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Villingen-Schwenningen Spenderniere rettet 58-Jähriger das Leben

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Foto: luuuusa – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Beate Bea aus Villingen-Schwenningen macht sich für Organspende stark. Warum? Das erklärt sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel anhand ihres eigenen Schicksals.

Die Bundestagsentscheidung zum Thema Organspende sorgt immer noch für Diskussion. Beate Bea hat vor Jahren ein Spenderorgan erhalten und berichtet über ihre Erfahrungen.

"Ich habe mir nur eine Sache gewünscht: Ich wollte noch die Konfirmation meiner Tochter erleben." Ein bescheidener Wunsch, der für Beate Bea aus Schwenningen nach Jahren der Ungewissheit in Erfüllung gegangen ist. Die 58-Jährige erhielt 2006 eine Spenderniere, nachdem sie fünf Jahre lang auf selbige warten musste.

Jeden zum Organspender machen, der sich nach dreifacher schriftlicher Information nicht dagegen entscheidet: Diese Idee präsentierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dem Bundestag. Das klare Ziel: die Zahl der zur Verfügung stehenden Spenderorgane zu erhöhen und damit Leben zu retten. Jedoch wurde gegen diese sogenannte "Widerspruchslösung" mit einer Mehrheit gestimmt, sodass der Gesetzentwurf im Papierkorb landete. Stattdessen entschieden sich die Politiker, Bürgerämter und Hausärzte regelmäßig zum Thema Organspende informieren zu lassen.

Große Enttäuschung

Für Beate Bea war diese Entscheidung eine sehr große Enttäuschung: "Ich habe den ganzen Tag nach der Debatte geweint. Ich war völlig am Boden, weil ich es nicht nachvollziehen konnte", erklärt Bea betroffen. Sie ist eine klare Befürworterin der Widerspruchslösung gewesen, weswegen sie tagelang hoffnungsvoll auf den Tag der Bundestagsdebatte hingefiebert hatte. "Die jetzige Lösung wird nichts verändern. Man ist viel zu vorsichtig an die Sache rangegangen", kritisiert sie.

An die Zeit, als sie selbst auf eine geeignete Niere warten musste, erinnert sich Bea gut: "Ich habe von einem Tag zum anderen gelebt. Meine Gedanken waren immer nur: Morgen ist wieder Dialyse", erzählt die gebürtige Düsseldorferin. Bis zu fünf Mal am Tag musste sie eine Dialyse durchführen, wodurch eine aktive Teilnahme am Alltag nur begrenzt möglich war. Jedoch gab es eine Sache, die Bea stets Kraft gab: Tischtennis und andere sportliche Aktivitäten. Trotz ihrer massiven gesundheitlichen Belastung machte Bea ihre Ausbildung zur Tischtennis-Lehrerin und nahm regelmäßig an entsprechenden sportlichen Veranstaltungen des Vereins Trans Dia teil.

Dialyse-Patienten müssen eine sehr hohe Disziplin an den Tag legen: "Ich durfte nur 500 Milliliter Flüssigkeit am Tag zu mir nehmen. Allein in einem Apfel stecken 80 Milliliter Flüssigkeit", erklärt sie.

Während dieser ganzen Zeit war für Bea eine Sache immer klar: "Ich habe immer zu mir selbst gesagt: Wenn du das überlebst, machst du dich für Organspende stark."

Und dennoch war die Sorge der größte Alltagsbegleiter, insbesondere bei Beas Ehemann: "Er hat sich viele Gedanken gemacht, und war immer entsetzt, warum ich mir keine Sorgen mache. Ich hab dann immer nur geantwortet: Weil ich es nicht ändern kann", berichtet sie. Ihr Partner habe eine seiner Nieren zur Transplantation angeboten, was jedoch medizinisch nicht möglich war. Allerdings war Bea froh um diesen Umstand: "Es war gut so. Ich habe ihm gesagt: Unser Kind hat wenigstens einen gesunden Elternteil verdient", erinnert sich Bea.

Ihre medizinische Lage war jedoch trotz Dialyse zwischenzeitlich mehr als kritisch. Aufgrund eines enormen Gewichtsverlusts von 60 auf 48 Kilogramm wurde Bea für drei Monate von sämtlichen Wartelisten gestrichen, da ihre Chancen auf Genesung als zu gering eingestuft wurden. Doch es kommt anders. Am 22. Oktober 2006 klingelt um 23.52 Uhr das Telefon, und Bea erfährt dass ein für sie passendes Organ verfügbar ist. "Am nächsten Tag hat mich dann ein Freund nach Freiburg gefahren und ich wurde operiert. Ich war unglaublich aufgeregt", erinnert sich Bea. "Nach der erfolgreichen Operation kamen einige Ärzte auf mich zu und sagten mir, sie hätten damals nicht damit gerechnet, mich jemals wieder zu sehen", erklärt Bea.

