Ein Großaufgebot der Polizei war am Mittwochabend in Klosterreichenbach in einem Wohngebiet im Einsatz. Derzeit ist noch unklar, was genau passiert ist. Doch es ist schon der zweite Vorfall in der Nachbarschaft. Die Anwohner sind verunsichert.
„Was muss eigentlich hier noch passieren, bevor jemand einschreitet, braucht es erst einen Toten?“, schreibt eine Leserin in einer verzweifelten E-Mail an unsere Redaktion. Sie wohnt in Klosterreichenbach, nahe einem Mehrfamilienhaus in der Röter Straße. Es ist dieses Haus, das in den vergangenen Wochen gleich mehrmals im Fokus von größeren Polizeieinsätzen stand.
„Ich habe plötzlich Schreie auf der Straße gehört“, berichtet die Leserin unserer Redaktion am Telefon über das, was sie am Mittwochabend erlebt hat. Sie habe dann aus dem Fenster geschaut. „Da waren schon zwei Polizeiautos da. Und dann kamen noch mal zwei Fahrzeuge.“
Gerufen hatte die Polizei eine Nachbarin. Auch sie war bereit, mit unserer Redaktion zu sprechen. Sie berichtet, dass eine kroatische Familie am Abend aus dem Mehrfamilienhaus geflohen sei – „der Sohn der Familie mit der Mutter und dem Baby“, erzählt die Anwohnerin. „Die haben furchtbare Angst gehabt.“
Die Familie hätte sich zu ihr ins Haus geflüchtet, weil in der Nachbarwohnung, in der eine ukrainische Familie lebe, ein Ehestreit eskaliert sei. Der Ehemann habe seine Frau mit dem Messer angegriffen, so die Anwohnerin. Sie habe daher die Polizei gerufen.
Gezogene Pistolen
Die Polizei sei dann schnell vor Ort gewesen. Die Beamten hätten Helme und Schutzwesten getragen. Und nicht nur das: „Die standen mit gezogenen Pistolen da“, erzählt die Nachbarin. „Die haben uns gesagt, es darf niemand mehr aus dem Haus raus. Wir müssten rein.“
Die kroatische Familie habe daher bei ihr übernachtet, berichtet die Anwohnerin. Später hat dann die Anwohnerin beobachtet, wie die Polizisten einen Mann mit vorgehaltener Waffe auf den Boden zwangen.
Doch was genau ist nun eigentlich passiert? Unsere Redaktion hat bei der Polizei nachgefragt. Deren Schilderung fällt etwas weniger dramatisch aus, lässt aber viele Fragen offen. So sei am Mittwochabend gegen 21 Uhr eine mögliche Körperverletzung gemeldet worden. In der Nähe des vermeintlichen Tatorts seien laut dem Notruf zwei Männer gesichtet worden, die ein Messer bei sich gehabt hätten.
Die Polizei rückte laut dem Sprecher mit vier oder fünf Streifenwagen und acht bis zehn Beamten an. Auch ein Rettungswagen war im Einsatz. Der Sprecher bestätigt, dass die Polizisten eine spezielle Schutzausrüstung angelegt hätten.
Vor Ort habe die Polizei das Paar angetroffen, die Frau sei aber unverletzt gewesen. „Sie machte keine Angaben, dass sie Opfer einer Straftat wurde“, erklärt der Polizeisprecher. Auch seien mehrere Personen kontrolliert worden. Ein Messer sei dabei aber nicht gefunden worden. Was genau vorgefallen ist, hätten die Beamten nicht klären können – auch wegen der Sprachbarriere zwischen den Polizisten und den Beteiligten.
Doch es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei wegen einem Vorfall in dem Mehrfamilienhaus anrücken musste. Denn laut Polizei wurde in der vergangenen Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag noch vor zwei Uhr am Morgen eine körperliche Auseinandersetzung zwischen einer russischen und einer ukrainischen Familie gemeldet.
Ermittlungen dauern an
Die Polizei rückte mit drei Streifenwagen an. Ganz zutreffend war die erste Schilderung des Vorfalls aber nicht. Denn vor Ort habe sich herausgestellt, dass eine der Familien einen kroatischen Migrationshintergrund habe, die andere einen ukrainischen.
Das passt wiederum zu den Berichten der Anwohnerin über die verängstigte kroatische Familie. Weshalb beide Familien aneinandergeraten seien, konnten aber weder Polizei noch Anwohner beantworten. Die Polizei hat bei den Beteiligten leichte Verletzungen wie Schürfungen und Prellungen festgestellt. Die Ermittlungen dauerten derzeit noch an.
Die Verunsicherung bei den Anwohnern ist groß. Sogar ihre Mieter würden schon überlegen, zu kündigen, berichtet die Anwohnerin. „Weil das ist eine Gefahr für Leib und Leben.“ Die Polizei erklärt daher, sie befinde sich in enger Absprache mit der Gemeinde Baiersbronn und dem Ordnungsamt. Auch eine Gefährderansprache sei bereits erfolgt.