Der VfB Stuttgart hat durch den Sponsoren- und Investorendeal mit Mercedes, Porsche und MHP neuen finanziellen Spielraum. Was das für diese und künftige Transferperioden bedeutet.
Schießt Geld Tore? Darüber streiten sich die Fußballgelehrten ja schon seit vielen Jahren. Fakt ist: Wer eine gewisse Finanzkraft klug einsetzt, steigert die Chancen auf sportlichen Erfolg. So ähnlich war der Plan des VfB Stuttgart im Sommer 2017.
Seinerzeit war gerade die Ausgliederung der Profisparte in die VfB Stuttgart AG vollzogen worden. Die Daimler AG überwies 41,5 Millionen Euro für 11,75 Prozent der Anteile – und beim VfB sinnierte man über einen Fünfjahresplan, der den Club wieder ins internationale Geschäft bringen sollte. „Geld schießt Tore“ diente damals als Motto.
Man müsse sich, so die Rechnung, beim Etat für den Lizenzspielerbereich den Clubs im oberen Drittel annähern und anpassen – dann stelle sich auch der Erfolg ein. Entsprechend änderte sich die Transferpolitik. Nach dem Aufstieg im Mai 2017 kamen zwar zunächst einige junge Spieler nach Stuttgart, nach dem Wechsel auf dem Posten des Sportvorstands von Jan Schindelmeiser zu Michael Reschke aber auch etablierte Profis wie Andreas Beck, Dennis Aogo und Holger Badstuber. Im Winter kam noch Mario Gomez hinzu. Transferausgaben jener Saison: 30,9 Millionen Euro.
Im Jahr darauf, euphorisiert durch eine starke Rückrunde im Frühjahr 2018, wurden weitere 45,8 Millionen Euro investiert. In junge Kräfte, deren Verpflichtung sich teils ausgezahlt hat (Nicolas Gonzalez, Borna Sosa). Aber auch in Gonzalo Castro oder Daniel Didavi. Marc Kempf wurde ebenfalls in jenem Sommer zum VfB gelockt. Was das alles mit der Gegenwart zu tun hat?
Der Druck auf den sportlichen Bereich sinkt
Seit Dienstag ist bekannt: Nach Mercedes (aktuell 11,61 Prozent) und Jako (1,16) steigt demnächst noch die Porsche AG als Investor bei der VfB AG ein (zunächst fünf Prozent, danach weitere Anteile). Der Autobauer aus Zuffenhausen erwirbt zudem Sponsorenpakete, frisches Geld kommt auch vom Beratungsunternehmen MHP, das Namensgeber der bisherigen Mercedes-Benz-Arena wird. Auf ein Volumen von über 100 Millionen Euro taxierte Alexander Wehrle, der Vorstandschef der VfB AG, den Deal. Schießt dieses Geld demnächst Tore für den VfB?
Klar ist: Der Club will sich nicht nur finanziell, sondern auch sportlich stabilisieren. Dabei soll auch das frische Geld helfen. Aber, das betonte Wehrle bereits, nicht im Sinne teurer Transfers. Die Jahre nach der Ausgliederung dienen da als warnendes Beispiel. Trotz der hohen Investitionen stieg der VfB 2019 wieder ab.
Nun sagt Wehrle gegenüber unserer Redaktion: „Die geplanten Abschlüsse geben uns zunächst mehr wirtschaftliche Stabilität und schaffen mittelfristig Planungssicherheit.“ Das sei wichtig. Der Vorstandschef der VfB AG betont aber auch: „Wir werden auf dem Transfermarkt nicht mit einem Einmaleffekt arbeiten und überproportional viel Geld in einzelne Spieler stecken. Wir wollen die Mannschaft kontinuierlich aufbauen.“
Dazu wird auch weiterhin gehören, dass begehrte Spieler den Club verlassen. Doch ist der bis zuletzt eher klamme Verein nicht zwingend darauf angewiesen, jedes Angebot anzunehmen. „Der Druck, Spieler aus finanziellen Gründen abgeben zu müssen, ist jetzt kleiner“, sagt Alexander Wehrle, „dennoch werden wir weiter Spieler transferieren, wenn der Marktpreis stimmt und diese Spieler den nächsten Karriereschritt gehen wollen.“ Das kann schon in der am 1. Juli beginnenden aktuellen Transferperiode (bis 1. September) passieren, da der VfB einige interessante Spieler im Kader hat. Zum Beispiel Serhou Guirassy.
Bleibt Serhou Guirassy nun sicher?
Dessen Leihe mündete unlängst zwar in eine feste Verpflichtung (für neun Millionen Euro) und einen Vertrag bis 2025. Bei allzu klammer Kasse, so war zu befürchten, könnte der Franzose aber gleich und mit Gewinn weitertransferiert werden. Nun gibt es andere Parameter, die die Lage verändern würden. „Sollte Serhou nun den Drang verspüren, sich verändern zu wollen und eventuell international zu spielen, dann müssen wir nach einer Lösung schauen“, sagt Wehrle. An den Finanzen scheitert der Plan, Guirassy als offensiven Fixpunkt und Torgaranten weiter im Kader zu haben, jedoch nicht mehr.
Mithilfe der neuen finanziellen Mittel soll das Kommen und Gehen in den nächsten Jahren ohnehin eingeschränkt werden. „Viele kritische Stimmen haben zuletzt angemerkt, dass der VfB mit seiner Personalpolitik eine Import-Export-Strategie verfolgt – weil sehr viele Transfers getätigt wurden“, erklärt Wehrle.
Das allerdings lag auch darin begründet, dass aus wirtschaftlicher Sicht hohe Transferüberschüsse immer wieder zwingend notwendig waren, um den Club finanziell stabil zu halten. Nun betont der AG-Chef: „Wir sollten wieder dazu übergehen, ein Team zu formen, das eine Identität hat und auch Identifikation schafft. Unser Ziel ist es, wichtige Spieler länger zusammenhalten zu können, aber ebenso verstärkt Eigengewächse einzubauen.“ Die Strategie könnte mittelfristig auch ein Sportvorstand mit festlegen. Derzeit bekleidet Wehrle dieses Amt in Personalunion, es gilt aber als sicher, dass der VfB seine Sportstrukturen verändert. In welche Richtung das Boot dann genau steuert?
Transfererlöse zu generieren wird weiter zum Geschäftsmodell des VfB gehören. Ob am Ende der künftigen Transferperioden immer ein Überschuss generiert werden muss, hängt davon ab, ob der Club den neuen Handlungsspielraum nachhaltig nutzt, um sich in der Tabelle wieder weiter nach oben zu schieben. Allein im Ranking der TV-Gelder wirkt sich das teils deutlich aus.