Wird Xanthos das Hundegeschirr angelegt, konzentriert er sich voll und ganz auf seine Aufgabe. Foto: Reimer

Blindenhunde sind für ihre Halter eine enorme Hilfe im Alltag. Sie müssen eine Vielzahl an Aufgaben bewältigen können. Doch für Horst Gülich aus Börhingen ist sein Hund mehr als nur ein Hilfsmittel.

Dietingen-Böhringen - "Xanthos geht offen auf Menschen zu und freut sich immer riesig", sagt Horst Gülich über seinen Blindenführhund. Wenn man Gülich zu Hause in Böhringen besucht, dauert es nicht lange, bis man Bekanntschaft mit seinem siebenjährigen Labrador Retriever macht. Und in der Tat: Vor Xanthos’ Schleckeinheiten scheint es kein Entkommen zu geben.

 

Das ändert sich, sobald ihm Gülich sein Hundegeschirr anlegt. "Dann weiß er, dass er arbeiten muss", erklärt der 60-Jährige. Die Arbeit verlangt von Xanthos höchste Konzentration. Hindernissen ausweichen, freie Sitzplätze im Bus suchen oder sein Herrchen zu einen Zebrastreifen führen. Die alltäglichen Aufgaben sind vielfältig. Und Xanthos meistert sie mit Bravour. "Er gibt mir ein Stück Unabhängigkeit zurück", sagt Gülich, der als Jugendlicher aufgrund eines Tumors erblindete.

Hund durchläuft mehrere Ausbildungen

Xanthos weiß aber auch, wann er sich einem Kommando widersetzen muss. Er kann Gülich dadurch vor gefährlichen Situationen bewahren, beispielsweise wenn eine Straße nicht sicher überquert werden kann. Da sich Blindenhunde auf ihre Arbeit konzentrieren müssen, sollten sie auch nicht gestreichelt oder abgelenkt werden.

Xanthos wurde in einer Blindenhundeschule im schweizerischen Allschwil ausgebildet. Nachdem er die ersten zehn Wochen dort in einem Welpenförderprogramm verbracht hatte, kam er für etwa 15 Monate zu einer Patenfamilie, wo er mit Unterstützung der Hundeschule eine Grundausbildung erhielt. In den anschließenden sechs bis neun Monaten durchlief er dann die Ausbildung zum Blindenführhund.

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Dabei wurden Xanthos etwa 30 italienische Hörzeichen beigebracht. "Resta" heißt stehen bleiben, " a terra" hinlegen. Am häufigsten benutzt Gülich aber das Kommando "avanti", die Anweisung zum Vorwärtslaufen. Die italienischen Hörzeichen enthalten viele Vokale, weshalb sie für den Hund leichter verständlich sind. Gleichzeitig werden dadurch auch Missverständnisse vermieden, beispielsweise wenn Hundehalter ihren Hunden deutsche Anweisungen geben. "Inzwischen versteht Xanthos aber auch Deutsch. Er ist ein zweisprachiger Hund", sagt Gülich und lacht.

Ein enger Freund und ein Familienmitglied

Ist die Ausbildung zum Blindenführhund abgeschlossen, muss für den Halter der richtige Hund gefunden werden. Gülich ist dafür vor etwa sechs Jahren in die Schweiz gefahren. Welcher Hund der richtige ist, hängt unter anderem davon ab, ob der Halter in der Stadt oder eher ländlich wohnt oder wie der Weg zur Arbeit aussieht. Besonders wichtig ist aber, dass die Bindung zwischen Mensch und Vierbeiner stimmt. "Ich wollte nicht nur einen Hund, der arbeiten kann. Ich wollte einen engen Freund, ein Familienmitglied", sagte Gülich. Und bereits in der Hundeschule waren Xanthos und er auf Anhieb sehr vertraut miteinander.

Umso trauriger stimmt es Gülich, wenn er an den Abschied denkt. Denn Blindenhunde gehen mit etwa zehn Jahren in den Ruhestand. "Aber ich weiß, er hat dann seine Freude in einer neuen Familie und kann seine Rente genießen. Er muss nicht arbeiten bis nichts mehr geht." Bis es soweit ist geht Gülich regelmäßig mit Xanthos auf die Wiesen in Böhringen und lässt ihm dabei seinen Freilauf. "Ein Hund muss auch Hund sein dürfen", sagt Gülich. Zuhause wieder angekommen gibt es für Xanthos dann wieder ein paar Streicheleinheiten.