Der VfB Stuttgart darf sich über die Teilnahme an der Relegation nicht beschweren, sondern muss nun vollends liefern, kommentiert unser Autor Dirk Preiß. Danach wartet eine weitere Pflichtaufgabe.
Sollte die Redewendung, wonach jeder bekommt, was er verdient, stimmen – dann ist der VfB Stuttgart mit der Chance, in den Relegationsspielen noch um den Klassenverbleib zu kämpfen, gar nicht so schlecht weggekommen. Denn am Ende einer insgesamt verkorksten Saison gab es zwar die große Chance auf die direkte Rettung. Davon ausgehen, dass plötzlich alles klappt, was man in den Monaten zuvor verbockt hatte, wäre aber auch ein grober Fehler gewesen. Ein weiterer.
Denn Sebastian Hoeneß hat es ganz gut beschrieben nach dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim, das aufgrund des Sieges des VfL Bochum Platz 16 nach 34 Spieltagen bedeutete. Als er selbst Anfang April das VfB-Team auf Platz 18 übernommen hat, wären viele Menschen im und um den Brustring-Club froh gewesen über diese Option der zwei Entscheidungsspiele.
Zahlreiche Fehleinschätzungen, taktische Spielchen aus persönlichen Motiven, wenig Zusammenhalt in den Vereinsgremien und sportliche Schwächen hatten den VfB am Ende der im Rückblick völlig unnötigen Ära Bruno Labbadia (sechs Punkte aus elf Spielen) an den Abgrund geführt. All das muss aufgearbeitet werden. Schonungslos. Ohne persönliche Befindlichkeiten. Ehrlich. Und allein im Sinne des Clubs und dessen Zukunft. Allerdings: Erst nach dem 5. Juni.
Die Mannschaft muss es richten
Dann ist das zweite Relegationsspiel in Hamburg oder Heidenheim gespielt. Bis dahin müssen sich alle Beteiligten mit Haut und Haaren diesem – physischen wie psychischen – Kraftakt verschreiben, der nun ansteht. Auch hier hat Hoeneß das richtige Signal gesendet, als er kurz nach dem Abpfiff der Partie gegen die TSG Hoffenheim direkt den Weg zu den Fans und den nochmaligen Schulterschluss suchte.
Andererseits gilt auch: Bei allem Einfordern von Solidarität und Unterstützung – es ist zuvorderst die Mannschaft, die nun noch einmal liefern und die letzten beiden Schritte gehen muss. Die die beiden Entscheidungsspiele als Chance, nicht als Strafe sehen muss. Künftige Wechselmöglichkeiten, Vertragssituationen, kleinere Wehwehchen, mögliche Unruhe – all das darf nicht als Ausrede dienen. Das Team hat ohne Wenn und Aber die Qualität, sich gegen den Dritten der zweiten Liga durchzusetzen. Ein Selbstläufer, das sollte nach dieser Saison jeder wissen, wird die Relegation aber ganz sicher nicht.