Der Verkehrsverbund naldo verzeichnet zwar mehr Fahrgäste, doch diese spülen nicht mehr Geld in die Kasse. Foto: Daniel Begemann

Christoph Heneka, Geschäftsführer des größten Verkehrsverbunds im Land, berichtet im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik.

Trotz einer Zunahme der Fahrgastzahlen um 23 Prozent verzeichnet der Verkehrsverbund naldo nur zwei Prozent mehr Einnahmen. Das liege, so naldo-Geschäftsführer Christoph Heneka im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik, nicht an den Fahrgeldeinnahmen, sondern allein an den Subventionen durch Land und Bund. „Wir können froh sein, dass das Geld da ist“, sagte er, „aber wir wissen nicht, wie lange es noch da ist.“

 

Um 39 Prozent zugenommen habe der Ausbildungsverkehr, hingegen sei der Schülerverkehr um acht, der Berufsverkehr um zehn Prozent zurückgegangen. Den stärksten Zuwachs gebe es mit einem Plus von 200 Prozent im Gelegenheitsverkehr.

30 000 junge Leute mit dem Jugendticket unterwegs

Von den Verkehrsverbunden im Land, resümierte Heneka, sei naldo der größte – er decke die gesamte Region von Stuttgart bis an den Bodensee ab, habe „lange Grenzen“. Als er vom Zollernalbkreis zu naldo gewechselt und die Geschäftsführung übernommen habe, habe es einen wahren „Tarifdschungel“ gegeben. „Inzwischen haben wir unsere Hausaufgaben weitgehend gemacht“, sagte der naldo-Chef.

Mit dem landesweiten Jugendtickt sei es gelungen, die Schüler an den öffentlichen Personennahverkehr heranzuführen: Auch am Wochenende könnten sie das Ticket landesweit nutzen, „es ist ein echter Bringer“. Rund 30 000 junge Menschen seien mit dem Ticket unterwegs, das zu 70 Prozent vom Land, zu 30 Prozent von den Landkreisen finanziert werde.

Deutschland-Ticket und Jobticket sind ein „Bringer“

Ein „Bringer“ sei auch das Deutschland-Ticket für 49 Euro, das von 60 000 bis 70 000 Berufspendlern genutzt werde. 130 Unternehmen würden mittlerweile ihren Mitarbeitern ein „Jobticket“ bezuschussen, „dann kostet es nur noch 35 Euro“.

Gut angenommen werde auch CiCoBW, das seit Juli ein „Check in – Check out“ per Handy-App ermögliche: „In der App einmal nach rechts wischen – und man hat einen gültigen Fahrschein“, sagte Heneka. Mit der „Best Price-Option“, sprich, die App sucht die günstigste Verbindung heraus. Deutschlandweit anerkannt seien auch die Chipkarten, die neu eingeführt worden seien.

Gleichzeitig weiß der naldo-Chef, dass zwar vieles, aber längst nicht alles im ÖPNV gut funktioniert: „Wie wir heute aus dem Zollernalbkreis nach Stuttgart kommen, ist ’ne Schande“, sagte er und verwies auf Verspätungen, Umleitungen und Schienenersatzverkehr: „Da bekommen wir viele Anrufe, nicht nur von Fans.“ Kein Wunder, dass manch einer das eigene Auto vorziehen würde.

Deutliche Signale aus Stuttgart

Freilich, ein ÖPNV-Angebot im ländlichen Raum aufzustellen, sei wesentlich schwieriger als in Stuttgart oder Tübingen. Und: Das im Haushaltsplan vorgesehene Geld für den ÖPNV werde dringend benötigt.

Was die Zukunft der Verkehrsverbunde angeht? Es gebe deutliche Signale aus Stuttgart, „dass wir weniger werden sollen“, antwortete Heneka auf die Frage von CDU-Kreisrat Helmut Barth. Einen „nächsten Schritt“ in diese Richtung werde es wohl im Januar geben.