Michael (links) und Christian Gentner liefern sich am Samstag ein Familienduell in der Arena in Stuttgart. Foto: Imago/Baumann

Michael Gentner ist seit etwas mehr als einem Jahr hauptverantwortlich für den Wolfsburger Nachwuchs. Sein Bruder Christian ist seit Jahresbeginn Leiter der Stuttgarter Lizenzspielerabteilung. Am Wochenende kommt es zum Wiedersehen.

Wenn am Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg die Klingen am 25. Bundesliga-Spieltag kreuzen, dann ist diese Partie nicht nur wegweisend für die Richtung, in die beide Clubs sich im Saisonendspurt entwickeln. Die ist auch für manche Beteiligte ein Blick in die eigene Vergangenheit. So war Bruno Labbadia einst erst in Stuttgart, später in Wolfsburg erfolgreich tätig. Der heutige VfB-Sportchef Fabian Wohlgemuth war sieben erfolgreiche Jahre lang Chef des Wolfsburger Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), hat unter anderem den heutigen Wölfe-Kapitän Maximilian Arnold mit entwickelt. Noch heute sprechen sie an der Aller in den höchsten Tönen von Labbadia und Wohlgemuth.

 

Ob das bei Michael Gentner irgendwann einmal auch so sein wird, bleibt abzuwarten. Die Basis dafür hat der 40-Jährige längst gelegt. Seit Februar 2022 ist er NLZ-Chef beim VfL Wolfsburg. Sportlich steht man gut da. Nicht minder wichtig ist der Ausbildungsauftrag, der in einem NLZ immer auch priorisiert wird. „Das ist der vielleicht größte Erfolg – wir haben es geschafft, Spieler aus der Akademie fest ins Profitraining zu integrieren und mit Lukas Ambros aus der U19 sogar einen Spieler, der sein Profidebüt feiern können.“ Ähnlich wie bei Stuttgart Thomas Kastanaras und Laurin Ulrich, die beide in der Vorrunde in der Bundesliga debütierten.

Gentners Aufgabengebiet, der beim VfB zuvor 20 Jahre lang in verschiedensten Funktionen im Nachwuchsbereich tätig war, hat sich in Wolfsburg stark verändert. „Mein Aufgabengebiet ist im Vergleich zu VfB-Zeiten noch einmal gewachsen. Neben den sportlichen Themengebieten gehören hier auch viele organisatorische Themen rund um Schule, Infrastruktur oder Fahrdienst zum Aufgabengebiet, welche wir mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen meistern“, beschreibt Gentner.

Attraktive Führungsposition für Michael Gentner

Attraktiv war für ihn nicht nur die Führungsrolle beim VfL, sondern auch die Unterschiedlichkeit der Standorte, mit der völlig verschiedene Aufgabenstellungen einher gehen. Dies bringe „alleine schon die jeweilige Größe mit sich. In Stuttgart bietet das direkte Einzugsgebiet mit rund einer Million Menschen im Ballungsraum ganz andere Möglichkeiten, beispielsweise im Scouting. In Wolfsburg dagegen müssen wir einen größeren Aufwand betreiben um Talente im Umkreis zu sichten.“ Dazu kommt, dass der Wolfsburger Ansatz, auf eine U21 oder U23 gänzlich zu verzichten, andere Schwerpunkte mit sich bringt. So bietet man den Talenten, die es nicht direkt in den Profikader schaffen, Entwicklungschancen bei St. Pölten in Österreich, einem Zweitligisten.

Am Wochenende geht es für Michael Gentner in die alte Heimat. Das Spiel bietet einen guten Rahmen, um seine Familie und insbesondere Bruder Christian wiederzusehen. Der hat nicht nur ebenfalls eine Wolfsburger Vergangenheit (Meister 2009 mit dem VfL, zuvor 2007 mit dem VfB), sondern macht nun seit dem 1. Januar auch erste Schritte im administrativen Bereich. Als Leiter der Lizenzspielerabteilung beim VfB. Offenbar mit ersten Achtungserfolgen.

Kürzlich gab es Lob von Fabian Wohlgemuth für seine Arbeitseinstellung. Beide haben einen großen Fokus auf die Jugend. Immer donnerstags schließen sich Wohlgemuth und Gentner mit NLZ-Chef Thomas Krücken, den Trainern Frank Fahrenhorst (U21) und Nico Willig (U19), sowie Benedikt Kosak (Head of Performance NLZ) kurz, um die Entwicklungsstände der Toptalente abzugleichen und zu entscheiden, wer beispielsweise in der jetzt anstehenden Länderspielpause die Chance auf das Training im Profikader erhält.

Viel Lob für Christian Gentner

Bruno Labbadia weiß ebenfalls nur Gutes zu berichten. Christian Gentner nehme Themen gut auf und wahr, „beobachtet viel und wird dann initiativ, wenn es sein muss“, bilanziert der Cheftrainer. Aus Wolfsburger Perspektive meint der große Bruder, dass Christian sich „in seiner neuen Funktion mit der neuen Aufgabe sehr wohlfühlt und sich gut eingearbeitet hat“ und berichtet von regelmäßigen Telefonaten. „Er befragt mich schon ab und an zu diversen Themen und ich freue mich, dass meine Expertise und Erfahrung gefragt ist“, so Michael Gentner.

So kurz vor dem sportlichen Aufeinandertreffen rücken diese Themen in den Hintergrund. Im Chat der Gentner-Brüder geht es hoch her. Neben Michael und Christian ist dort auch Thomas (Inhaber einer Spielerberatungsagentur) aktiv. „Der Kontakt zu meinen Brüdern war und ist immer noch sehr eng. Natürlich frotzeln wir bereits in unserer Whatsapp-Gruppe, da fliegen vor so einem Spiel die Spitzen hin und her“, gibt Michael Einblick. Geschenke aus Wolfsburg wird es keine geben. „Ich gönne dem VfB natürlich den Klassenerhalt“, sagt Michael Gentner. „Doch wir wollen das internationale Geschäft erreichen und deswegen die drei Punkte aus Stuttgart entführen.“ Was sein Bruder Christian dazu sagt, ist nicht überliefert. Sicher ist nur, dass der alles dafür tun wird, damit die Punkte am Neckar bleiben werden. Schließlich will er auch in der kommenden Saison zum Gegenbesuch nach Wolfsburg fahren können.