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Villingen-Schwenningen Offen-Stall für Fleckvieh statt Anbinde-Modell

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Villingen-Schwenningen - Im Stall herrscht ein Stückweit Laisser-Faire. Zufrieden schaut die Landwirts-Familie Thoma aus Herzogenweiler auf das, was rund zwei Millionen Euro wert ist. Ein Offen-Stall für Fleckvieh statt das Anbinde-Modell vergangener Tage. Vervollkommnet soll die Investition für eine artgerechtere Haltung durch eine Photovoltaikanlage werden.

Heiko Thoma, der junge Landwirtschaftsmeister, der mit seinen Eltern Angelika und Jürgen den Milchvieh-Betrieb unterhalb des Herzogenweiler Friedhofs managt, schaut auf sein Handy und liest das vor, was auch im Stall als Info aushängt: "Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete." Hier, das ist ein exponiertes weitläufiges Gelände, auf der eine Halle von fast 2800 Quadratmetern entstanden ist, ein Laufstall, und dazu angeschlossen noch ein Laufhof, in dem über 120 Milchkühe ins Freie können. Für die Thomas ein guter Kompromiss, denn für eine Weidetierhaltung fehlt auch das Gelände. So entstand ein geräumiger luftiger und lichtdurchfluteter Stall. Zwei Millionen Euro teuer wurde die Konstruktion. Die Familie, seit mehreren Generationen in der Landwirtschaft tätig, durfte sich über eine 30-prozentige Förderung freuen und nicht nur über die normalen 20 Prozent, die ansonsten fließen, "weil wir besonders tiergerecht bauten", erläutert Angelika Thoma den Unterschied. Ein paar Fleckvieh-Milchkühe quittieren die Aussage, wie zum Beweis, mit einem lautstarken Muhen.

Versonnen schaut Landwirt Jürgen Thoma auf seine Tiere: "Die können machen, was sie wollen, fressen, rausgehen, an die Bürstenanlage gehen." Während die einen Kühe neugierig ihren Kopf zur Besucherin herausstrecken, machen sich andere gemächlich über das von einem mobilen Automaten angefahrene Futter her, Getreidesilage etwa. Bis das immense Gebäude zwischen Pfaffenweiler und Herzogenweiler letztendlich hochgezogen wurde im vorigen Frühling, vergingen fast acht Jahre Planungsphase. Denn immer wieder fragten sich das Ehepaar und der Junglandwirt: "Sollen wir, sollen wir nicht?" Immerhin ging es nicht um die Anschaffung in Höhe eines Mittelklassewagens, sondern um gut zwei Millionen Euro. Zwar durften sich die Thomas über Mittel aus einem EU-Fonds, sowie Fördermitteln von Land und Bund freuen. Doch die Investition war ein Risiko, stellen sie klar heraus. Diese sei auch ein Muss gewesen, wollte Heiko Thoma seine beruflichen Weichen in Richtung Vollerwerbs-Landwirtschaft stellen.

Kreislauf der Kühe

Ein paar hundert Meter weiter in Richtung Dorfrand. Dort stand der Anbindestall aus den 80er Jahren, zu eng, zu alt, um damit noch die berufliche Zukunft mit Milchviehhaltung zu gestalten. Und Anbindeställe, nennt Angelika Thoma noch einen weiteren Grund für ihre kostspielige Entscheidung, werden in naher Zukunft wohl kaum noch haltbar sein. Ein paar Kühe sind in dem mittlerweile sanierten Stall noch untergebracht, sobald diese trächtig sind, geht es in Richtung Neubau, so der Kreislauf.

Woher das Futter nehmen?

Wirkt sich die moderne Stallung auf die Leistungsfähigkeit aus? Jürgen Thoma bejaht prompt. "Wenn es den Tieren gut geht, dann steigt auch die Leistung", meint er und krault einer besonders anschmiegsamen Milchkuh die Ohren. Schräg gegenüber steht der vierbeinige "Kindergarten", in Igluähnlichen Boxen, die Kleinsten, gerade mal ein paar Tage alt, versuchen auf noch wackligen Beinchen ihre Umgebung zu erkunden. Wenn der Offenstall irgendwann voll wird, dann verteilen sich 150 Milchkühe auf das Gelände. Lässt sich mit dem Preis überhaupt noch betriebswirtschaftlich überleben, wenn pro Liter 34 Cent bezahlt werden, nebst Qualitäts-Zuschlägen? Die Thomas sehen das Problem eher in den klimatischen Bedingungen: "Wir wissen bald nicht mehr, wo wir das Futter für die Tiere hernehmen sollen."

Der Blick geht aufs noch Modulfreie Dach. Doch, läuft alles nach Plan, wird in Bälde auf der 3000 Quadratmeter großen Dachfläche eine Photovoltaikanlage installiert mit rund 500 Kilowattpeak. Kilowatt Peak stellt die durchschnittliche Leistung einer Anlage dar. Das heißt, das eine Anlage mit einem Wert von ein kWp im Jahr etwa 1000 Kilowatt Strom erzeugen kann.

80 Haushalte unter Strom

Mit der Thomaschen Anlage, rechnet Schwander vor, liesen sich 80 Haushalte jährlich versorgen. Wenn es um Erneuerbare Energien oder generell um energetische Sanierungen geht, dann kommt Alfred Schwander ins Spiel, selbst Energiebrater, und einlangjähriger Freund der Familie Thoma. Den Strom möchte die Landwirts-Familie zum Teil selbst nutzen. Grundsätzlich wollen die Thomas ihr Dach jedoch an einen Großinvestoren verpachten. Den Stall-Bewohnern dürfte jede Konstellation recht sein, solange der Futter-Automat nicht streikt.

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