Moderator Elias Raatz (von links) stellt DJ Nexus, Martin Geier, Felix Kaden, Dorothee Röder, ­Ansgar Hufnagel, Madleen Marie Haberstroh, To Flyer und Bo Wimmer vor. Foto: Berberich Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Kirchen veranstalten Poetry Slam über Glaube, Liebe und Hoffnung / Verblüffendes im Workshop

Villingen-Schwenningen. Überraschungsreich war der Poetry Slam der Reihe "Wort:Schöpfung" im Münsterzentrum Villingen. Das Projekt der Erzdiözese Freiburg und der evangelischen sowie katholischen Kirchen in Villingen und Donaueschingen zog 200 Gäste an, die zum Großteil noch nie einen Dichtkunstwettstreit (Poetry Slam) erlebt hatten.

Bei diesem Kulturformat präsentieren Künstler ihre selbstgeschrieben Texte auf der Bühne und werden vom Publikum bewertet. Die Kirchen organisierten dieses Experiment mit dem thematischen Fokus Glaube, Liebe, Hoffnung. "Für manche Menschen sind die Worte in unseren Kirchen unverständlich geworden. Wir wollen mit dem Projekt jenseits kirchlicher Sprache menschliche Grunderfahrungen und Sehnsüchten ins Wort bringen. Es geht um den Mut, zu sagen, was man glaubt, liebt und hofft", betont Gunter Berberich, Pastoralreferent der katholischen Kirche in Villingen.

Dazu hatten die Veranstalter durchaus unbequeme Dichter mit ins Boot geholt. Dorothee Röder aus Nürnberg erzählte kritisch von ihrer Zeit als Ministrantin in einem kleinen Dorf und fragt sich, ob Glaube "nicht wissen oder nichts wissen" bedeutete. Der Fürther Martin Geier erzählte ausdrucksstark von den Tränen eines Vaters, der den Umzug seiner Tochter zur Exfrau verkraften musste. Der Freiburger Erlebnispädagoge Ansgar Hufnagel nahm das Publikum mit nach El Salvador, wo Superreiche und Arme durch Mauern getrennt leben – Grenzen der Hoffnungslosigkeit. Felix Kaden aus Erlangen nagelte 95 neue Thesen ans Mikrophon mit der wichtigsten Botschaft: "Hinterfrage". Der erfahrene Bühnenpoet Bo Wimmer aus Marburg schrieb eine Fiktion über die Entdeckung des heiligen Grals und darüber, was "Ewiges Leben" auf dieser Welt bedeuten würde.

Die Gewinnerin des Abends, abgestimmt über die Lautstärke des Applauses, war die 21-jährige Madleen Marie Haberstroh aus Tübingen. Ihr Resümee auf die eigene Schulzeit führte die Studentin letztlich zum Thema des Abends zurück: "Was ich gelernt habe, nach all den Tagen, sind Matheformeln und Vokabeln – aber nicht: Mich selbst mal zu lieben." Moderiert wurde der Abend von Elias Raatz, der mit dem Format Dichterwettstreit deluxe schon mehrere Slams in der Region veranstaltet hat. Eine musikalische Wortkunst lieferte der Rapper To Flyer mit DJ Nexus aus Ravensburg.

Nicht nur die Texte der Poeten waren für das Publikum eine Überraschung: Im Vorfeld der Abendveranstaltung gab es einen Workshop für alle, die ihre Dichtkunst von erfahrenen Poeten feilen lassen wollten.

Von den 15 Teilnehmenden trauten sich spontan vier junge Leute am selben Abend noch auf die Bühne. Da war sogar der Moderator Elias Raatz baff: "Was in zwei Stunden Workshop entstehen kann, das ist unglaublich." Die 17-jährige Akhila Rajh aus Pfaffenweiler sinnierte darüber, dass Glaube wie der Lebensstaub auf den Flügeln eines Schmetterlings ist, der das Leben überhaupt erst möglich und fruchtbar macht. Die Zwölfjährige Layla Stollbert aus Villingen-Schwenningen betonte, wie die Gemeinschaft unter Gläubigen ihr Freude schenkt.

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