"Schlimmere Schicksale"

Seit diesem Tag referiert sie regelmäßig über ihre Zeit und das Thema Organspende. "Ich mache das nie mit erhobenem Finger. Ich erzähle den Leuten während meiner Vorträge einfach von meinem Leben und versuche zum Nachdenken anzuregen." Bea muss täglich, morgens und abends, Tabletten zu sich nehmen, was sie aber nicht stört: "Leute, die ein Spenderorgan bekommen haben sind reparierte Autos, keine neuen", sagt sie lachend.

Und trotz ihrer schweren Zeit weiß die 58-Jährige, dass andere Schicksale deutlich schlimmer sind: "Es geht dabei nicht immer um ältere Menschen wie mich. Ich habe auch von genug Fällen mitbekommen, wo kleine Kinder auf ein Spenderherz warten, und die Eltern praktisch im Krankenhaus Leben, weil nicht gewiss ist, ob ihr Kind seinen achten Geburtstag erlebt", hat Beate Bea noch immer den Blick für andere.

Info: Gesetzeslage

Im Januar debattierte der Deutsche Bundestag über das Thema Organspende. Ziel war es, eine Gesetzesänderung vorzunehmen, um die Anzahl der Organspender zu erhöhen.

Im Schwarzwald-Baar-Klinikum gab es in den Jahren 2014 bis 2019 insgesamt 20 Organspender, die zusammen 68 Organe gespendet haben. Im Jahr 2019 spendeten nur sechs Menschen Organe, obwohl eigentlich 250 Patienten als Spender infrage gekommen wären.

Laut dem Transplantationsbeauftragen des Schwarzwald-Baar-Klinikums, Mathias Reyher, wäre die Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Spahn die richtige Wahl gewesen. Diese bestand darin, dass jeder automatisch zum Organspender würde, der sich nach dreimaligem schriftlichen Hinweis nicht dagegen ausspricht. "Es wäre meiner Meinung nach durchaus zumutbar gewesen, die Leute nach dreimaliger schriftlicher Benachrichtigung entscheiden zu lassen", sagt der Facharzt.

Statt der Widerspruchlösung entschied der Bundestag, dass ab sofort Hausärzte und Ämter regelmäßig zu dem Thema Organspende informieren sollen. Die Frage, ob die nun veränderten Richtlinien zur Organspende möglicherweise eine Verbesserung bedeuten könnten, kann Reyher eindeutig beantworten: "Definitiv nein. Laien, wie etwa Mitarbeiter des Bürgeramtes, können aufgrund von mangelnder Fachkenntnis keine ausreichende Auskunft geben. Dasselbe gilt auch für Hausärzte, wobei dort auch meistens die Zeit für eine ausführliche Aufklärung fehlt", kritisiert er.

Außerdem müsse man bereits jetzt zu Lebzeiten eine Organspende schriftlich ausschließen, um Gewissheit zu haben, kein Spender zu werden. "Wenn eine verstorbene Person zu Lebzeiten keine offizielle Angabe gemacht hat, ob sie spenden möchte oder nicht, werden die direkten Angehörigen mit eingebunden. Diese können schließlich nach freiem Empfinden entscheiden", erläutert er.

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2018 fürchten 24 Prozent der Nichtspender, dass ihre Organe zur Spende nicht geeignet sein können.

Diese Sorge kann Reyher nehmen: "Bis auf fünf Krankheitsbilder, zum Beispiel HIV oder Tuberkulose, kommt grundsätzlich jeder Mensch für eine Organspende infrage. Alter oder diverse andere Leiden spielen nur selten eine Rolle. Es kommt nur darauf an, ob das entsprechende Organ ausreichend funktioniert", stellt der Facharzt klar.

Eine ebenfalls sehr verbreitete Angst besteht darin, dass bei einer Behandlung nach einem Unfall bei dem Opfer zu früh aufgegeben wird, falls gerade Spenderorgane dringlichst benötigt werden. Auch diese Behauptung kann der Oberarzt wiederlegen: "In erster Linie liegt der Fokus immer auf dem Patienten. Es wird stets alles Nötige getan, um ihm zu helfen. Es wird immer erst eine Organspende in Betracht gezogen, wenn der sogenannte Hirntod erreicht ist, und nach Vorschriften der Bundesärztekammer von zwei Fachärzten unabhängig festgestellt wurde. Sobald ein Hirntod eintritt, ist der Patient nicht mehr zu retten."

Außerdem fügt Reyher hinzu: "Jeder Gegner der Organspende sollte sich immer eine wichtige Situation vor Augen halten: Was wäre wenn mein Kind ein Organ bräuchte? Würde ich mir dann nicht wünschen, jemand hätte sich zur Spende bereit erklärt? Es ist und bleibt eine Frage von menschlicher Solidarität."

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