Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Villingen-Schwenningen Finanzbeamter steckt Geld in eigene Tasche

Von
Der Mann hat sich über Jahre an den Konten der Wohnungseigentümer bedient. Foto: © Ambrose–stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Über Jahre hinweg hat sich ein Hausverwalter an den Konten von Wohnungseigentümergemeinschaften in der Doppelstadt bedient. Das Ausmaß lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, weil dem Treiben noch kein Riegel vorgeschoben wurde. Was jedoch besonders pikant ist: Bei dem Mann handelt es sich ausgerechnet um einen Finanzbeamten. Wie man dem Mann auf die Schliche gekommen ist und was die Folgen sind, lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Vertrauensvoll hatten Eigentümer einer Anlage von acht Mehrfamilienhäusern am Warenberg die Verwaltung der Wohnungen und Objekte in die Hände eines Hausverwalters gelegt, der als Expertise die Betreuung zahlreicher Objekte in Villingen-Schwenningen und in der Region vorweisen konnte. Und: Der Mann, der seine Ein-Mann-Firma als Nebenerwerb betrieb, ist darüber hinaus Finanzbeamter. Eine gewissenhafte Betreuung schien demnach selbstverständlich.

Doch dem war nicht so – der Schock folgte Jahre später. "Es wurden Unstimmigkeiten bei seiner Arbeit bemerkt, wir waren außerdem zunehmend unzufrieden mit seiner Tätigkeit", berichtet ein Eigentümer aus besagter Wohnanlage gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Auf Initiative eines weiteren Eigentümerehepaares konnte erreicht werden, dass der Vertrag mit dem Hausverwalter gekündigt wurde. In einer außerordentlichen Eigentümerversammlung im vergangenen Jahr wurde schließlich zum 1. Januar 2019 die MD Hausverwaltung von Danijela Neducic mit der Verwaltung der ersten Mehrfamilienhäuser in der Wohnanlage am Warenberg betraut.

Es geht um fast 80.000 Euro

Doch als Neducic ihre Arbeit aufnahm, konnte sie noch nicht ahnen, was sie vorfinden würde – und welche Auswirkungen sich daraus ergäben. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten legt Neducic die Zahlen, nach Absprache mit der Eigentümergemeinschaft, auf den Tisch: Über Jahre hinweg hat sich der Verwalter an den Geldern der Eigentümer bedient. Der Schaden wird bislang auf mindestens 80 000 Euro geschätzt.

Doch wie konnte es so weit kommen? Die neue Verwalterin erklärt, dass sich ihr zweifelhafter Vorgänger ein "schwarzes Konto" zunutze machte. Auf dieses hatten die Eigentümer der acht Mehrfamilienhäuser die Vorauszahlungen für das Warm- und Kaltwasser überwiesen, da der Verbrauch aufgrund einer zentralen Versorgung nur über ein Objekt abgerechnet wird. Die vorliegenden Kontoauszüge machen deutlich: Über Jahre hinweg hat der Verwalter unberechtigterweise am Schalter bar Geld vom schwarzen Konto abgehoben und sich teilweise am vom Versorger rückerstatteten Guthaben bedient. "Alleine das waren fast 77.000 Euro", erklärt Neducic.

Hier drängt sich zunächst die Frage auf, wie das Fehlen des Geldes so lange nicht auffallen konnte. Die Haus- und Grundstücksfachverwalterin betont aber: Selbst dem Beirat der Wohnungseigentümer, der die Abrechnungen überprüft hatte, war es teilweise gar nicht möglich, einen Überblick zu haben. Denn die einzelnen Abrechnungen hätten in sich gestimmt und Sammelüberweisungen, bei denen die Verwendungszwecke manchmal nur erahnt werden konnten, sowie das ständige Hin- und Herschieben von Geldern zwischen unterschiedlichen Konten verschleierten das kriminelle Treiben des Mannes.

Dass er das Geld oftmals transferierte, kam dabei wohl nicht von ungefähr. "Er hat immer wieder Löcher in anderen Konten gestopft – eigentlich hätte er sich bewusst gewesen sein müssen, dass er aus dem Schlamassel nie wieder herauskommt", berichtet Neducic. Denn aus den ihr vorliegenden Unterlagen wurde deutlich, dass auch weitere Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) betroffen sein müssen. Dafür sprechen unerklärliche Geldbetragein- und -ausgänge zwischen Gemeinschaften, die ihren Angaben zufolge geschäftlich gar nicht verbandelt sind.

Auch Steuerhinterziehung?

