Die Saison in der Fußball-Bundesliga und auch die Relegation sind vorüber. Nun wird beim Umbau der Mercedes-Benz-Arena aufs Tempo gedrückt. Könnte die neue Runde mit einem Heimspiel beginnen?
Vor dem eigentlichen Saisonfinale am 27. Mai war die Hoffnung groß gewesen auf den direkten Klassenverbleib. Bei den Fans des VfB Stuttgart. Aber auch bei Eberhard Becker. Der Architekt ist Geschäftsführender Gesellschafter bei „asp Architekten“, das Unternehmen verantwortet den Umbau der Mercedes-Benz-Arena – der auch ein Zeitspiel ist.
Auf das Heimspiel in der Relegation hätten also sowohl die Architekten als auch der VfB zugunsten einer sicheren Zukunft in der ersten Liga gerne verzichtet. Schließlich mussten die Arbeiten dafür noch einmal unterbrochen werden. Mittlerweile aber ist es vorüber – und dass der VfB nach dem 3:0 im Hinspiel auch das Rückspiel in Hamburg positiv gestaltet hat, ist für alle eine sehr gute Nachricht.
Die Bundesliga startet am 18. August, die zweite Liga dagegen hätte für den VfB schon drei Wochen zuvor am 28. Juli begonnen. „Wir wollen die Sommerpause mit Hochdruck nutzen“, sagt Becker – weshalb das Zweitligaszenario auch aus bautechnischer Sicht das deutlich schlechtere gewesen wäre.
In den vergangenen Monaten hat der neue Unterrang der Haupttribüne bereits Formen angenommen, mittlerweile wurde auch schon damit begonnen, den Bereich zu bestuhlen. Auch viele andere Veränderungen sind nach und nach sichtbar geworden, etwa bei den Aufgängen zu den Tribünen. Alles nach Plan gelaufen ist bisher aber nicht beim Umbau, der nach dem Saisonfinale 2022 begonnen hat und der im Januar 2024 abgeschlossen sein soll.
Fundamente bereiteten Probleme
Erst während der Arbeiten wurde offenbar, dass „viele Fundamente ertüchtigt werden müssen“, erzählt Eberhard Becker. Die Substanz aus dem Jahre 1974 war für den aktuell nötigen Standard nicht mehr uneingeschränkt tauglich. „Das hat einige Zeit gekostet“, sagt der Architekt. Der Zeitplan soll dennoch eingehalten werden.
Nachdem schon in der vergangenen Saison die Flutlichtanlage erneuert und auf LED-Technik umgestellt worden war, werden die technischen Arbeiten nun an der Beschallungsanlage fortgesetzt. Die jetzige Anlage stammt aus dem Jahr 2006 und wurde für die damalige Weltmeisterschaft eingebaut, seitdem aber lediglich angepasst. In der Untertürkheimer Kurve starten diese Arbeiten nun direkt nach dem letzten Heimspiel. Für die Zukunft verspricht Becker „einen guten Sound“.
Ein weiteres wichtiges Ziel für diese Sommerpause: Die Stromversorgung, die für den Umbau nach draußen verlagert worden war, soll wieder in die Haupttribüne integriert werden. Von der rechtzeitigen Fertigstellung dieser Arbeiten „hängt die Spielbereitschaft ab“, verdeutlicht Becker die Wichtigkeit dieser Bauphase. Auch in diesem Bereich würde das Zweitligaszenario mit dem deutlich früheren Saisonstart besonders schmerzen.
Dritter wichtiger Punkt für die kommenden Wochen bis zum Start der neuen Saison: Der Rohbau soll abgeschlossen werden, 70 bis 80 Prozent davon sind bereits erledigt worden. Zur neuen Spielzeit sollen die äußeren Bereiche der Haupttribüne genutzt werden können. Dafür fallen im Oberrang vorübergehend einige Plätze weg, da die Treppen dorthin fertiggestellt werden müssen. Zudem wird der Rohbau nun zügig dort fortgesetzt, wo Kabeltrassen für die Stromversorgung der Flutlichtanlage fertiggestellt werden müssen.
Heimspiel zum Saisonstart?
Der mittlere Teil der neuen Haupttribüne wird zu Beginn der Saison 2023/2024 noch nicht nutzbar sein. Zugänge und Fluchtwege für diesen Bereich führen durch das Innere des neuen Traktes – und der ist eben noch nicht zugänglich.
Auch mit der durch die Relegation entstandenen Verzögerung könnte die neue Saison in der Bundesliga übrigens trotz der zeitkritischen Umbaumaßnahmen mit einem Heimspiel beginnen. Laut Eberhard Becker wäre das sogar die bevorzugte Variante der Planer. Zwar verkürzt das die Zeit für die Bauarbeiten ohne Spielbetrieb um eine Woche, alle weiteren Termine würden dann aber wieder besser zu den Planungen der Architekten passen.
Am 19. oder 20. August könnten dann also wieder Fans in die Arena strömen. Auf neue Sitzplätze – und auch die bestehenden Stehränge. Um die gab es zuletzt Diskussionen, nachdem der VfB veröffentlichte, dass es nun doch keine Erweiterung dieses Bereiches geben werde. In den ersten Planungen war noch über eine Möglichkeit gesprochen worden, rund 2000 neue Steh- anstelle von Sitzplätzen zu errichten.
Der seitliche Bereich des Oberrangs der Cannstatter Kurve wäre eine Möglichkeit gewesen, nach Rücksprache mit dem Fanausschuss des Clubs wurde dann aber der mittige Bereich im Oberrang favorisiert. Dort allerdings, das ergab eine Prüfung, ist das baustatisch nicht möglich. Die an den internen Debatten beteiligten Parteien einigten sich dann darauf, die Erweiterung zu verwerfen – was zuletzt in den Sozialen Medien für Diskussionen sorgte.
Zudem fallen in einem anderen Bereich rund 100 bisherige Sitzplätze für Dauerkarteninhaber weg – zugunsten von mehr Plätzen für Rollstuhlfahrer. Insgesamt stehen künftig 200 Rolli-Plätze zur Verfügung. Auch diese Neuerung ist schon zu Beginn der neuen Saison umgesetzt.