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Villingen-Schwenningen Berufskiller leiden unter Burnout

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Blumen nach der Premiere im Rollmops-Theater in der Färberstraße (hinten von links): Manuela Schulte, ­Maurice Lüttringhaus, Dietmar Schlau und Olaf Jungmann sowie (sitzend): Jessica Lippert und Christel Gerloff. Foto: Rollmops-Theater Foto: Schwarzwälder Bote

VS-Villingen. Mister Brexit ist erfolgreicher Be­rufs­kil­ler, doch er fühlt sich aus­ge­brannt wie ei­ne lee­re Pa­tro­nen­hül­se – Bur­nout. Zu mörderisch sind die Arbeitsbedingungen in seinem sozialen Dienstleistungsgewerbe. Brexit will sich zur Ruhe setzen, doch sein Auftraggeber, Pistoli Patronov, duldet keine Aussteiger. Jedenfalls keine, die noch am Leben sind.

Szenen aus der Uraufführung von "Mister Brexit steigt aus" im proppenvollen Villinger Rollmops-Theater mit seiner berühmten, familiären Atmosphäre. Der Autor des Stückes, Dietmar Schlau, begrüßt in der Rolle des britischen Kulturgesandten das Publikum. Dann geht es los, düstere Musik erklingt, Mister Brexit schleicht durch die Dunkelheit, legt an, zielt. Das Publikum hält den Atem an. Dann fällt die Technik aus. Es folgen zehn Minuten hektisches, aber routiniertes Treiben am Technikpult, danach ist der Schaden behoben. Das Publikum nimmt es belustigt und gelassen, zumal der britische Kulturgesandte versichert, dass trotz jetzt verlängerter Spieldauer das Eintrittgeld nicht erhöht werde.

Beim zweiten Versuch klappt alles. Die Akteure lassen sich von der Panne keine Sekunde beeindrucken, vom ersten Moment an, haben sie das Publikum am Haken. Sehr schwarz, very british, skurril und temporeich. Und ungeheuer komisch – so kommt das neue Theaterstück des Rollmops-Ensembles daher.

Dietmar Schlau, den man bisher als Autor ernster Stücke kennt (Das Grenzwiesel, Marian), zeigt beeindruckend, dass er sich auch im komödiantischen Fach wohl fühlt. Eleganter Wortwitz wechselt sich ab mit genialem Nonsens, eindeutige Zweideutigkeiten verwirren und entzücken das Publikum. Ein bisschen frivol ist die Inszenierung schon – aber nie unter der Gürtellinie.

Und wenn Olaf Jungmann alias Mister Brexit auf der Bühne schnell genug reagiert, dann schafft er es auch rechtzeitig, eine Sofadecke vor den nackten Pistoli Patronov (Dietmar Schlau) zu halten. Überhaupt, die Schauspieler – auch sie überzeugen, da sitzt jedes Timing, da stimmt jede Betonung, da passt jede Geste. Die Gags prasseln nur so auf das Publikum herab.

Jessica Lippert als Victoria – in Marian brachte sie das Publikum zum Weinen – diesmal produziert sie Lachtränen. Sein Debüt bestritt Maurice Lüttringhaus als James Blond – smart, gewinnend und überlegen. Manuela Schulte rückt Mister Brexit als Scotland Yard Inspector DCI Coldcase zu Leibe, und einer der Höhepunkte ist, wenn Christel Gerloff, die gute Seele des Rollmops, als Queen Elisabeth durch die Reihen schreitet. Das sieht das Publikum auch so, denn spontan steht es auf und singt die englische Nationalhymne mit.

Künstlerisch und handwerklich perfekt ist die Produktion – Wendungen, Running Gags, Erwartungsbrechung, Wortspiele – tief wurde in die Trickkiste des kalkulierten Humors gegriffen. Es folgen zwölf weitere Vorstellungen, immer Freitag, Samstag, Sonntag um 20 Uhr, bis einschließlich 8. Juli. Der Eintritt kostet 14 Euro, Karten gibt es im Vorverkauf bei m Tourist-Info & Ticket-Service Villingen-Schwenningen im Franziskaner Kulturzentrum und an der Abendkasse.

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