Das Thema Stopersteine bewegt: Bis Weihnachten wollen jeden Sonntag um 19 Uhr Menschen auf dem Münsterplatz zum stillen Protest zusammenkommen. Foto: Archiv

Michael Irion trifft den Nerv der Bürger in Sachen Stolpersteine. Zur ersten Auflage kommen rund 50 Menschen.

Villingen-Schwenningen - Die Ablehnung der Stolpersteine durch Christdemokraten und Freie Wähler beschäftigt die Bürger nach wie vor in hohem Maße. Zur festen Einrichtung soll nun immer sonntags, 19 Uhr, der stille Protest vor dem Villinger Rathaus werden.

Michael Irion ist wie viele Bürger von der Entscheidung im Gemeinderat entrüstet und will das Nein nicht tatenlos hinnehmen. Deshalb hat er dazu aufgerufen, am vergangenen Sonntag um 19 Uhr vors Villinger Rathaus zu einem stillen Protest im Kerzenschein zu kommen. Er habe gedacht, dass nur wenige Menschen seinem Aufruf gefolgt sind. Er wurde eines anderen belehrt. Rund 50 Männer und Frauen waren gekommen, um gegen die Ablehnung der Stolpersteine zu demonstrieren. Die Leute seien dankbar gewesen, dass er die Initiative ergriffen hatte, beschreibt er die Resonanz.

Bis Weihnachten wollen nun sonntäglich um 19 Uhr Menschen auf dem Münsterplatz zusammenkommen. Ab nächsten Sonntag werden in einer zehnminütigen Lesung die Biografien der in Villingen verfolgten Juden vorgetragen. Dazu habe sich ein Teilnehmer am vergangenen Sonntag spontan bereit erklärt, so Irion. Er hofft, dass sich die Zahl der Protestierer verdoppelt oder verdreifacht. Leserbriefe alleine seien nicht ausreichend. Erst wenn Druck durch Aktionen ausgeübt wird, könne es etwas bringen. Zudem plant Irion eine Unterschriftenaktion pro Stolpersteine.

Der 53 Jahre alte Michael Irion, der im Villinger Kurgebiet aufgewachsen ist und bei den Wieland Werken arbeitet, hofft, dass es doch noch was wird mit den Stolpersteinen in der Stadt. Je mehr Menschen zu den sonntäglichen Treffen kommen, desto größer sei auch das öffentliche Interesse, meint er. Eine Möglichkeit sieht er auch darin, dass der Gemeinderatsbeschluss widerrufen werden könnte, wenn dem Ansehen der Stadt geschadet wird. Er beruft sich auf die Gemeindeordnung, in der es heißt, "dass der Bürgermeister Beschlüssen des Gemeinderats widersprechen kann, wenn er der Auffassung ist, dass sie für die Gemeinde nachteilig sind. Der Widerspruch muss unverzüglich, spätestens jedoch binnen einer Woche nach Beschlussfassung gegenüber den Gemeinderäten ausgesprochen werden".

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