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Villingen-Schwenningen Narren zählen auf Hausschneiderin

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Näht mit Freude für die Hästräger der Fasnetvereine: die Schneiderin Erika Götz. Foto: Zieglwalner Foto: Schwarzwälder Bote

Der Stoff stapelt sich überall, ebenso wie reihenweise schwarze Filzplätzle, Glöckchen und Faden in verschiedensten Farben: Erika Götz ist eine der Akteure im Hintergrund, ohne die viele Villinger Narren gar nicht auf die Fasnet gehen könnten. Die Schneiderin kleidet Jahr für Jahr unzählige Hästräger ein.

VS-Villingen. Mit der Hexenzunft nahm vor 28 Jahren alles seinen Anfang: Ein Nachbar kam auf sie zu und fragte, ob sie denn für den Verein nähen könnte, erinnert sich Erika Götz. Sie übernahm die Arbeit, erhielt von ihrer Vorgängerin die erste Vorlage und entwickelte sie weiter.

Zwei Jahre später klopften die Villinger Riet­vögel bei ihr an, seither fertigt sie die Federkleider für Krakes oder Dompfaff aus Filzstreifen. Auch für das Häs der Fleck-Fleck ist sie verantwortlich, das aus tausenden schwarzen Filzflecken besteht. Da heißt es, von Arbeitshosen und -jacken die aufgesetzten Taschen und Schlaufen zu entfernen. Dann näht sie Reihe für Reihe die ausgestanzten Filzstreifen auf die Stoffunterlage. Und Geduld ist auch gefragt, wenn sie von Hand 135 kleine und größere Glöckchen nach einem genauen Plan auf Hosen und Kitteln anbringt.

Viele Freundschaften sind entstanden

Über die Jahre traten immer mehr Vereine an sie heran und baten um Unterstützung. So ist sie längst die Hausschneiderin einiger Zünfte, denn ihr Können sprach sich schnell herum. Ob die Schindel-Hansel, die Schwenninger Bären oder die Gägsnasen, sie alle schauen regelmäßig bei der 76-Jährigen vorbei. Für das Häs der Mecker-Gilde arbeitet sie mit einem Handwerksbetrieb zusammen, um mit speziellen Nähmaschinen das Ziegenfell überhaupt bearbeiten zu können.

Auch manch Schnittmuster hat sie über die Jahre mit entworfen, so stattete sie beispielsweise die Villinger Schalmeien bei ihrer Gründung vor 20 Jahren mit ihren orange­blauen Umhängen aus. Morbili und Altvillingerinnen sind bei ihr ebenso an der richtigen Adresse.

Zehn Bären, vier Rietvögel, zwei Fleck-Flecks und drei Musiker der Schalmeien hat sie in dieser Saison mit einem neuen Häs glücklich gemacht. Zudem entstanden an die 30 Röcke, Kittel und Kopftücher für die Hexenzunft, die in ihrer Kammer eine große Anzahl an Leihhäsern für Kinder bereithält. Nebenher erledigt sie Reparaturen und Änderungen. Schon 14 Tage nach der Fasnet sei im vergangenen Jahr der erste Kunde zum Maßnehmen bei ihr gestanden, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Im August geht es dann los, dass viele sich erst einmal bei ihr abmessen lassen. Die Zünfte liefern Stoff und Material wie Glocken und Filzplätzle, sie besorgt Faden und Reißverschlüsse. Ab Dezember ist dann Hochkonjunktur, die Nähmaschine rattert von den frühen Morgenstunden bis in den Abend.

Zudem herrscht reger Publikumsverkehr, muss doch jeder zur Anprobe antreten. Bei den Fleck-Flecks passt sie in mehreren Arbeitsschritten die Augenschlitze an der Haube an, damit die Hästräger später auf der Gass auch den Durchblick haben. Gerade dieser über die Jahre entstandene Kontakt zu zahlreichen Vereinsmitgliedern ist es, den sie besonders schätzt. "Viele sind als Jugendliche zu mir gekommen, als sie für die Hexentaufe das erste eigene Häs brauchten, jetzt schauen sie mit ihren eigenen Kindern vorbei", freut sie sich über Begegnungen mit vielen Menschen, die ihr ans Herz gewachsen sind. Auch unterm Jahr bekommt sie immer mal wieder Besuch von den Narren. Bilder und Urkunden an ihrer Fasnetswand zeugen von der Verbundenheit mit den Vereinen, die ihr auf vielfältige Weise für die gute Zusammenarbeit danken.

Einen Wunsch abzulehnen, fällt ihr da schwer. "Das Nein-Gen fehlt mir", sagt Erika Götz lachend. Das Nähen mache ihr Spaß, "es ist Beruf und Hobby". Sie sage zwar allen Vereinen, sie sollten zugreifen, wenn sie auf eine Schneiderin stoßen, doch es sei leider nicht einfach, Nachwuchs zu finden. Sie will jedenfalls noch einige Jahre weitermachen, wenn sie gesund bleibt, auf alle Fälle bis zum 80. Geburtstag, nennt sie ihre Pläne.

Sie setze sich einfach gerne für die Fasnet ein, stellt sie fest, und das oft bis zum Schluss. "Ich habe allen gesagt, dass ich bis fünf Minuten vor dem Umzug für sie nähe", betont sie, "wenn ich mich nur nicht selbst verkleiden muss", schiebt sie nach. Denn das sei nicht ihr Ding.

Vielmehr genießt sie es, bei den Villinger Umzügen am Straßenrand zu stehen und den närrischen Gruppen zuzurufen. Und wenn all die Fleck-Flecks, Rietvögel und Hexen an ihr vorbeiziehen, erkennt sie ab und zu eines ihrer neu genähten Häser – und auch mancher Narr entdeckt die Schneiderin unter den Zuschauern und hat besondere Freude, mit ihr seinen Spaß zu treiben.

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