Der VfB Stuttgart muss wochenlang auf seinen besten Stürmer verzichten. Was bedeutet sein Ausfall für die ohnehin lahmende VfB-Offensive? Da gibt es mehrere Möglichkeiten.
Die Worte auf dem Instagram-Kanal von Serhou Guirassy hören sich nicht unbedingt nach einem Abschied von längerer Dauer an. Im Gegenteil. „Danke euch allen für eure Unterstützung. Bis bald.“ Das klingt nach: Spätestens nächste Woche sehen wir uns wieder. Doch aus dem schnellen Wiedersehen wird nichts. Wenn der VfB Stuttgart am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim SC Freiburg antritt, ist der derzeit wohl wichtigste Spieler nicht mit dabei.
Serhou Guirassy, das teilte der Club am Montag mit, wird dem Team „in den kommenden Wochen“ nicht zur Verfügung stehen. Diagnose: Sehnenriss im Adduktorenbereich, zugezogen am Sonntagnachmittag im Heimspiel gegen Werder Bremen (0:2).
Wie lange genau der in Frankreich geborene Stürmer ausfällt, ist offen. Klar ist: Von den sechs Bundesligaspielen, die bis zur Länderspielpause (ab dem 20. März) auf dem Programm stehen, wird Guirassy wenige oder vielleicht sogar keines bestreiten können. Viel schlimmer hätte es für den VfB Stuttgart aktuell kaum kommen können.
Fabian Wohlgemuth: „Keine gute Botschaft“
„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass uns mit dem Ausfall von Serhou Guirassy die wirkungsvollste Kraft in unserer Offensive bis auf Weiteres nicht zur Verfügung steht“, sagt Fabian Wohlgemuth, der Sportdirektor des VfB, „das ist in einer Phase, in der es für uns vor allem um Ergebnisse geht, keine gute Botschaft.“ 22 Treffer hat die Mannschaft in 19 Partien dieser Bundesligasaison bislang erzielt. In 13 dieser Spiele kam Serhou Guirassy zum Einsatz, sechs Tore machte er dabei, dazu kommen zwei im DFB-Pokal. Aber nicht nur dieser Treffer wegen bezeichnen sie den 26-Jährigen beim VfB derzeit als Schlüsselspieler.
Der Stürmer, der vom französischen Erstligisten Stade Rennes ausgeliehen wurde, ist der Zielspieler fast jeden Angriffs. Kommt er nicht selbst zum Abschluss, hält er den Ball oder zieht ein Foul. Und befindet sich der Gegner im Spielaufbau, ist Guirassy der Fixpunkt der Anlaufbewegung. Was fehlt, wenn er nicht mehr auf dem Platz steht, zeigte sich am Sonntag gegen Werder Bremen.
„Nach der Auswechslung von Serhou haben wir nicht mehr ganz das gemacht, was wir uns vorgenommen haben“, klagte der Trainer Bruno Labbadia und sprach von einem „Bruch“ im Spiel des VfB. Wohlgemuth listete danach die fehlenden Punkte in der Stuttgarter Offensive auf: „Das letzte Zuspiel, der entschlossene Abschluss, der Killerinstinkt.“ Nicht alles konnte Serhou Guirassy zwar zu jeder Zeit verkörpern, ohne ihn fehlen diese Elemente aber umso mehr. Was Fragen für die nächsten Wochen aufwirft.
Luca Pfeiffer war zuletzt nicht in Topform
Die erste: Wer kann den besten VfB-Stürmer dieser Saison dauerhaft ersetzen?
„Für uns heißt es jetzt, die Aufgaben im Sturm – soweit das möglich ist – umzuverteilen“, sagt Wohlgemuth und betont: „Für andere Spieler besteht jetzt die Chance, die entstandene Lücke zu füllen und in die Verantwortung gehen.“ Neuverpflichtungen sind selbst bei aktuell vereinslosen Spielern nicht mehr möglich. Erste Alternative war und ist daher Luca Pfeiffer.
Der ebenfalls 26-Jährige spielte, als Guirassy kürzlich in Leipzig wegen Magenproblemen passen musste. Und er kam auch am Sonntag für den verletzten Kollegen in die Partie. Pfeiffer und Guirassy sind ähnliche Spielertypen, mit derzeit aber höchst unterschiedlicher Wirkung. Luca Pfeiffer hatte, nachdem er recht ordentlich in die Saison gestartet war, zuletzt eher Probleme, Dynamik, Wucht, Selbstsicherheit und Torgefahr auszustrahlen. Was für Fabian Wohlgemuth aber nicht allein am Angreifer liegt.
„Wir müssen schauen, wie wir Luca anders einsetzen“, sagt der Sportdirektor, schränkt aber mit Blick auf die Partie gegen den SV Werder ein: „Die Bindung zum Spiel hätte besser sein können.“ Zudem vergab der letztjährige Zweitliga-Stürmer (17 Tore) eine Riesenchance direkt vor der Pause. Verbessern kann die Zulieferung auf ihn womöglich Borna Sosa. Der Kroate feierte am Sonntag sein Comeback – unter dem Jubel der Fans und mit Flanken. „Luca ist ein kopfballstarker Spieler“, sagt Wohlgemuth, „da kann das ein Mittel sein.“ Ist es das einzige?
Silas Katompa trainiert wieder
Bruno Labbadia setzt bislang klar auf sein 4-3-3-System und darauf, dass durch stete Wiederholungen endlich Automatismen greifen. Diese Grundordnung erfordert die Präsenz eines starken zentralen Stürmers. Alle Hoffnung auf Luca Pfeiffer und einen Formanstieg beim Ex-Darmstädter zu legen wird aber nicht funktionieren. Die neue Situation verlangt also auch vom Trainer – zumindest phasenweise – eine Anpassung. Zumal kreative Momente aus dem Mittelfeld heraus zuletzt ebenfalls zur Mangelware zählten.
Silas Katompa, Juan Perea, Tiago Tomas, Alou Kuol und Thomas Kastanaras heißen die weiteren Stürmer im VfB-Kader. In Enzo Millot, Gil Dias und Lilian Egloff gibt es im Mittelfeld offensive Optionen. Tomas fällt noch verletzt aus, Kastanaras und Perea kamen zuletzt auf den Außen zum Einsatz – ebenso wie Silas Katompa. Dessen Bluterguss an der Wade ist abgeklungen, die juristischen Angelegenheiten sind abgeschlossen, am Montagvormittag gab er im Training sein Comeback. Und sorgte für ein bisschen Aufhellung an einem tristen Tag.