Stein des Anstoßes: Aus Sicht der VfB-Ultras befanden sich beim Heimspiel gegen Dortmund zu viele Einsatzkräfte am Carl-Benz-Center. Foto: 7aktuell.de/Andreas Werner

Nach den Vorkommnissen bei den VfB-Heimspielen gegen Union Berlin und Borussia Dortmund wird gegen Werder Bremen eine Vielzahl von Polizeibeamten rund um die MHP-Arena im Einsatz sein. Gegen einige Fans wurde im Vorfeld ein Aufenthaltsverbot ausgesprochen.

Offiziell will man am Donnerstag im Polizeipräsidium Stuttgart nicht bestätigen, dass die Bundesliga-Partie des VfB Stuttgart gegen Bremen zu einem Hochrisikospiel hochgestuft wurde. Das Gerücht, das in Fankreisen kursiert, wird aber auch nicht dementiert. „Wir sehen eine gewisse Brisanz aufgrund der Vorkommnisse an den letzten beiden Heimspielen“, sagt Polizeisprecher Timo Brenner. Er bestätigt, dass die Stadt auf Antrag der Polizei gegen Personen, die in der Vergangenheit mit gewalttätigen Handlungen aufgefallen seien, Aufenthaltsverbote ausgesprochen habe. Darüber hinaus äußere man sich aber nicht zu polizeitaktischen Maßnahmen. Er kündigt jedoch an, dass „aufgrund der allgemeinen abstrakten Gefährdungslage – wie auch schon bei vergangenen Partien – Polizeibeamte mit besonderer Schutzausrüstung und Bewaffnung sichtbar sein“ werden.

 

Ultras fühlen sich von Polizei provoziert

Die Vorkommnisse, von denen Brenner spricht, ereigneten sich vor den Heimspielen gegen Union und Dortmund. In beiden Fällen fühlten sich Ultra-Gruppierungen durch die Polizei provoziert, da sie von zu vielen Beamten am Carl-Benz-Center, ihrem Treffpunkt, in Empfang genommen worden seien. Es blieb jeweils bei verbalen Anfeindungen und vereinzelten Platzverweisen.

Ein weiterer Kritikpunkt der Ultras Commando Cannstatt, Schwabensturm, Schwaben Kompanie, Crew 36 und der Südbande ist die Kommunikation der Polizei über X, früher Twitter. Sie teilten am Montag mit, dass die „fortschreitende Eskalation zwischen der Polizei und Fußballfans um ein Kapitel reicher“ sei. Konkret gehe es ihnen um „die erneute Fehlinformation“ der Frankfurter Polizei, die zunächst fälschlicherweise vermeldete, dass VfB-Fans beim Auswärtsspiel bei den Hessen in Ausschreitungen involviert waren. Auch vor dem Spiel gegen Dortmund hätte die Polizei über X die Lüge verbreitet, dass Personen bis nach Spielende in Gewahrsam genommen wurden, weil sie einem Platzverweis nicht nachgekommen seien. „Es bleibt der Eindruck, die Polizei nutzt Social Media bewusst taktisch, um die Kommunikationshoheit über Vorfälle zu erhalten. Wahrheitsgehalt zweitrangig“, so die Ultras in dem gemeinsamen Post.

Härteres Durchgreifen wegen EM 2024?

Zum Vorgehen der Frankfurter Kollegen äußert sich Brenner nicht, er betont aber, dass die Stuttgarter Polizei nach dem Grundsatz „Richtigkeit vor Schnelligkeit“ arbeite. Zugleich versucht er den Vorwurf, dass mit Blick auf die Europameisterschaft 2024 derzeit härter durchgegriffen wird, zu entkräften. „Zwischen den polizeilichen Planungen auf die EM und dem Einschreiten bei Bundesliga-Partien besteht kein Zusammenhang.“ Bei Letzteren orientiere sich die Polizei immer an der Verhältnismäßigkeit. Die Einsatzszenarien seien nicht vergleichbar.