Das Ziel ist klar: weniger Durchgangsverkehr von Autos – dennoch sollen alle Geschäfte erreichbar sein. Die Bürger sollen bei dem Projekt mitsprechen dürfen.
OB Erik Pauly breitet einen Plan auf dem Tisch aus. Die Donaueschinger Innenstadt. Geteilt in zwei Teile, farblich markiert in hellblau und hellrosa.
Die Farbwahl hat wenig zu bedeuten. Rot und grün waren allerdings keine so gute Idee. Das produzierte in der Fraktionssprechersitzung nämlich nur verwirrte Gesichter. Wer Rot-Grün-Blind ist, erkennt nämlich gar nicht, worauf es ankommt.
War das Scheitern programmiert?
Und genau die Teilung der Innenstadt in einen nördlichen und südlichen Bereich ist nämlich die Idee, die mit einfachen Mitteln das herbeiführen soll, woran das Verkehrskonzept gescheitert ist. Wobei es weniger am ursprünglichen Konzept lag, sondern eher an der Idee aus dem Gemeinderat heraus, an der Stadtkirche die Ausfahrt mit einem Einbahnstraßenschild zu verhindern.
Das sorgte letztendlich nicht nur dafür, dass anstatt weniger Verkehr in der Karlstraße die Autos plötzlich Stoßstange an Stoßstange standen, sondern auch für reichlich Frust, Wut und eine hitzige Stimmung, wann immer das Wort Verkehrskonzept fiel. Und dafür, dass der Gemeinderat wenige Tage vor der Kommunalwahl seine Entscheidung revidierte. Doch diese Geschichte wurde schon ausführlich erzählt. Jetzt sollen neue Zeiten anbrechen.
Viele Faktoren spielen mit
Das Ziel ist klar: Der Durchgangsverkehr soll aus der Stadt raus, doch diejenigen, die in die Stadt wollen, sollen auch überall mit dem Auto hinkommen. Darauf hat sich der eigens gegründete Mobilitätsausschuss geeinigt.
Doch wie kann man das kurzfristig erreichen? Schließlich hatte schon das letzte Konzept gezeigt, dass beim Thema Verkehr viele Faktoren mitspielen: Es gibt Autos, Busse, Fahrräder, Fußgänger und Lieferverkehr – und jede Gruppe hat ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse. „Wenn wir versuchen, das alles neu zu regeln, dann brauchen wir mehrere Jahre“, erklärt Erik Pauly.
Und hier kommt der Plan von der Donaueschinger Innenstadt ins Spiel. Der Durchgangsverkehr soll den „großen Ring“ nutzen: Bahnhofstraße und Herrmann-Fischer-Alle auf der einen Seite der Bahnlinie, Güterstraße und Hagelrainstraße auf der anderen Seite – und anschließend über den Hindenburgring.
Von Schwachstellen und Ideen
Auf der anderen Seite ist das mit dem Ring etwas komplizierter. Schließlich gibt es das Schloss und den dazugehörigen Park – worüber nun wirklich niemand in Donaueschingen klagen möchte. Aber mit dem Ausbau der Bundesstraße und vor allem dem neuen Allmendshofener Zubringer biete sich eine schnelle Alternative.
Eine kleine Schwachstelle gibt es noch. Der Kreisverkehr an der Einmündung Donaueschinger Straße/Allmendshofener Zubringer sollte längst gebaut sein, ist aber immer noch in Wartestellung. Das ist aber dann nicht die Baustelle der Stadt, sondern des Regierungspräsidiums. Trotzdem bildet sich so der City-Ring. „Der Weg über Allmendshofen ist zwar weiter, aber durchaus schneller“, ist sich OB Erik Pauly sicher. Und wer von der Siedlung zum Tennis fährt, müsse eben nicht quer durch die Innenstadt fahren, sondern könne den City-Ring nutzen.
Wer aber in die Innenstadt will, der soll das auch können. „In der Kernstadt soll weiterhin alles erreichbar bleiben, und auch alle Parkplätze werden weiterhin vorhanden sein.“ Der Autofahrer muss nur vorher überlegen, ob er in den nördlichen Teil oder in den südlichen Teil will. Denn zwischen beiden Teilen soll es kein Durchkommen mehr geben.
Fürstenberg-, Karl und Mühlenstraße bilden quasi die Grenze für den nördlichen und den südlichen Teil der Innenstadt. Innerhalb der Bereiche ist eine freie Fahrt möglich.
Zurück auf den City-Ring
Doch wer den Bereich wechseln möchte, der muss zurück auf den City-Ring.
Die Idee klingt logisch: Warum hatte die nicht schon vorher jemand? Schließlich versucht Donaueschingen seit Jahren, die Verkehrsprobleme in der Innenstadt zu lösen. Ein paar kleine Änderungen wird es geben, damit das Konzept überhaupt funktionieren kann. Der Platz am Rathaus wird beispielsweise komplett für den Individualverkehr gesperrt. Und auch das Residenzviertel, das immerhin mit vielen Millionen Euro zum touristischen Aushängeschild von Donaueschingen aufgehübscht wurde, soll nicht mehr von Autos, sondern von Fußgängern und Radfahrern dominiert werden. Einzig die Zufahrt zum Parkhaus unter dem Max-Rieple-Platz soll über die Josefstraße möglich bleiben.
Geplant ist auch, den Busverkehr anzupassen. Denn bereits 2018 war die Anzahl der Busse in der Innenstadt ein Thema. Die damalige GUB-Stadträtin Claudia Weishaar hatte gezählt: Mehr als 150 Busse kurven unter der Woche über die Josef- und die Karlstraße durch die Innenstadt. „Wir sind im Gespräch mit dem Landratsamt“, sagt OB Erik Pauly.
Im Gespräch ist die Stadt auch mit den Gastronomen. Denn in der Vergangenheit hatte sich hauptsächlich der Gewerbeverein zum Thema Innenstadtverkehr geäußert. Durchaus gebe es aber auch Gastronomie-Betriebe, die gerne mehr Außenbewirtung und weniger Verkehr bevorzugen würden.
Wie es weitergeht
Beratung
Der Gemeinderat wird sich am Dienstag, 14. März, mit der Initiative City-Ring beschäftigen. Allerdings wird dort keine Entscheidung in Bezug auf die Verkehrsführung getroffen. Denn die Bürger sollen bei dem Projekt mitgenommen werden. Deshalb ist am Dienstag, 28. März, eine Einwohnerversammlung zum Thema geplant. Diese findet ab 19 Uhr im Strawinsky-Saal der Donauhallen statt.