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Villingen-Schwenningen Neue Technik für Hagelflieger

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Villingen-Schwenningen - Es hat im Einsatzgebiet des Hagelfliegers noch nie so wenig gehagelt wie in den vergangenen zehn Jahren. Dennoch ist diese Tatsache alles andere als ein Grund, die Arbeit des Vereins Hagelabwehr Südwest einzustellen – auch wenn noch immer nicht jeder an einen Zusammenhang glaubt.

In diesem Jahr ging der Hagelflieger bereits fünf Mal in die Luft, um durch das Versprühen von Silberiodid Hagel zu verhindern. An zwölf weiteren Tagen, an denen laut Wettervorhersage mit Gewittern zu rechnen war, waren die Piloten in Bereitschaft. Die Einsatzbereitschaft wird planmäßig noch bis Ende August aufrecht erhalten, sollten es die Wetterprognosen verlangen, stünde einer etwa zweiwöchigen Verlängerung bis Mitte September auch nichts im Weg, erklärt der Vereinsvorsitzende Heinz Messner am Dienstag. Im Vergleich zum Vorjahr war der Flieger insgesamt 13 Mal im Einsatz, die Piloten hatten 50 Bereitschaftstage.

"Wir sind sehr gut aufgestellt und bekommen auch überwiegend positive Resonanz aus der Bevölkerung für unsere Arbeit", berichtet Messner. "Es gibt aber noch immer Leute, die glauben, dass Hagelabwehr nicht funktioniert. Dabei haben wir mittlerweile viele Indizien, die dafür sprechen, dass es eben doch klappt", ergänzt Peter Hellstern, dritter Vorsitzender des Vereins.

Neue Technik

 Der Verein Hagelabwehr Südwest investiert in diesem Jahr in neue Technik, wie Hellstern berichtet. So wurde sowohl das Flugzeug aufgerüstet, als auch die Kommunikationstechnik für den Piloten soll erneuert und verbessert werden. "Wir haben neue Brenner an dem Flieger, wodurch wir effektiver sind." Die Brenner könnten nun gezielt in der Luft angeschaltet werden, statt sie schon vor dem Abheben starten zu müssen. Auch im Falle eines notwendigen Zwischenstopps sei das Auffüllen des Silberiodids einfacher und der erneute Start schneller wieder möglich.

Der nächste Schritt ist eine Verbesserung der Software zur Erkennung von Hagelpotenzialen sowie eine bessere Kommunikationsmöglichkeit mit dem Piloten. "Wir schicken die Daten dem Piloten nun direkt ins Cockpit, während er bisher den Einsatz überwiegend am Boden vorbereiten musste und sich dann in der Luft orientieren musste", erklärt Hellstern. Mit der neuen Technik werden – momentan noch – mittels Bodenantennen die Daten dem Piloten auf einen Display geschickt, sodasss er die Wolkenentwicklung und auch seine Position sieht. "Vermutlich ab nächstem Jahr könnte die Kommunikation dann nicht mehr über die Antennen, deren Reichweite nicht ganz ideal sind, erfolgen, sondern ausschließlich über das Internet", erläutert Peter Hellstern. "Ziel ist es, unsere Piloten so gut und sicher wie möglich zu steuern", ergänzt Heinz Messner.

Einsatzgebiet ausbauen

Momentan hat der Verein 2900 Mitglieder. "Wir hatten auch schon 3100", sagt Messner. Die sinkende Mitgliederzahl sei darauf zurückzuführen, dass viele Mitglieder verstorben sind – "und deren Kinder wohnen größtenteils nicht mehr in der Region", erklärt Schriftführer Gerhard Vetter. Das Verhältnis der nachkommenden Mitglieder im Vergleich zu den wegfallenden stehe im Verhältnis von ein Drittel zu zwei Drittel berichtet Kassierer Rolf Münsterberg.

Neben den zahlreichen privaten Mitgliedern und unterstützenden Firmen in der Region, seien momentan 14 Kommunen ebenfalls Mitglied der Hagelabwehr Südwest. Ab 2021 gehört dann auch die Gemeinde Brigachtal dazu. Dieses Flächennetz würde die Vereinsführung natürlich gerne ausbauen und vor allem weitere Landkreise mit ins Boot nehmen. "Mit unserem einen Flugzeug sind wird mittlerweile am Limit. Würden die Landkreise Rottweil und Balingen einsteigen, könnten wir uns einen zweiten Flieger leisten", nennt Messner seinen Wunsch, den Flugplatz Donaueschingen zu einem Fliegerhorst auszubauen. Am besten mit einem eigenen Meteorologen.

Landkreis zahlt nur einen kleinen Teil

Grundlegend würden die Verantwortlichen vor allem eine Umstrukturierung in der Zuständigkeit begrüßen. "Wir übernehmen eine Aufgabe, die in anderen Regionen der Landkreis übernimmt", bemängelt Peter Hellstern und richtet den Blick in den Rems-Murr-Kreis und nach Rosenheim. Zwar zahle der Schwarzwald-Baar-Kreis seit vergangenem Jahr 10.000 Euro jährlich an den Verein, bei Kosten von 25.000 Euro pro Bereitschaftsmonat ist das aber nur ein Bruchteil. "Wir sind da in regem Austausch und sind auch überzeugt, dass wir irgendwann zusammenfinden", sagt Heinz Messner.

In Baden-Württemberg gibt es nach Informationen von Pilot Holger Miconi nur sieben Flugzeuge, die für den Einsatz als Hagelflieger zugelassen sind. Weitere gibt es in der Pfalz, in Österreich und seit geraumer Zeit auch in der Schweiz. "Die orientieren sich schon an unserem Verein und kommen bei Fragen auf uns zu", stellt Peter Hellstern die Vorreiterrolle der Hagelabwehr Südwest heraus. Ein weiterer Austausch über die neuesten Erkenntnisse wird im Oktober in Graz stattfinden, wenn Vertreter des Vereins an einer Fachkonferenz dort teilnehmen.

Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich die Verantwortlichen des Vereins Hagelabwehr Südwest dazu entschieden, die Mitgliederversammlung 2020 nicht in diesem Jahr zu veranstalten, sondern sie im kommenden Jahr mit der Versammlung von 2021 zusammenzulegen.

Infos zum Verein gibt es im Internet unter: www.hagelabwehr-suedwest.de

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