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Villingen-Schwenningen Selbstbestimmt und ohne Scham

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Viele Menschen sind wöchentlich auf die Lebensmittel im Schwenninger Tafelladen angewiesen. Ohne Spenden lässt sich der Betrieb kaum aufrechterhalten. Der DRK-Ortsverein Villingen hat nun einen Spendenkorb abgegeben, die Waren sollen noch vor Weihnachten verkauft werden.

VS-Schwenningen . Die Kunden des Schwenninger Tafelladens, so erzählt dessen Leiterin Silke Rothbauer, könnten häufig mit Weihnachten nur wenig anfangen. Zum einen kämen viele Geflüchtete, die schon aus kulturellen Gründen keinen Bezug zum Fest haben. Zum anderen denken auch die übrigen Kunden – Hartz-IV-Empfänger, Alleinerziehende und Senioren – nicht an Weihnachten. "Es wird vielleicht eher verdrängt", vermutet Rothbauer. Vielleicht, weil ihre Lebenswirklichkeit wenig zu tun hat, mit dem Klischee der heilen Welt, der Familie, dem gemeinsamen Singen und den Geschenken unterm Baum. Vielleicht, weil der Gedanke daran sie traurig macht.

Die fünf Tafelläden im Schwarzwald-Baar-Kreis, in St. Georgen, Triberg, Donaueschingen, Villingen und eben hier in Schwenningen, versuchen Menschen, die unter dem Einkommensminimum liegen, zu unterstützen. Dienstags und freitags hat der Schwenninger Tafelladen ab 15 Uhr geöffnet.

Vormittags fahren die drei Transporter der Tafel die kooperierenden Lebensmittelhändler an und bringen die Waren in den Laden. Dort können die Kunden ganz regulär in den Regalen stöbern, die Produkte in den Einkaufskorb legen und für kleines Geld kaufen. Die Menschen, so Rothbauer, sollen selbstbestimmt das einkaufen, was sie benötigen, und dafür bezahlen. Denn niemand käme sich gut vor, wenn er Almosen annehmen müsse.

Über Weihnachten hat der Tafelladen eine Woche lang geschlossen. Am Montag vor Heiligabend ist noch einmal geöffnet. Dann gibt es auch ein paar kleine Geschenke für die Kunden: Brötchen und ein Päckchen Kaffee. Gerade Lebensmittel, die sehr lange haltbar sind, wie Mehl, Zucker, Salz, Reis und Öl, seien im Laden rar, da die Supermärkte diese lange in den eigenen Regalen stehen lassen können. Daher ist die Tafel das ganze Jahr über auch auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen.

Eine dieser Spenden übergeben am Donnerstagvormittag Atila Ferencz vom Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes in Villingen und Ulrich Amann, Leiter der dortigen Geschäftsstelle. Sie tragen einen großen Korb mit Lebensmitteln in den Tafelladen: Joghurt, Konserven, Nudeln, Öl, ein Bastelbuch, Handschuhe und vieles mehr. Der Spendenkorb ist im Rahmen der Aktion "Rückwärts Adventskalender" zusammengestellt worden.

"Die Idee ist in der Bereitschaftsleitung entstanden", berichtet Ulrich Amann. "Wir wollten uns nicht selbst beschenken, nicht jeden Tag Adventstürchen öffnen, sondern anderen etwas geben." Über den Schwarzwälder Boten und die sozialen Medien hatte das DRK Menschen aufgerufen, jeden Tag Lebensmittel in der Geschäftsstelle vorbeizubringen. "Und so kamen die Leute morgens vorbei, brachten beispielsweise zwei Päckchen Nudeln, und sagten: ›Das ist mein Geschenk für heute‹." Der erste Teil der Spenden soll noch vor Weihnachten im Tafelladen verkauft werden, den zweiten Teil bringt das DRK dann im neuen Jahr vorbei.

Klischees entgegenwirken

"Unglaublich, wie viel Bedarf da ist", kommentiert Amann die Arbeit der Tafel. "Es gibt ganz viele Menschen, denen es wirtschaftlich nicht gut geht und die in der Gesellschaft gar nicht auffallen." Auf die Tafel angewiesen zu sein, ist immer noch mit viel Scham verbunden, weiß Rothbauer. "Viele trauen sich einfach nicht." Gerade viele ältere Menschen, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und dennoch auf die Tafel angewiesen wären, weil beispielsweise die Rente nicht ausreicht, kämen dennoch nicht.

"Wir wollen, dass sich das im kommenden Jahr ändert." Die Frage, wie Hemmungen und Scham abgebaut werden können, liegt Rothbauer am Herzen. In diesem Jahr haben drei Studenten einen Spielenachmittag inittiert, der einmal im Monat die Möglichkeit hätte bieten sollen, sich auszutauschen und eine schöne Zeit zu verbringen. "Wir wollten dem Klischee der Tafel entgegenwirken, aber es ist leider gar nicht angenommen worden." Auch eine "kleine Auszeit", mit Kaffee und Kuchen, kam nicht gut an.

Am kommenden Samstag ist der Tafelladen auf dem Schwenninger Weihnachtsmarkt vertreten. Dort verkaufen die Ehrenamtlichen selbstgemachtes Bärlauchgelee, Essig und Marmelade – und werben für ihre Arbeit.

Rothbauer verweist auf den Raum im ersten Obergeschoss des Tafelladens. Hier stehen Tische und Stühle in uriger Atmosphäre, Weihnachtssterne hängen an den Deckenbalken, Adventskränze verströmen weihnachtliche Stimmung und Zimmerpflanzen Behaglichkeit. "Wir wollen, dass die Tafel nicht Tafel bleibt, sondern Begegnungsstätte wird." Hier oben soll sie entstehen.

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