Die TSG Balingen hat sich durch den Gewinn des WFV-Pokals für die erste Runde im DFB-Pokal qualifiziert. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart trifft in der ersten Runde des DFB-Pokals auf die TSG Balingen. Wer ist der Kontrahent? Was macht ihn stark? Und was für den VfB so besonders?

Eigentlich hat er mit diesem Spiel ja nur am Rande etwas zu tun. Doch gehörte Nico Willig zu den Ersten, die Eugen Straubinger am Sonntagabend anrief – als feststand, dass die TSG Balingen in der ersten Runde des DFB-Pokals den VfB Stuttgart empfangen wird.

 

Nun ist Nico Willig nicht bei der TSG aktiv – und beim VfB ist er Trainer der A-Junioren, nicht der Bundesligamannschaft. Und doch verbindet er die beiden Welten, die da nun aufeinanderprallen, perfekt. Bei der TSG war er einst Spieler, Nachwuchstrainer und Chefcoach, noch immer lebt der heute 42-Jährige in Balingen. Seit Anfang 2016 ist er aber im Nachwuchsbereich beim VfB Stuttgart tätig. „Mit viel Freude“ hat er am Sonntag die Auslosung verfolgt. Und Eugen Straubinger, so schätzt Nico Willig, wollte wohl seine eigene Freude mit dem alten Weggefährten teilen.

Straubinger ist der erste TSG-Vorsitzende, gemeinsam mit seinem Stellvertreter Fabian Kurth, dem Finanzvorstand Roland Schmid und dem Geschäftsführer Jonathan Annel hat er die Auslosung vor Ort in Dortmund verfolgt. Bereits zuvor hatte das Quartett vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine erste Einführung bekommen, was es heißt, als Amateurverein im DFB-Pokal mitzuspielen.

Amateurverein? Ja, so sehen sie sich bei der TSG – obwohl die erste Mannschaft der Balinger seit 2018 in einer Spielklasse antritt, in der viele andere Clubs bereits unter Profibedingungen arbeiten. Um in dieser viertklassigen Regionalliga zu bestehen, „versuchen wir immer, aus unseren Möglichkeiten das Maximale herauszuholen“, erklärt der Geschäftsführer Annel (er folgt dem scheidenden Jan Lindenmair), dessen Club sich entsprechend folgendes Label gegeben hat: „Wir sind der professionellste Amateurverein in Baden-Württemberg.“ Der nun einige Fragen zu klären hat.

Die TSG Balingen spielt normalerweise vor 800 Zuschauern

Wann genau zwischen dem 11. und 14. August wird gegen den VfB Stuttgart gespielt? Ab wann wird es Tickets geben? Und vor allem: Wo treffen sich die beiden ungleichen Clubs überhaupt? Die Balinger spielen im Schnitt vor 800 Zuschauern, der VfB vor fast 50 000.

Bis Ende der Woche wird zwar auch geprüft, ob es in der heimischen Bizerba-Arena (8000 Plätze, davon 600 überdachte Sitzplätze) möglich wäre, die Pokalpartie auszutragen. Wahrscheinlicher ist ein Ausweichen in ein Stadion, das derartige Anforderungen schon einmal erfüllt hat. Reutlingen ist ein Thema, auch das Gazistadion auf der Waldau.

Die erste Runde in Stuttgart? Das würde für zahlreiche Spieler aus dem Balinger Kader eine Rückkehr bedeuten. Gleich elf Akteure, die auch in der kommenden Saison im TSG-Aufgebot stehen werden, haben eine Vergangenheit beim VfB oder bei den Kickers. Zum Beispiel Stürmer Jan Ferdinand oder Mittelfeldspieler Leander Vochatzer. „Für sie“, glaubt Martin Braun, „ist es natürlich ein ganz besonderes Spiel.“ Doch gilt das ja ohnehin. Für den Trainer der Balinger, der schon Sportlicher Leiter bei den Kickers war, und seine Jungs dreimal wöchentlich auf den Trainingsplatz bittet – und das gesamte Umfeld der TSG.

„Die Region ist sehr VfB-geprägt“, weiß Nico Willig. Auch bei der TSG gebe es viele Fans des Stuttgarter Bundesligisten. Von einem Wunsch- oder Traumlos reden sie daher in Balingen. Erstmals hat sich der Club den WFV-Pokal gesichert (im Elfmeterschießen gegen die Stuttgarter Kickers) und sich so für den DFB-Pokal qualifiziert – und gleich Losglück gehabt. „Dieses Spiel“, sagt Martin Braun, „wird die Motivation in der Vorbereitung sicher noch einmal steigern.“

Das TSG-Team für die neue Saison steht

Das Ziel für das Aufeinandertreffen mit dem Bundesligisten ist schon jetzt klar. „Wir wollen dem VfB die Aufgabe so schwer wie möglich machen“, sagt Braun, der die Stuttgarter mit Blick auf die vergangenen Wochen als „sportlich schweres Los“ bezeichnet. Brauns Team für die neue Runde steht, Laurin Curda (zum Zweitligisten SC Paderborn) und Jonas Fritschi (Auslandsaufenthalt) haben die TSG verlassen. Dennoch glaubt Nico Willig, dass die Balinger das Zeug haben, ihr Ziel zu erreichen – also den großen VfB ein wenig zu ärgern.

„Die TSG mag es, wenn der Gegner auf dem Papier besser ist“, sagt der VfB-Nachwuchscoach über die Mannschaft, die in der vergangenen Saison Platz sechs in der Regionalliga belegt hat, „die Spieler sind da sehr stressresistent.“ Das hat auch der VfB II schon feststellen dürfen. Von den acht Regionalligapartien seit Sommer 2018 hat der Bundesliganachwuchs aus Stuttgart nur zwei gewonnen.

„Wir wissen, dass ein ambitionierter Gegner auf uns wartet“, sagt Fabian Wohlgemuth, der VfB-Sportdirektor, voller Respekt über die TSG – in deren Umfeld aber wohl einige ein besonderes Problem haben werden: Für wen sie als Balinger VfB-Fans eigentlich die Daumen drücken sollen.