Doch damit nicht genug: Regelmäßig seien unerlaubterweise WEG-Konten überzogen worden, seinen Leistungsverpflichtungen sei er in mehrfacher Hinsicht nicht nachgekommen. Daraus resultierende Zwangsgelder der Stadtverwaltung in Villingen-Schwenningen habe er als Handwerkerkosten deklariert und sich dreisterweise von den Eigentümern bezahlen lassen.

In mühevoller und wochenlanger Fleißarbeit deckte Neducic den Skandal im Auftrag der Eigentümer auf und zog mithilfe einer Rechtsanwältin vor Gericht. In einer Zivilklage wurde den WEGs vor dem Amtsgericht Villingen-Schwenningen bereits Recht gegeben. Da der mutmaßliche Betrüger den Verhandlungen fern blieb und sich hierbei auf gesundheitliche Probleme berief, wurden zwischenzeitlich sechs Versäumnisurteile gesprochen, die jedoch vollstreckbar sind. "Mittlerweile wurden alle privaten Konten gesperrt, aufgrund der unerlaubten Handlung des Verwalters wird außerdem auch ein Großteil seines Gehalts gepfändet", berichtet Neducic. Darüber hinaus habe man die Zwangsversteigerung von zwei seiner Immobilien eingeleitet. Aus ihrer Sicht steht darüber hinaus der Verdacht von Steuerhinterziehung im Raum – so dürfte bezweifelt werden, dass für die fast 77 000 Euro Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer gezahlt wurden.

Die Verwalterin ist sich allerdings sicher, dass es sich bei den Entdeckungen lediglich um die Spitze des Eisberges handelt. Denn insgesamt soll der Mann rund 30 Objekte betreut haben – schwerpunktmäßig in Villingen-Schwenningen und von einem hier bekannten Bauträger, aber zum Teil auch in weiteren Städten und Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis. Viele Eigentümer seien mittlerweile informiert, deren neue Hausverwaltungen berichten dabei von einem ähnlichem Ausmaß hinsichtlich der unterschlagenen Summen. Neducic vermutet aber, dass noch längst nicht alle Hausgemeinschaften Bescheid wissen. "Seinem Treiben muss ein Ende gesetzt werden", betont sie. Und an dieser Stelle erhält die Geschichte sogar noch eine weitere Facette.

Denn trotz der vorliegenden Beweise – die zumindest einen Anfangsverdacht unterstreichen – hatte sich die zuständige Staatsanwaltschaft Konstanz zunächst geweigert, die von der Anwältin der Wohnungseigentümergemeinschaften gestellte Strafanzeige gegen den Hausverwalter wegen Untreue und Unterschlagung weiter zu verfolgen. Erst nach einer Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe seien Ermittlungen aufgenommen worden. Nicht ausgeschlossen scheint es hierbei, dass ein zusätzlicher Schaden bei weiteren Eigentümergemeinschaften hätte verhindert werden können.

Andreas Mathy, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es eine Beschwerde aufgrund der Verfahrenseinstellung gab. "Eine Kollegin war hierbei der Auffassung, dass es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit handelt", so Mathy. Mittlerweile seien die Ermittlungen aber aufgenommen worden, "sie sind weiterhin im Gange", erklärt der Sprecher. Zu Einzelheiten könne er sich allerdings noch nicht äußern.

Disziplinarverfahren soll laufen

Pikant erscheint in diesem Zusammenhang, dass es sich bei dem mutmaßlichen Betrüger ausgerechnet um einen Finanzbeamten handelt. Beim zuständigen Finanzamt Villingen-Schwenningen möchte man derweil Informationen des Schwarzwälder Boten nicht bestätigen, wonach der Mann dort derzeit nicht zum Dienst erscheinen und aufgrund der Vorgänge ein ­Disziplinarverfahren gegen ihn laufen soll.

Vorsteher Karl-Heinz Huy erklärt gegenüber unserer Zeitung, dass er "zu den dienstlichen Angelegenheiten der Mitarbeiter wegen des Personalgeheimnisses keine Angaben machen" könne.

Sicher scheint jedenfalls, dass auch die Behörde hinsichtlich der Personalie des Finanzbeamten einige Dinge aufarbeiten und mehreren offenen Fragen nachgehen muss. Denn dass ausgerechnet ein Mitarbeiter des Finanzamtes offensichtlich in betrügerische Tätigkeiten verwickelt ist, dürfte sich auch für den Dienstherrn als überaus unangenehme Angelegenheit darstellen.

Fotostrecke
Artikel bewerten
40
loading

Ihre Redaktion vor Ort Villingen

Cornelia Spitz

Fax: 07721 9187-60

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.