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Villingen-Schwenningen Hausverwalter hat noch mehr Konten geplündert

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Foto: granata68 – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Immer mehr Geschädigte, ein immenser Schaden und offensichtlich stockende Ermittlungen: Die Machenschaften des Finanzbeamten, der sich als betrügerischer Hausverwalter an Konten von Wohnungseigentümern bedient hat, erhält eine neue Dimension. Wie groß der Schaden mittlerweile ist und warum die Staatsanwaltschaft kritisiert wird, erfahren Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Wie viel Geld fehlt? Wer ist alles betroffen? Wie geht es mit den betroffenen Objekten weiter? Und was geschieht mit dem betrügerischen Hausverwalter? Diese Fragen beschäftigen momentan mehrere Eigentümergemeinschaften in der Region aber ebenso andere Hausverwaltungen. Denn nachdem bekannt wurde, dass ein 62-jähriger Finanzbeamter, der im Schwarzwald-Baar-Kreis und insbesondere in VS als Hausverwalter tätig ist, sich an den Konten der Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) bedient hatte, laufen vielerorts Überprüfungen. Bislang ist das gesamte Ausmaß des Skandals noch gar nicht absehbar.

Recherchen des Schwarzwälder Boten haben nun ergeben: Der Schaden nimmt mittlerweile enorme Ausmaße an.­ Nach Informationen unserer Zeitung liegt dieser nach derzeitigem Stand bei über einer halben Million Euro. So fehlen bei mindestens sechs Wohnanlagen – sowohl in Villingen-Schwenningen als auch in zwei weiteren Städten und Gemeinden im Kreisgebiet – auf den WEG-Konten Geld. Zum Teil handelt es sich hierbei um Summen von mehr als 100.000 Euro, die größtenteils aus den Rücklagen entnommen wurden. Wohin diese geflossen sind, bleibt dagegen offen. Eine entsprechende Anfrage seitens unserer Zeitung beim betroffenen Hausverwalter blieb gänzlich unbeantwortet.

62-Jähriger gibt zu, unerlaubt Geld von Konto entnommen zu haben

Über seinen Anwalt hat der 62-Jährige aber mittlerweile im Rahmen eines laufenden Verfahrens zugegeben, unerlaubt Geld von einem Konto einer Wohnanlage am Warenberg in Villingen entnommen zu haben. Dies erklärte die mittlerweile zuständige Hausverwalterin gegenüber unserer Zeitung. Sie hatte, wie zunächst exklusiv im Schwarzwälder Boten berichtet, nach der Übernahme der dortigen Objekte die Unregelmäßigkeiten des Mannes aufgedeckt und die Aufarbeitung ins Rollen gebracht.

Bereits im März 2019 hatte die Rechtsanwältin Harriet Stefani im Namen der Eigentümer und der neuen Hausverwaltung aufgrund fehlender Gelder Anzeige gegen den Finanzbeamten erstattet und Zivilklagen beim Amtsgericht eingereicht. Im Eiltempo führte sie innerhalb von acht Monaten insgesamt neun zivile Verfahren durch – hierbei konnte sie auch Kontosperrungen und Lohnpfändungen durchsetzen. "Der Schaden wird derzeit, einschließlich der Rechtsverfolgungskosten, auf etwa 150.000 Euro beziffert. Dieser Betrag ist vollstreckbar und wird auch vollstreckt", so Stefani gegenüber unserer Zeitung.

Sie erklärt, dass in mehreren Fällen die Herausgabe der Verwaltungsunterlagen der WEGs über einen Gerichtsvollzieher beauftragt werden musste. Dies ist kein Einzelfall – denn auch andere Verwaltungsbeiräte berichten davon, dass es zum Teil gerichtlicher Anordnungen bedurfte, um an die notwendigen Unterlagen zu gelangen.

Vermögensauskunft konnte dank Haftbefehl abgenommen werden

Zumindest im Falle der WEGs, die Stefani als Rechtsanwältin betreut, hofft man, in absehbarer Zeit Ergebnisse vermelden zu können. So würden ihren Angaben zufolge hinsichtlich der Vollstreckungen die Informationsbeschaffung anstehen, hier wurde die Abnahme der notwendigen Vermögensauskunft beantragt. Stefani: "Die konnte mit Hilfe eines Haftbefehls des Amtsgerichts Villingen-Schwenningen von der Gerichtsvollzieherin nunmehr abgenommen werden. Deren Eingang wird nun von uns erwartet." Allein bei ihr seien sieben Verfahren bislang noch nicht abgeschlossen – von weiteren Eigentümergemeinschaften ganz zu schweigen.

Doch wie sieht es mit der strafrechtlichen Verantwortung des betrügerischen Hausverwalters aus? Im Gespräch mit unserer Zeitung äußern mehrere betroffene Eigentümer, aber auch Verwaltungsbeiräte von betrogenen WEGs, ihren Unmut hinsichtlich des offenbar fehlenden Ermittlungseifers seitens der Behörden.

Bitter stößt ihnen dabei weiterhin auf, dass Ermittlungen gegen den Beamten, der aufgrund seiner Tätigkeit beim Finanzamt mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeitet, zunächst gar nicht aufgenommen wurden. "Es ist verwunderlich, dass man ihn so gewähren lässt", wird gegenüber dem Schwarzwälder Boten berichtet. So soll der Mann auch weiterhin als Hausverwalter tätig sein, Versammlungen einberufen und selbst für nicht mehr verwaltete Objekte bei Versicherungen Geld und für seine Tätigkeit Regiekosten einfordern.

Staatsanwaltschaft: Dringender Tatverdacht lasse sich noch nicht belegen

Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Konstanz zeigt man sich trotz der Ausweitung des Skandals eher unbeeindruckt. Die Ermittlungen seien nach wie vor im Gange, berichtet der dortige Pressesprecher Andreas Mathy auf Anfrage. Allerdings könne man zur Schadenshöhe bislang noch nichts sagen, es sei "nicht sicher, was davon strafrechtlichen Wert hat". Es könne auch durchaus sein, so wörtlich, dass der Hausverwalter "nur sehr schlampig" gearbeitet habe und es sich zumindest teilweise um zivilrechtliche Angelegenheiten handelt. "Das muss alles gar nicht strafrechtlich relevant sein", so Mathy. Und: "Das kann man alles noch nicht seriös abschätzen."

Einen entscheidenden Durchbruch scheint man demnach nicht erzielt zu haben. Denn der Pressesprecher betont, dass sich seitens der Staatsanwaltschaft "ein dringender Tatverdacht noch nicht belegen lässt". Auch was die Tatvorwürfe betrifft – also ob es sich bei den Delikten etwa um Untreue, Unterschlagung oder Betrug handelt – könne bislang wenig gesagt werden.

Dies dürfte für die mittlerweile weit über 300 betroffenen Eigentümer, denen Geld auf den WEG-Konten fehlt, eine eher unbefriedigende Situation sein. Denn dass die Zeit drängt zeigen auch Informationen unserer Zeitung, wonach der Finanzbeamte reihenweise Unterlagen der Hausverwaltungen und somit Beweismittel vernichtet. Dies wird unserer Zeitung von mehreren Seiten aus bestätigt. Die Befürchtung liegt demnach nahe, dass die umfassende Aufarbeitung des Skandals bei längerem Zögern seitens der Ermittlungsbehörden schwer werden könnte.

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