Tanguy Coulibaly (re.) und der VfB Stuttgart müssen in der Relegation gegen den Hamburger SV antreten. Zuletzt trafen sich die Teams zu einem Testspiel im Sommer 2020. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Der VfB Stuttgart trifft in den Relegationsspielen um den Ligaverbleib auf den Hamburger SV. Was zeichnet das Team aus? Was kommt auf den VfB zu? Der HSV im umfangreichen Überblick.

Erst vor einigen Tagen war die ruhmreiche Vergangenheit des Hamburger SV präsent wie schon lange nicht mehr. Gemeinsam mit den Helden vergangener Tage erinnerte man sich in der Hansestadt an den Triumph im Europapokal der Landesmeister vor genau 40 Jahren. Und beinahe hätte es auch in der Gegenwart einen Grund zum Feiern gegeben.

 

Am Sonntagabend sah der HSV nach dem Sieg beim SV Sandhausen lange wie ein Aufsteiger aus, die Rückkehr in die Bundesliga schien endlich geglückt – doch dann erzielte der 1. FC Heidenheim das 3:2 beim SSV Jahn Regensburg. In der neunten Minute der Nachspielzeit. Für die Hamburger war damit klar: Es geht wieder in die Relegation.

Der VfB Stuttgart stand schon seit Samstag als Teilnehmer der Entscheidungsspiele fest – weil der Club seinen Matchball gegen die TSG Hoffenheim nicht verwandelt hat. Statt eines Sieges gab es nur ein 1:1, der VfB rutsche noch auf Rang 16 und spielt nun zum zweiten Mal in der Relegation.

2019 machten die Stuttgarter böse Erfahrungen mit diesen beiden entscheidenden Partien. Nach zwei Unentschieden gegen den 1. FC Union Berlin stieg der VfB ab. Wenn es nun am 1. und 5. Juni (jeweils 20.45 Uhr) wieder um Alles geht, soll es anders laufen. Seit Sonntag ist also ist klar: Es kommt zum traditionsreichen Duell VfB gegen HSV.

Nach fünf Jahren in der zweiten Liga ist das Team der Hamburger jedoch keine Ansammlung von durchweg prominenten Kickern mehr. Wir haben deshalb genauer hingeschaut – und geben einen Überblick über den Relegationsgegner des VfB.

Die jüngste Historie Die Saison 2017/2018 endete mit dem Abstieg des einstigen Bundesliga-Dinos. Seitdem versucht der Club vergeblich, die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen. Dreimal in Folge wurde der HSV Vierter, im vergangenen Jahr dann – wie jetzt auch – Dritter.

Erfahrung in der Relegation Vor dem Abstieg war der Hamburger SV schon zweimal dicht am Abgrund. Sowohl in der Saison 2013/2014 (gegen die SpVgg Greuther Fürth) als auch in der Saison 2014/2015 (gegen den Karlsruher SC) rettete sich der HSV über die Relegation vor der Zweitklassigkeit. Gegen den KSC brauchte es im Rückspiel sogar die Verlängerung. Vor einem Jahr hatten die Hamburger dann die Chance, als Zweitligadritter in die Bundesliga zurückzukehren. Im Hinspiel gewann das Team mit 1:0 bei Hertha BSC, das Rückspiel ging aber 0:2 verloren. Von den Spielern, die vor einem Jahr in der Relegation eingesetzt worden waren, standen am Sonntag im Zweitligafinale in Sandhausen noch acht Spieler auf dem Platz. Dazu kommen Ludovit Reis und Bakery Jatta, die gesperrt fehlten. Beim VfB stand Borna Sosa 2019 schon im Kader. Und Josha Vagnoman, der im vergangenen Sommer nach Stuttgart kam, spielte zuvor noch die Relegation mit dem HSV. Er wurde in beiden Partien eingewechselt.

Die Formkurve Nach der Niederlage in Magdeburg und dem 2:2 gegen den SC Paderborn hat der HSV die Angriffe der Verfolger erfolgreich abgewehrt und seine letzten drei Saisonspiele gewonnen. Allerdings muss das Team nun die Enttäuschung vom letzten Spieltag erst einmal verdauen. Auswärts hat der HSV in dieser Saison einige empfindliche Niederlagen einstecken müssen – etwa in Fürth, in Kaiserslautern, in Karlsruhe oder in Magdeburg.

