Nun muss die Reißleine gezogen werden: Begonnen hatte alles im Jahr 2002, als sich sieben Personen in Rötenberg zur Gründung des Vereins „Stephanus-Arbeit“ trafen.
Zur Gründung des sozial-missionarischen Vereins angeregt hatte die schon länger bestehende Verbindung der Rötenberger Erhard und Dorle Polster zu Hamilton T. Banna und Shanthakumar Y. Adgal aus Indien. Das Ehepaar Polster war zwei Jahrzehnte als Entwicklungshelfer für die Basler Mission in Indien tätig.
Bereits 1981 hat Hamilton in einer Lepra-Kolonie begonnen, sich um ausgegrenzte Menschen zu kümmern. Später weitete sich seine Arbeit auf viele Dörfer des Subkontinents aus. Hilfe zur Selbsthilfe war stets sein Anliegen.
In 39 Dörfern hat Hamilton mit seinen Mitarbeitern gearbeitet und den Menschen Wege gezeigt, wie sie in ihren Dörfern auch unter schwierigen Lebensbedingungen bleiben und leben können. Er hat Schulungen auf den Dörfern über biologischen Landanbau organisiert.
Staatliche Hilfen gefordert
Er ist mit den Bauern auf die Ämter in die Städte gegangen und hat dort staatliche Hilfen eingefordert. Er hat sich dafür eingesetzt, dass den Bauern in den Dürrezeiten Arbeitsprogramme vom Staat angeboten wurden unter dem Motto „Nahrung für Arbeit“. Hamilton initiierte viele Selbsthilfegruppen. Manche Menschen konnten sich durch das Fürsprechen von Hamilton mit Hilfe kleiner Kredite von örtlichen Banken selbstständig machen.
Staatliche Hilfen eingefordert
Shanthakumar indes widmete sich der AIDS-Aufklärung, da sich diese Krankheit in Indien schnell ausbreitet. Dabei sind ihm Slums, Schulen und Kirchen nicht fremd. Zudem unterrichtete er Pastoren und Lehramtsstudenten, damit diese ebenfalls ihr Wissen weitergeben können. Hierfür war Shanthakumar als ehemaliger Schuldirektor geradezu prädestiniert. Auch wollte er genau wie Hamilton seinen Mitmenschen den christlichen Glauben näherbringen.
Erstmals Schnee gesehen
Denken die Ausschussmitglieder der Stephanus-Arbeit an die 21-jährige Geschichte ihres Vereins zurück, dann sind vor allem die Besuche von Hamilton und Shanthakumar in Deutschland in Erinnerung: Hier – wo sie das erste Mal Schnee gesehen haben – waren sie 2005 und 2013 zu Gast und durften die Triberger Wasserfälle und die für den Schwarzwald typischen Kuckucksuhren bestaunen.
Freundschaften entstanden
Auch der rege Kontakt zur Partnergemeinde Maisenbach lag der Stephanus-Arbeit stets am Herzen. Immer wieder informierten die Mitglieder über das Wirken von Hamilton und Shanthakumar in ihrer Heimat, wie beispielsweise bei Vorträgen in Rötenberg, Fluorn und Maisenbach – und sogar im Radio Neckarburg. Nicht fehlen durften im Repertoire des Vereins die Bücherflohmärkte, die einmal im Jahr abwechselnd in Rötenberg und Fluorn stattfanden und immer sehr gut angenommen wurden. Durch mehrere Besuche in Indien konnten sich einige Vereinsmitglieder einen Einblick in die gute Arbeit vor Ort machen.
Keine Nachfolger gefunden
Nun hat sich der Verein aufgelöst. Es galt, den Tatsachen in die Augen zu sehen: Hamilton und Shanthakumar sind im Rentenalter und Nachfolger konnten in den vergangenen Jahren leider nicht gefunden werden. Für die Mitglieder war dies keine leichte Entscheidung. Schließlich war man als Verein auch menschlich zusammen-gewachsen.
Unvergessen bleibt, was in Indien über etwas mehr als zwei Jahrzehnte erreicht wurde. Man möchte weiterhin den Kontakt zu Hamilton und Shanthakumar aufrecht erhalten. Dank der finanziellen Hilfe des CVJM Rötenberg konnte ein Sohn von Hamilton ein Studium absolvieren und ist heute in der Lage, seine Eltern im Alter zu unterstützen. Die Freundschaften, Begegnungen und Erfahrungen waren und sind bis heute für alle überaus wertvoll.