahndet werden", zeigt die städtische Pressesprecherin die Problematik auf.

Die Stadt hätte sich in dieser Angelegenheit auch an das zuständige Sozialministerium gewandt. Dort sei den Verantwortlichen mitgeteilt worden, dass die Landesregierung in die Verordnung "bewusst keinen Bußgeldtatbestand aufgenommen habe". Brunner: "Stattdessen wollte man an die Vernunft der ­Gäste appellieren." Heißt konkret: Die Regierung sei davon ausgegangen, dass Bürger verantwortungsvoll agieren und nur jene Gaststätten besuchen, die sich an die Vorgaben halten – weil man sich ansonsten ja selbst in Gefahr begeben würde.

Die Realität sehe jedoch anders aus. Der Appell an die Vernunft habe sich nicht überall durchgesetzt, erklärt Brunner und nimmt dabei die aufgezeigten Fälle als Beispiel. Sanktionsmöglichkeiten gäbe es lediglich im Wiederholungsfall, wie die Sprecherin betont. Dann nämlich, wenn eine so genannte infektionsschutzrechtliche Einzelanordnung als Basis für ein Bußgeld- oder Zwangsgeldverfahren genommen werden kann – aber auch erst, nachdem zunächst bei einem Verstoß ein Mängelbericht ausgehändigt wurde. Im schlimmsten Fall drohen dabei Strafen in Höhe von mehreren tausend Euro oder gar die Betriebsschließung. Doch der Weg dorthin scheint, wie es die Stadt aufzeigt, lang.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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