Der Narro, von Thomas Straub geschaffen, ist zur Fasnet wieder mit einem Reisigkranz und dem Band in den Villinger Stadtfarben weiß-blau geschmückt. Foto: Reim Foto: Schwarzwälder Bote

Fasnet: Ihr Erschaffer ist der Künstler und Bildhauer Thomas Straub / Betrachter wird miteinbezogen

In der historischen Innenstadt von Villingen gibt es seit jeher viele Brunnen. Doch einer ist ganz besonders. Der Narro-Brunnen. Der Narro, die bekannteste Figur der Villinger Fasnet, schmückt diesen.

VS-Villingen. Gäste, die ­Villingen besuchen und im Zuge einer Stadtführung die historische Innenstadt ­erkunden, machen dort halt. In der fünften Jahreszeit ist dort der Startpunkt, dort wird dann gesungen und geschunkelt.

Der Ur-Brunnen-Narro war aus Holz und wurde 1937 von Bildhauer Eugen Merz geschaffen. Zur Fasnet-Eröffnung am 6. Januar 2017 wurde der heutige Narro eingeweiht. Der Mensch, der ihn geschaffen hat, ist der Künstler und Bildhauer Thomas Straub. Er wurde 1976 in Villingen geboren, besuchte die Bildhauerschule in Oberammergau und hatte danach weitere berufliche Stationen in Nürnberg, Karlsruhe und Helsinki. In Glasgow machte er schließlich seinen Master. Der Narro ist 2016 noch in seinem Atelier in Köln entstanden.

Vorausgegangen sind Teilnahmen am Brauchtumsabend der Narrozunft. Die Stadt, die den Auftrag vergeben hat, hatte damals die Narrozunft gebeten, die historische Authentizität zu überwachen.

Die von Thomas Straub geschaffene Figur ist keine Kopie des Merz-Narros. Der Künstler hat dem Narro neues Leben eingehaucht. Er steht nicht mehr gerade. Spielt mit dem Stand- und Spielbein. Er bezieht den Betrachter mit ein, in dem er ihn direkt mit dem Zeigefinger anspricht. Der neue Narro ist aus Bronze und damit fast für die Ewigkeit geschaffen.

Thomas Straub erinnert sich noch gut an die Diskussionen um das Material. Bronze war schon immer das Material der Villinger Rollen, sagt er. Etwa ein Jahr lang hat er an dem Werk gearbeitet. Entwürfe und Modelle aus Ton, Gips und Bronze gefertigt. Mit einem lebendigen Model gearbeitet, um so zum Beispiel den Faltenwurf des Häs bestens modellieren zu können. Selbst die Rollen hat seine "Naturstudie" getragen, sagt er und lächelt dabei.

Nach der Freigabe durch den Brauchtumsausschuss der Zunft wurde das Kunstwerk schließlich in einer Kölner Kunstgießerei mit langer Tradition gegossen. 110 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm. schwer ist die wohl berühmteste Brunnenfigur der historischen Innenstadt.

Auch die Bemalung hat der Bildhauer selbst ausgeführt. Dabei hat er sich streng an die alten Häs-Vorlagen gehalten. Eine besondere Herausforderung waren dabei die Falten.

Heute lebt und arbeitet der Villinger Künstler zusammen mit seiner Partnerin Jessica Twitchell und seinen beiden Kindern in St. Georgen. Auch Jessica Twitchell ist Künstlerin. Durch ihre Passion auch Schemen zu schnitzen sind sie beide der Villinger Fasnet verbunden.

Berufung an Staatliche Fachschule

Inzwischen hat Thomas Straub eine Berufung zur Staatlichen Fachschule für Holzbildhauerei erhalten. Das ist eine der ersten Adressen mit einer langen Tradition. So wie Villingen und der Narro.