Joachim von Mirbach, Fraktionssprecher der Grünen im Gemeinderat von Villingen-Schwenningen, hält die "Ballerei" an Silvester mittlerweile für "völlig überzogen". Foto: Schmidt

Interview: Joachim von Mirbach über das Superthema 2019/2020: Nachhaltigkeit und wie sie gelingen kann

Villingen-Schwenningen - Nachhaltigkeit ist das ganz große Thema der Jahre 2019 und sicherlich auch 2020. Wer sich damit auskennen müsste, sind die Vertreter der Grünen in der Region. Wir sprachen deshalb mit dem Fraktionssprecher der Grünen im Gemeinderat Villingen-Schwenningen, Joachim von Mirbach, über Nachhaltigkeit zum Jahreswechsel.

Stehen den Grünen die Haare zu Berge, wenn an Neujahr Kanonenschläge das Hubenloch erbeben lassen?

Was die Grünen darüber denken, weiß ich nicht, jedoch denke ich, dass viele oder sogar die meisten meiner Parteifreunde und Parteifreundinnen genauso geschichtsbewusst sind wie ich und ein Ereignis, das zur Tradition Villingens gehört, als solches einordnen können. Ein neues Jahr mit lauten Kanonenschlägen zu begrüßen ist nun mal eine solche Tradition, die niemandem weh tut.

Wie sieht für Sie ein "nachhaltiges" Silvester in VS aus?

Mit dem Konzept der "Nachhaltigkeit" wird viel Schindluder getrieben. Mir gefällt die englische Bezeichnung besser: "sustainable development", das heißt: "erhaltende Entwicklung", dabei werden keine Ressourcen auf Nimmerwiedersehen vernichtet, sondern so gewirtschaftet, dass nachfolgende Generationen ebenfalls eine Chance auf eine gute Zukunft haben. Ob das Verballern von über 100 Millionen Euro in der Silvesternacht nachhaltig ist, bezweifle ich, das neue Jahr ist vermutlich mit den Kanonenschlägen am Neujahrsmorgen vollauf zufrieden.

Ich habe jedenfalls noch nie Böller oder Raketen gekauft und angezündet, dafür war mir mein Geld immer zu schade. Im Übrigen halte ich die Ballerei mittlerweile für völlig überzogen und die Stadt stinkt viele Stunden noch, als wäre der Leibhaftige persönlich dagewesen, und morgens liegt tonnenweise Müll in der Stadt herum, um den sich die Böllerer am wenigsten kümmern. Wenn ich Silvester in meinem Ferienhaus in den Vogesen bin, dann gibt es das nicht, denn die Franzosen böllern zur Überraschung vieler Gäste dort gar nicht, das finde ich sehr angenehm.

Auch die Grünen nehmen sich privat doch bestimmt fürs nächste Jahr im einen oder anderen Punkt mehr Nachhaltigkeit oder einen bewussteren Umgang mit etwas vor. Was wäre das bei Ihnen?

Ich bemühe mich seit Jahren, so viele Lebensmittel aus regionaler Erzeugung zu kaufen wie möglich. Bei Milchprodukten kaufe ich nur Bioland-qualifizierte Produkte aus unserem Regierungsbezirk, bei denen ich mir dann "einbilde", sie werden im Linachtal erzeugt, wo auch Martina Braun ihren Hof hat. Ansonsten schaue ich auf die Postleitzahl auf der Verpackung (was mit 7 anfängt, kommt aus Baden-Württemberg) oder ich achte auf das Transfair-Siegel zum Beispiel bei Kaffee. Natürlich betrifft das nur einen Teil unserer Einkäufe, aber wir bemühen uns, zum Beispiel keine Bohnen zu kaufen, die aus Kenia eingeflogen wurden. 

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