Die alten Griechen definierten sich über ihre Zeugungsfähigkeit. Lendenlahmen Patriarchen drohten Hohn und Spott. Zeitgenössische Schriften sind voll von obskuren Zauberformeln und Behandlungsmethoden, die zur Manneskraft verhelfen sollten.
„Früher konnte ich fünfmal das Werk der Aphrodite vollbringen; jetzt kriege ich es während der liebelangen Nacht kaum einmal fertig, und das auch nur mit knapper Not. Oft stirbt mir der Priapos (siehe Info-Kasten) auf halbem Wege ab, noch vorm Erreichen des Ziels. O, wie wird’s mir erst im Alter ergehen!“
Ein früher Fall von erektiler Dysfunktion, überliefert vor rund 2500 Jahren aus dem Munde eines gewissen Philodamos. Was noch heute die Herren der Schöpfung bewegt, galt erst recht für ihre Geschlechtsgenossen im antiken Griechenland, wo der Verlust der Männlichkeit ungleich gravierendere Folgen hatte.
Nachwuchs ist oberste Bürgerpflicht
Die Erzeugung von legitimem Nachwuchs galt dort als oberste Bürgerpflicht und somit auch als vordringlichste Aufgabe des Familienvaters, der als uneingeschränkter Patriarch über die Familie herrschte. Kinder zeugen (griechisch: paidosporein, wörtlich: „Kinder säen“) war reine Männersache, Frauen „trugen das vom Mann auferweckte Leben lediglich aus“, so der Dramatiker Aischylos im 5. Jahrhundert vor Christus.
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Was aber, wenn der holde Gatte seine familiären Pflichten nicht mehr erfüllen konnte, sprich: nicht mehr zeugungsfähig war? Diese Frage scheint die antike Männerwelt intensiv beschäftigt und so manchen Adonis in tiefe Selbstzweifel gestürzt zu haben. Platon zufolge war das männliche Geschlecht bis zum 50. Lebensjahr im Vollbesitz seiner Kräfte. Sein jüngerer Philosophenkollege Aristoteles legte die Messlatte tiefer; für ihn war ein Mann mit 35 physisch bereits verblüht.
Hohn und Spott für Lendenlahme
Schlechte Aussichten für die Männerwelt! Ging gar nichts mehr, war der Lendenlahme dem Hohn und Spott seines Umfeldes ausgesetzt. Er galt als Schlappschwanz (griechisch: ophis), sein Domizil wurde astytos oikos, „erektionsloses Haus“, genannt. Dem mit Impotenz Geschlagenen drohte der soziale Abstieg. Was tun?, sprach Zeus.
Um der Manneskraft wieder auf die Sprünge zu helfen, klammerten sich Griechenlands Männer an jeden Strohhalm. Wunder erhoffte man sich von Hilfsmittelchen, über die in den Büchern der damaligen Zeit allerlei geschrieben stand. Potenzzauber, Aphrodisiaka und anderes mehr sollten das Schicksal abwenden.
Zwiebeln und Knoblauch als Libido-Booster
Hoch im Kurs standen Hodenextrakte. Auf den Tisch kamen die von Stier, Widder, Eber, Hengst und Esel. Zudem schwor man auf den Oktopus, von den Griechen „Stärker des Glieds“ genannt, ebenso auf Eier und Ziegenmilch.
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Als Libido-Booster galten zudem Zwiebeln und Knoblauch sowie Gewächse aus der Familie der Apiazeen, zu der neben Sellerie auch Fenchel gehört. Beide enthalten Stoffe, die die Durchblutung steigern. Daneben gab es zahlreiche Rezepte aus Amors Küche, wie jenes aus Eiern, Zwiebeln, grünem Gemüse, Honig und Pinienkernen, das der römische Liebesdichter Ovid empfahl.
Ein Knollengewächs weckt das Tier im Mann
Besondere Wirkkraft schrieb man auch dem Pfefferkraut (satureia) zu, das im Ruf stand, eine häufige Wiederholung des Koitus zu bewirken. Als wahres Wundermittel galt ein als Satyrhode (satyrus orchis) bezeichnetes Knollengewächs. „Seine doppelte Wurzel sei wie Hoden geformt und wecke das Tier im Manne“, weiß der griechische Arzt Galen zu berichten. Benannt wurde die Pflanze nach den Satyrn (siehe Info-Kasten).
