Der VfB Stuttgart hat sicher nicht die spielstärkste Mannschaft der Liga. In Sachen Teamgeist macht dem VfB aber so schnell niemand etwas vor. Woher kommt dieser Zusammenhalt? Sven Mislintat gibt Einblicke.
Stuttgart - Wer je einem Spieltag der F-Jugend beigewohnt hat, der weiß, dass es sich bei Teamgeist um ein zartes Pflänzchen handelt. Da wird gezetert, geschimpft und geneidet. Ein Fehler des Mitspielers dient häufig nicht als Ansporn, ihn auszubügeln, sondern mündet gern in ein teaminternes Hauen und Stechen.
Elf Freunde müsst ihr sein? Bis dahin ist es ein langer Weg. Fußballer zu teamfähigen Gruppenmitgliedern zu entwickeln, fordert viel Geduld und Empathie. Idealerweise findet sich spätestens im Erwachsenenalter dann aber ein Gefüge, das den Namen Mannschaft auch verdient. Aktuell gibt der VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga ein gutes Lehrbeispiel für Teamgeist, Zusammenhalt und Charakterstärke. Einer für alle – alle für einen!
Was Sven Mislintat stolz macht
„Wenn mich einer fragt, was mich an unserer Mannschaft besonders stolz macht, dann genau das“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat im Anschluss an das jüngste 1:1 bei Borussia Mönchengladbach. Am Niederrhein demonstrierte die Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo, wie man Widrigkeiten trotzt und einem spielerisch überlegenen Gegner die Stirn bietet. Permanent feuerten sich die Spieler in ihren roten Trikots gegenseitig an. Nach individuellen Fehlern – davon gab es einige – war meist ein Mitspieler zur Stelle, um Schlimmeres zu verhindern. Als Konstantinos Mavropanos einen Schuss aufs Tor im letzten Moment blockte, wurde er von seinen Kollegen noch mehr gefeiert als für sein Tor. Und Ersatztorhüter Fabian Bredlow wurde in seinem ersten Saisonspiel für jede gelungene Aktion geherzt; fast so, als hätte er soeben einen Elfmeter gehalten.
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„Das ist ’ne richtige Mannschaft, mit richtig guten Kerlen“, urteilt der Sportchef. „Mit dem multikulturellen Background, der auch zu Bad Cannstatt und zum VfB passt, leben sie vor, wie Gemeinschaft funktionieren kann.“ Auf die Frage nach den Gründen für den starken Zusammenhalt liefert Mislintat zwei Ansätze. Zum Einen sei Teamgeist beim VfB in der jüngeren Vergangenheit nie bloß eine hohle Phrase gewesen, sondern schon länger gelebt worden. Seinen Ursprung habe er in den schwierigen Phasen des letzten Zweitligajahres. „Da ist einiges zusammengewachsen“, erklärt Mislintat. Zumindest Teile der Mannschaft seien heute noch da und hätten den Spirit bis in die Gegenwart konserviert.
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Wo er jetzt wieder – Punkt zwei – zum Tragen komme. In einer Phase, „in der wir uns alles hart erarbeiten müssen“, wie Mislintat feststellt. „Es ist ja nicht so, dass wir seit Saisonbeginn einen Flow haben und alles so weiterläuft wie im vergangenen Jahr“.
Tatsächlich hat der VfB zuletzt über Zusammenhalt und Geschlossenheit ins Spiel und damit auch in die Saison gefunden. Nach dem mühsamen 0:0 in Bochum und dem hart erkämpften 3:1 gegen die TSG Hoffenheim folgte in Mönchengladbach dank einer starken Mannschaftsleistung das nächste Erfolgserlebnis. Die vielen Verletzungen und Coronafälle haben das Team noch näher zusammenrücken lassen. „Zusammenhalt ist immer der entscheidende Faktor, um erfolgreich zu sein“, ergänzt Matarazzo. „Mit elf Einzelspielern ist man nie schlagkräftig genug, um in der Bundesliga zu bestehen.“ Zweimal lieferte der Club aus Cannstatt zuletzt selbst den Beleg dafür, als sich aus einer Fülle guter Einzelspieler keine Einheit formte und der Club am Ende abstieg.
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Dass es aktuell besser um die Stimmung am Cannstatter Wasen bestellt ist und die Spieler abseits des Platzes auch gemeinsame Unternehmungen starten, gilt vor allem als Verdienst von Pellegrino Matarazzo. Mit seiner ausgleichenden, aber dennoch bestimmten Art hält der US-Amerikaner die Jungs bei Laune – auch jene, die regelmäßig auf der Bank sitzen oder angesichts der Größe des Kaders gar mit einem Platz auf der Tribüne vorliebnehmen müssen. „Das Trainerteam lebt Ehrlichkeit, Transparenz und den Leistungsgedanken vor“, sagt Mislintat. „Das ist der Schlüssel zu allem.“
Letztlich müssen auch alle ihr Ego haben
So erfreulich sich die Mannschaft nach außen präsentiert: Die gute Atmosphäre darf nicht in eine Wohlfühloase für alle münden. Kuschelig soll es auf keinen Fall zugehen, wenn der Leistungsgedanke hochgehalten werden will. „Letztlich müssen alle auch ihr Ego haben“, sagt Mislintat. Unabdingbar sei es, dass jeder spielen, jeder gewinnen und jeder einen Platz im Kader beanspruchen wolle. Das Entscheidende dabei sei, findet der Sportchef, „dass sich jeder in die Gruppe einbringt“. Und vor allem: „Dass sich keiner zu wichtig nimmt.“
In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal auf die besten Momente des Spiels in Mönchengladbach zurück. Viel Spaß beim Durchklicken!