Der Trainer Tim Walter ist in Stuttgart kein Unbekannter. Nach dem Abstieg 2019 sollte er beim VfB die Mission Wiederaufstieg schaffen. Nach einem halben Jahr musste er aber wieder gehen, es folgte Pellegrino Matarazzo. Walter, der bekannt ist für sein selbstbewusstes und emotionales Auftreten ist, heuerte dann zur Saison 2021/2022 beim HSV an. Der Fußballlehrer (im Lehrgang mit VfB-Frauen-Coach Heiko Gerber und Ex-Kickers-Coach Ramon Gehrmann) ist bekannt für einen teils unorthodoxen Stil, den er mit seinen Mannschaften spielen lässt, auch „Walter-Ball“ genannt. Vor seinem Engagement in Stuttgart war er beim damaligen Zweitligisten Holstein Kiel tätig. Von dort kennen ihn der heutige VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth und Mittelfeldspieler Atakan Karazor.

Die Bilanz In insgesamt 116 Pflichtspielen trafen der VfB und der HSV bislang aufeinander. Die Bilanz ist ausgeglichen, jedes Team siegte 46-mal. In der Bundesliga (104 Spiele) siegte der HSV sechsmal mehr als der VfB, im Pokal waren dagegen stets die Stuttgarter erfolgreich. In der zweiten Liga gewann jeder Club eines der beiden Duelle.

Die letzten Begegnungen In Pflichtspielen trafen der VfB und der HSV zuletzt in der Saison 2019/2020 aufeinander. Das Zweitliga-Vorrundenspiel gewannen die Hamburger 6:2, wenige Tage später revanchierte sich der VfB mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung im DFB-Pokal. Auch das Ligarückspiel war eng und emotional. Die Stuttgarter lagen bereits 0:2 zurück, dann drehten Wataru Endo, Nicolas Gonzalez und Gonzalo Castro die Partie. Im August 2020 traf man sich dann zu einem Testspiel in Kufstein. Der VfB gewann 3:2.

Robert Glatzel ist der Topstürmer des HSV

Der Top-Torjäger 19 Treffer hat Robert Glatzel in dieser Saison erzielt – damit ist er bester Torjäger des HSV und ligaweit auf Rang zwei hinter dem Heidenheimer Tim Kleindienst (25). Glatzel hat von allen Zweitligaprofis die meisten Torschüsse abgegeben (114). Ludovit Reis ist zweitbester Hamburger mit neun Treffern. Die besten Vorlagengeber des HSV sind Jean-Luc Dompé (10) und Laszlo Benes (9).

Die schnellsten Hamburger Der HSV hat auch richtig schnelle Jungs in seinen Reihen. Bakery Jatta war in dieser Saison der schnellste mit einem Topwert von 35,84 Kilometern pro Stunde. Ransford-Yeboah Königsdörffer kommt auf 35,38. Allerdings muss sich der VfB da nicht verstecken – etwa mit Tiago Tomas (35,81) oder Silas Katompa (35,62).

Die Statistik In den Statistiken der zweiten Liga taucht der HSV zweimal an der Spitze auf. Bei den meisten erzielten Toren (70) – die Aufsteiger Darmstadt 98 und der 1. FC Heidenheim kommen auf 50 beziehungsweise 67. Und bei den meisten Flanken aus dem Spiel heraus (463). Jeweils Dritter sind die Hamburger beim Ballbesitz (58 Prozent) und bei den Torschüssen (506). Eher durchschnittlich sind die Laufwerte: Siebter bei der Laufleistung, Neunter bei den Sprints, Zehnter bei den intensiven Läufen.

Die Erfahrung Hier schenken sich die beiden Teams nichts – zumindest, was das Durchschnittsalter im Kader angeht. Bei 30 aufgeführten Profis kommen beide Mannschaften auf ein Durchschnittsalter von 23,6 Jahren.

Sonstiges Der VfB hat eine extrem unruhige Saison hinter sich, Sebastian Hoeneß ist schon der vierte Cheftrainer. Auch beim Hamburger SV gab und gibt es Nebengeräusche. Etwa die Machtkämpfe im Verein oder den Dopingfall Mario Vuskovic. Der Abwehrspieler soll mit Epo gedopt haben, um die Analyse der Proben gab es sogar Streit unter den Anti-Doping-Experten, letztlich wurde er aber gesperrt.