2019 stieg Christian Gentner (rechts) mit dem VfB Stuttgart in der Relegation gegen Union Berlin aus der Bundesliga ab. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Vor dem Spiel des VfB Stuttgart bei Union Berlin spricht der langjährige VfB-Kapitän über die Unterschiede seiner beiden Ex-Vereine – und über eine mögliche Zukunft in Stuttgart.

Die Trainingsklamotten hat Christian Gentner schon an, als er sich aus der Schweiz zum Videogespräch meldet. Direkt im Anschluss steht beim FC Luzern eine Nachmittagseinheit vor dem Kellerduell in der Super League gegen die Grasshoppers Zürich an. Davor hat er aber noch eine halbe Stunde Zeit, um zurück- und vorauszublicken. Auf seine Zeit beim VfB Stuttgart und bei Union Berlin, das Duell seiner beiden Ex-Vereine in der Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) – und seine weiteren Karrierepläne. Christian Gentner über . . .

 

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. . . seine Kontakte nach Stuttgart: Natürlich gibt es die noch. Zeugwart Michael Meusch und Teammanager Günther Schäfer kenne ich schon seit Jahrzehnten, ebenso die medizinische Abteilung. Auch mit Daniel Didavi bin ich immer mal wieder im Austausch. Neulich habe ich auch eine Weile mit dem Pressesprecher Tobias Herwerth telefoniert, um auf den aktuellen Stand zu kommen. Ins Stadion habe ich es in dieser Saison einmal geschafft, beim 2:2 gegen Hertha BSC.

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. . . seinen Wechsel vom VfB zu Union 2019: Ich fand es nicht ideal, dass der VfB damals erst nach Saisonende mitgeteilt hat, meinen Vertrag nicht zu verlängern. Die Entscheidung an sich war aber nachvollziehbar, da ist also gar nichts zurückgeblieben. Vielleicht war es für den einen oder anderen dann auf den ersten Blick komisch, gerade zu dem Verein zu wechseln, gegen den der VfB in der Relegation abgestiegen ist. Aber der Anruf von Union kam erst einige Wochen nach der Entscheidung des VfB. Und die Option hätte sich ja gar nicht aufgetan, wenn es beim VfB weitergegangen wäre.

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. . . das unterschiedliche Umfeld beim VfB und Union: Bei Union versteht man sich immer noch stark als Neuling, was sie nach drei Jahren in der Bundesliga im Vergleich zu vielen anderen Vereinen ja irgendwie auch sind. Und so wird da jedes Wochenende angegangen. Jedes einzelne Bundesliga-Spiel ist ein Geschenk, es herrscht eine riesige Energie. Beim VfB war das eine andere Situation: Da haben die Erfolge der Vergangenheit zu einer Erwartungshaltung geführt, die nicht immer förderlich war.

Ich beobachte derzeit aber einen Schulterschluss zwischen der Mannschaft und den Fans. Und dass trotz der Negativserie am Trainer festgehalten wurde, halte ich für die richtige Entscheidung. Man sieht doch gerade bei Union Berlin, dass personelle Konstanz stabilisierend wirkt. Da machen Urs Fischer als Trainer und Oliver Ruhnert als Geschäftsführer seit Jahren einen super Job.

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. . . das Duell am Samstag: Union bringt eine Körperlichkeit und Wucht auf den Platz, wie ich sie in meiner Karriere bei nicht vielen Teams gesehen habe. Da muss der VfB erst mal dagegenhalten. Dazu sind die Berliner Standards eine Waffe, die werden da jede Woche trainiert und sind fester Bestandteil des Abschlusstrainings. Aber der VfB ist im Aufwind und hat kaum noch Ausfälle. Man darf die Bedeutung eines Sieges wie gegen Gladbach nach einer langen Negativserie nicht unterschätzen, das kann vor allem bei einem jungen Team wie dem VfB viele Blockaden im Kopf lösen. Ich rechne mit einem total offenen Spiel.

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. . . den Abstiegskampf in der Bundesliga: Ich sehe den VfB mit einer besseren Energie unterwegs als die direkte Konkurrenz. Sie haben viel Spielfreude und Mut nach vorne. Und es stehen noch mehrere direkte Duelle aus, in denen sie das Ganze in ihre Richtung biegen können. Ob es mit dem direkten Klassenverbleib klappt oder über die Relegation geht, ist wirklich schwer zu sagen, weil alles extrem eng ist da unten. Aber ich bin mir sicher, dass der VfB in der Liga bleibt.

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. . . die Saison in der Schweizer Super League: Wir sind nicht zufrieden, dass wir mit Luzern auf dem Relegationsrang festhängen. Der direkte Klassenverbleib ist aber schon noch ein Ziel, wir wollen am Sonntag gegen die Grasshoppers den Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz unbedingt auf fünf Punkte verkürzen. Insgesamt muss man sagen, dass die Super League eine Ausbildungsliga ist, die ein Sprungbrett für talentierte Spieler bildet.

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. . . seine weiteren Karrierepläne: Mein Körper gibt mir gute Signale. Ich fühle mich gesund und fit, jedes Wochenende über 90 Minuten zu gehen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass ich über den Sommer hinaus noch weiterspiele. Wir werden uns mit den Verantwortlichen in Luzern dazu demnächst mal unterhalten. Ein Auslandsabenteuer wie Australien oder die USA will ich zwar nicht ausschließen – es ist aber wahrscheinlicher, dass ich meine Karriere in Luzern beende.

. . . eine mögliche Rückkehr zum VfB: Der VfB hat einen großen Teil meiner Karriere geprägt und bleibt mein Verein, er war und ist deshalb immer im Hinterkopf. Letztlich kommt es aber auf die handelnden Personen an, ob die Konstellation passt und auch der Zeitpunkt – schließlich spiele ich aktuell immer noch. In den vergangenen Monaten gab es dahingehend keinen Austausch. Ob es für mich später mal als Trainer oder Manager weitergeht, ist ohnehin noch völlig offen.