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Neben oral eingenommenen Stimulanzien gab es auch eine Reihe von Stärkungsmitteln zur äußerlichen Anwendung. Manch einer schwor auf die Wirkung der Brennnessel, von deren Nesselgift er sich eine starke Durchblutung der Lendengegend erhoffte. Andere wiederum rieben sich ihr Glied mit frisch gelassenem Stierharn ein.
Unersättlich dank eines Wunderkrauts
Geradezu magische Wirkung schrieben die Makedonen einem namentlich nicht näher genannten Wunderkraut zu, das der griechische Botaniker Theophrast (371–287 vor Christus) in seiner „Pflanzengeschichte“ erwähnte. Schon die bloße Berührung soll gereicht haben, um den Probanden zu sexuellen Höchstleistungen zu verhelfen.
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So habe bei einem Inder „nach siebzigmaligem Geschlechtsverkehr die Lust noch angehalten“. Wobei hier der Wunsch der Vater des Gedankens war. Offenbar ist der ansonsten seriöse Autor einer der vielen Fantastereien aufgesessen, die man sich an den Lagerfeuern im Heer Alexanders des Großen von dem mythenhaften Land am Ganges erzählte.
Gute Geschäfte mit der Potenz
Das Geschäft mit der Potenz jedenfalls blühte. In manchen Tempeln boten Wunderheiler ganz diskret spezielle Masturbationstechniken an, und auch die Hilfsmittel wurden immer absonderlicher. So groß war mitunter die Not, dass man Nebenwirkungen erst gar nicht in Erwägung zog, sodass die Ernüchterung oftmals auf dem Fuße folgte, wie eine Geschichte zeigt, die man sich beim „Gastmahl des Trimalchio“ in Petronius’ satirischem Roman „Satyricon“ erzählte.
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Wegen Erektionsstörungen begab sich ein gewisser Encolpius in die Hände einer in Liebesdingen erfahrenen Priesterin, die ihn einer altbewährten, schon bei den Griechen angewandten Spezialbehandlung unterzog: Behutsam führte sie ihm ein mit Brennnesselsamen und Pfeffer bestreutes Glied aus Leder in den Anus, übergoss den Penis mit Stabwurzelsaft und Kresse und peitschte den Schambereich des Patienten mit einem Bündel frischer Nesseln. Ergebnis der Prozedur: Das Gesäß brannte wie Feuer, der Schreck trieb dem guten Mann auch den letzten Rest seiner Begierde aus. Fluchtartig verließ er den Ort seiner Qualen.
Ein Schwein für Priapos
Was die irdischen Anwendungen nicht zu richten vermochten, erhoffte man sich von magischen. Rezepte griechischer Zauberpapyri zeigen, dass der Aberglaube eine große Rolle spielte: „Nimm fünfzig Pinienapfelkerne in zwei Gläser Wein, tu geriebenen Pfeffer dazu und trinke das, dann wirst du oft koitieren können.“ Ein anderes: „Wenn du recht kräftige Erektionen haben willst, mische Honig mit geriebenem Pfeffer und bestreiche damit deine Fußsohlen.“
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Nicht selten wandten sich die Leidgeprüften direkt an den Gott der Fruchtbarkeit, wie jener Mann auf einem Fresko aus Pompeji, der Priapos ein Schwein opferte, um von ihm Manneskraft zu erbitten. Insgeheim hoffte wohl jeder Mann, ein kleiner Priapos zu sein
Priapos und die Satyrn
Fleischgewordene Potenz
Priapos, Gott der Fruchtbarkeit, verkörperte den Traum maskuliner Kraft. Markenzeichen dieses Abkömmlings des Weingotts Dionysos und der Liebesgöttin Aphrodite war sein überdimensioniertes und nimmermüdes Genital.
Sexidol der Antike
Ein anderes Sexidol der antiken Männerwelt waren die Satyrn, jene zum Gefolge des Dionysos gehörenden, triebhaften und meist mit aufrechtstehendem Phallus dargestellten Mischwesen aus Mensch und Tier, die dem modernen Krankheitsbild der „Satyriasis“, dem pathologischen Sexualtrieb von Männern, seinen Namen gaben.