Der Abriss des Amtsgerichtsgebäudes (links) war im Gespräch. Auch ein Tor sollte hier wieder aufgebaut werden.Foto: Bräun Foto: Schwarzwälder Bote

Heimat: Von einer Bürgerinitiative und möglichen Sanierungen mit Augenmaß

Von Wolfgang Bräun

Viele Ideen gab es schon rund ums Areal am Niederen Tor, bis zu den Plänen, dort das fehlende vierte Stadttor wieder aufzubauen.

VS-Villingen. Bei den Unterzeichnern der halbseitigen Anzeige in der Tageszeitung vom 2. Oktober 1982 standen unter vielen anderen fünf Anwälte, fünf Diplomierte, zwölf Doktoren und drei Steuerberater, die allesamt namentlich ein textreiches Positionspapier unterzeichneten. Ein Zehn-Punkte-Papier, das im Wesentlichen aus der Feder des damaligen Nestors, dem kämpferischen Architekten Gerhard Janasik, stammte.

Der Tenor lautete damals: "Wir sind nicht gegen eine Sanierung am Niederen Tor... oder gegen die Errichtung einer Festhalle als Ersatz für das einst abgerissene Niedere Tor, doch wollen wir eine Sanierung mit Augenmaß, die der Stadt und ihren Bürgern und nicht nur einem Investor dient."

Der hieß wohl damals ECE Hamburg, und was schließlich ohne diesen Investor rauskam, wurde inzwischen zu einer viel zu kleinen Neuen Tonhalle und einem Multiplex-Kino, dessen laufende Filmangebote als deutlich besser gelten, als dass der Kino-Komplex zur südlichen Stadt-Architektur passt.

Weiter hieß es, es gelte eine Entscheidung zu finden, die der Bedeutung der gestellten Aufgabe gerecht wird und dem Wohl der ganzen Stadt dient. Wer sich die Anzeige von einst vornimmt, der erfährt unter anderem, dass man historische, mittelalterliche und baugeschichtlich wertvolle Gebäude nicht der Spitzhacke opfern dürfe.

Gebäude abbrechen?

Somit galt der eventuelle Abbruch des Amtsgerichts und des Gesundheitsamtes (heute Commerzbank) als "eine Untat", die mit dem Abbruch des Niederen Tores zu vergleichen wäre. Durch die ehemals vorgesehenen, überdimensionalen Baukörper sah man gänzlich die Struktur und das Gefüge des Stadtgrundrisses als gesprengt an und als eine Überfrachtung, die mit 10 000 Quadratmetern Ladenfläche den Handel in der Innenstadt bedrohe. Schließlich müsse es einem Schildbürgerstreich gleichkommen, wenn die Einheit von Amtsgericht und Gefängnis verschwinden würde. Und schon damals galt, dass das vom Investor ins Auge gefasste "neue Niedere Tor" nur Alibi-Funktion habe, eine Attrappe sei oder eine Kulisse ohne Funktion.

Somit war man sich einig, dass das gesamte Projekt von einst weder zu den Finanzen der Stadt noch zu denen des Landes passe, wenn für Millionen etwas Eigenes abgerissen und stattdessen danach gemietet werde. Und auch erwartete Mieten von dereinst 35 Mark je Quadratmeter bei einem Handelsumsatz von 60 Millionen pro Jahr galten als Gefahr eines "schärfsten Verdrängungswettbewerbs".

Klar waren sich die Kritiker auch darin, dass Kauf-Passagen in anderen Städten längst Trostlosigkeit vermittelten, die von Kauflustigen gemieden würde. Und eine tagsüber wenig belebte Festhalle samt Hotel führe zu weiterer Verödung der Niederen Straße. Und wenn dann noch Wohnungen fehlten, mache dies das Quartier nach Geschäftsschluss menschenleer.

Befürchtet wurde auch, dass notwendige Sanierungen durch Interessenten in den Nebenstraßen unterbleiben werden und die historische Innenstadt als gewachsenes Ganzes in Frage stellten. Abschließend wollten die Gegner einer überbordenden Bebauung auch ­wissen, was denn Ankauf und Abbruch von Gesundheitsamt und Amtsgericht kosten und auch die Festhalle inklusive Grundstück und zu ­welchem Preis die Fußgängerzone vom Marktplatz bis zum Niederen Tor zu haben sei.

Die erinnerungsschwachen Antworten darauf sind allesamt "Schnee von gestern", denn die Fußgängerzone ist Realität und ein massiv neues Niederes Tor mit Café unterm Dach war ganz sicher schon vor 33 Jahren eine Schnaps-Idee. Und die zuletzt geplante Stahl-Konstruktion für ein symbolisches Niederes Tor war ganz sicher auch eine.

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